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ERC-Abgeordneter Gabriel Rufián, 44, mit weiter Hose und Jeansjacke
Der ERC-Abgeordnete, 44, zeigt sich in weiter Hose und schmal geschnittener Jeansjacke – ein Look, der mit Brad Pitt verglichen wird, dessen Jacke 7.950 € kostete.
Hose aus den 2000ern und schmale Jacke: Rufiáns Look mit 44
Was trägt Gabriel Rufián? Eine weite, rap-inspirierte Hose, wie sie Anfang der 2000er modern war, kombiniert mit einer schmal geschnittenen Jeansjacke und einem Hemd. Das in sozialen Medien verbreitete Bild hat eine Debatte neu entfacht, die über die Schneiderei hinausgeht: Kleidung als politische Botschaft, Urteile über das Alter und der ständige Lärm, der den Sprecher von ERC (katalanische Partei Esquerra Republicana) im spanischen Kongress begleitet. Darunter liegt eine unbequemere Frage: Wird über der Anzug diskutiert – oder darüber, was der Anzug bedeutet?
Die 7.950-Euro-Jacke, die der Abgeordnete nicht trägt
Ausgangspunkt ist ein Vergleich. Laut der Referenz, die Diario Vasco aufgreift, erinnert das Outfit an einen öffentlichen Auftritt von Brad Pitt, mit einer Jacke von Zegna im Wert von 7.950 Euro. Rufián trägt dagegen eine gewöhnliche Jeansjacke, und daraus ergibt sich alles Weitere: Es wird spekuliert, die Hose stamme aus einer Fast-Fashion-Kette, was niemand bestätigt hat, und man beharrt darauf, dass der Schauspieler besser damit aussieht. Das Nebeneinander von billigem Kleidungsstück und Luxusmode ist tatsächlich das Zeitgemäßeste an der Sache.
Es gibt sogar ein Requisiten-Detail. Das Gebäude im Hintergrund ist laut den kursierenden touristischen Informationen eine ehemalige psychiatrische Klinik. Die Kulisse hilft nicht, den Ton der Debatte zu senken.
Warum wird über die Kleidung eines 44-jährigen Abgeordneten diskutiert?
Weil der Kontrast zu seinem gewohnten Auftritt – Anzug und Krawatte auf dem Parlamentsteppich – das Outfit zu einer Erklärung macht. Wer nach der Vierzig jugendlich kleidet, tut das nicht aus Nachlässigkeit: Es ist eine Entscheidung, und jede ästhetische Entscheidung in der Politik ist eine Botschaft. Die ungeschriebene Regel des Oversize-Looks lautet, dass er an jungen Körpern besser funktioniert; ab einem gewissen Lebensabschnitt liest man die weite Hose nicht mehr als Stil, sondern als Verkleidung. Das, nicht der Stoff, wird hier beurteilt.
Manche halten diese Hosen für ein generationales Markenzeichen: Wer sie trägt, teilt ein sehr konkretes Kulturbündel, das der Jahrtausendwende. Umgekehrt wird argumentiert, dass die Kriminalisierung eines Kleidungsstücks älter ist als das Kleidungsstück selbst. Beides kann gleichzeitig wahr sein – was bei Kleidung fast immer der Fall ist.
Von der Hose zum Privatleben: Was nicht belegt ist
Der Sprung von der Ästhetik zur Biografie erfolgte sofort. Es kursieren Versionen über seine Scheidung, seinen Sohn und angebliche Affären, einschließlich der Erwähnung einer dritten Person aus dem institutionellen Umfeld. Nichts davon ist belegt: Es gibt keine offizielle Bestätigung und kein öffentliches Gerichtsurteil, und die ihm in sozialen Medien zugeschriebenen Texte, datiert auf Ende 2018, sind Veröffentlichungen ohne unabhängige Überprüfung. Sie müssen als das behandelt werden, was sie sind: unbestätigtes Material.
Außerdem wird ein Video geteilt, das in einem Lokal in Barcelona aufgenommen wurde und ihn mit Esther Expósito, 26, beim Tanzen zeigt. Die Aufnahme soll laut diesen Versionen entstanden sein, als er über 40 und sie unter 25 war. Der Altersunterschied ist eine Tatsache; die Deutung, die ihm gegeben wird, nicht. Gegen all diesen Lärm betonen die Verteidiger des Politikers einen nicht unerheblichen Punkt: Es ist keine einzige Klage gegen ihn wegen dieser Behauptungen bekannt.
Die 140.000 Euro und die Erzählung vom Staatsagenten
Wirtschaftlich geht die Rede von rund 140.000 Euro jährlich zwischen Diäten und Zulagen, ein Betrag, mit dem man in Madrid ziemlich weit kommt. Darauf aufbauend entsteht die zynischste Lesart: dass die Figur eine lukrative Nische gefunden hat und dass seine Familie aus Jaén und sein Katalanisch – eher administrativ als spontan – schlecht zur Identitätserzählung passen, die er verkauft.
Politisch tauchen zwei Vorwürfe wieder auf. Der erste: ERC nutze ihn, um bei Parlamentswahlen Wähler im Großraum Barcelona zu gewinnen, und verstecke ihn bei Regionalwahlen. Der zweite ist schlicht phantastisch: Der Abgeordnete sei ein Staatsagent. Es gibt nicht einen Beweis, ebenso wenig wie für die Theorien über ausländische Einmischung bei Vorfällen wie den Unruhen in Barcelona oder der Ceuta-Krise. Dass etwas kursiert, macht es nicht wahr.
Von der Hose zum Reggaeton: Wenn ein Foto zum Vers wird
Die Episode hat schließlich gereimte Parodien und sogar einen improvisierten Reggaeton mit einem Refrain über die Hosen hervorgebracht – ein Beweis, dass die Sache den Rahmen der Anekdote gesprengt hat. Dazu kommt seine Deutung der Vorfälle in Barcelona, die er seiner Aussage nach einer Operation zuschreibt, um die Linke zu schwächen, mit der extremen Rechten im Hintergrund. Die Kontroverse ist also längst keine textile mehr.
Mit all diesen Bausteinen lautet das Fazit bescheiden: Eine weite Hose von vor zwei Jahrzehnten hat mehr Kommentare erzeugt als jede Gesetzesinitiative der Woche. Die Schneiderei lebt, wie die Politik, von der Erzählung. Und die Erzählung, das weiß man, führt nicht immer zum Schneider.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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