Ceuta-Reporter Alaaddine Azzouzi: Diversität beendet keinen Rassismus

Der Journalist Alaaddine Azzouzi hält Medienvielfalt für unzureichend gegen Rassismus und plädiert für sozialen Journalismus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Vielfalt in den Redaktionen ist wichtig, aber laut dem Journalisten **Alaaddine Azzouzi** nicht die alleinige Lösung gegen Rassismus. Er setzt sich für einen Journalismus ein, der komplexe Realitäten menschlich darstellt.

Für viele ist Journalismus ein Instrument des gesellschaftlichen Wandels. Diese Überzeugung veranlasste **Alaaddine Azzouzi**, einen jungen Reporter von **3Cat**, sein Leben umzukrempeln. Er studierte Biomedizinische Ingenieurwesen an der **Universitat Autònoma de Barcelona**, einem Umfeld, das kritisches Denken förderte, als er sich für den Journalismus entschied. Die Soziologie öffnete ihm die Augen für eine Realität, die er erzählen musste – eine Realität geprägt von Rassismus, den er selbst erlebt hatte. Mit **26 Jahren** begann er, Geschichten zu erzählen, spezialisiert auf Migration und Vorurteile.

## Menschlichkeit an der Grenze

Die Migrationskrise in **Ceuta** rückte **Azzouzi** ins Rampenlicht. Seine Berichte auf Katalanisch und Arabisch, ohne Dolmetscher, verbanden ihn direkt mit den Geschichten derer, die die Grenze überquerten. Es waren **70.000 Menschen**, die unter prekären Bedingungen ankamen, viele davon Kinder, die Monate später noch im Freien schliefen. Der Reporter wollte über Zahlen und geopolitische Lesarten hinausgehen. Sein Ziel war es, "die Menschlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren" und daran zu erinnern, dass hinter jeder Schlagzeile Menschen stehen. Die Situation in **Ceuta**, einer Stadt mit **80.000 Einwohnern**, überforderte die Aufnahmekapazitäten und betraf besonders die Randbezirke wie **Tarajal** oder **Hadú**, während das Zentrum eine "relative Normalität" bewahrte.

## Sprache, die Realitäten konstruiert

Das Wort "Invasion" wurde in der Medienberichterstattung bis zur Erschöpfung wiederholt, ein Begriff, den **Azzouzi** als "apokalyptisch" ansieht und der von der extremen Rechten genutzt wird, um Angst zu schüren. Er spricht lieber von einer "Migrations- und humanitären Krise", eine Art der Benennung, die Entmenschlichung vermeiden soll. Diese Sichtweise kollidiert mit "entmenschlichenden und sensationslüsternen" Berichten, die seiner Meinung nach dem journalistischen Handwerk widersprechen. Die Gegenposition setzt darauf, die Betroffenen zu humanisieren und aus der "einzigen Erzählung" auszubrechen.

## Idealisierte Migration und harte Realität

In Ländern wie **Marokko** gibt es eine Idealisierung Europas, oft genährt durch soziale Medien und die Erzählungen zurückkehrender Familienangehöriger, die ein besseres Leben zeigen. Diese Vision ignoriert jedoch die Härte des Migrationsprozesses: fehlende Papiere, soziale Verankerung sowie institutioneller und gesellschaftlicher Rassismus. **Azzouzi** kennt diesen Begriff gut, "ghorba" (-غربة), ein arabisches Wort ohne einfache Übersetzung, das das Gefühl der Entfremdung während der Reise beschreibt. Als Sohn marokkanischer Einwanderer versteht der Journalist die Komplexität dieser Erfahrungen.

## Mehr als nur "Türsteher der Migration"

**Alaaddine Azzouzi** spricht fünf Sprachen: Katalanisch, Spanisch, Arabisch, Englisch und Französisch. Seine Präsenz in den Medien, insbesondere wenn er täglich katalanische Kinder in **InfoK** informiert, ist symbolisch und wichtig. Dennoch distanziert er sich davon, der "Sprecher des gesamten Antirassismus" zu sein. Er erkennt den Druck an, im Fokus zu stehen, ähnlich wie bei **Miriam Hatibi** nach den Anschlägen auf **La Rambla**, die man zur "jungen Stimme der Muslime in Katalonien" machen wollte. Er betont, dass Medien manchmal den Fehler machen, den Diskurs auf eine einzige Person zu konzentrieren, obwohl es viele andere Stimmen gibt, die gehört werden könnten.

## Journalismus mit transformative Ambition

Bevor er Reporter wurde, war **Azzouzi** ein antirassistischer Aktivist in sozialen Netzwerken. Er versteht, dass Journalismus und Aktivismus unterschiedlich sind, befürwortet aber einen Journalismus, der "für die Gesellschaft nützlich und willens ist, etwas zu verändern". Für ihn existiert kein "objektiver" Journalismus; jedes gewählte Wort und seine Formulierung verorten den Journalisten an einem bestimmten Punkt. Er glaubt fest an die Menschenrechte und betrachtet deren Bekenntnis als natürlich. Die Vielfalt in den Redaktionen, sei es in Medienunternehmen oder anderen Firmen, ist ein Schritt, aber nicht die endgültige Lösung zur Ausrottung des Rassismus.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

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