Garamendi schlägt vor, dass Arbeitnehmer ihre Beiträge selbst zahlen
Laut einer im aktuellen Diskurs kursierenden Berechnung landen auf dem Konto eines Arbeitnehmers etwa 1.250 Euro, wenn ein Unternehmen 1.900 Euro für ihn ausgibt. Zwischen diesen beiden Zahlen gibt es kein buchhalterisches Geheimnis: Es sind das Bruttogehalt, die Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommensteuer (IRPF). Der Präsident des spanischen Arbeitgeberverbands CEOE, Antonio Garamendi, hat diese Lücke erneut thematisiert. Auf dem Campus FAES 2024 forderte er, dass Arbeitnehmer ihr Bruttogehalt ausgezahlt bekommen und anschließend ihre eigenen Sozialbeiträge zahlen sollen – ähnlich wie dies bei Selbstständigen (Autónomos) üblich ist. Der Vorschlag ist nicht neu, wirft aber dieselbe Grundfrage auf: Wem gehört das Geld, das monatlich an die Sozialversicherung fließt?
Was genau die CEOE vorschlägt
Garamendi argumentiert, dass steigende Beitragssätze die Kosten für Unternehmen in die Höhe treiben, wobei kleine Firmen besonders stark belastet werden. Zur Verdeutlichung nutzte er einen häuslichen Vergleich: Es sei so, als würde man in einer Hausgemeinschaft über die Nebenkosten sprechen und jemand beschließt, dass ab sofort nur die Bewohner im ersten und zweiten Stock zahlen, während die anderen verschont bleiben.
Die von ihm verteidigte Maßnahme ist einfach zu formulieren, aber schwer zu verdauen: Das Bruttogehalt auf das Konto des Arbeitnehmers auszahlen und sich dann vom Staat den Anteil zurückholen lassen. „Ich fände es gut, wenn man das macht, was die Sozialversicherung mit Selbstständigen tut, die jeden Monat ihren Beitrag abziehen“, sagte er. Sein Argument ist weniger fiskalischer als pädagogischer Natur: Wenn man jemanden fragt, wie viel er verdient, denkt er nur an das, was er auf dem Konto sieht, und vergisst Sonderzahlungen, Lohnsteuerabzug und Sozialbeiträge. Wenn er sehen würde, dass die Kosten fast doppelt so hoch sind, vermutete er, gäbe es „mehr Bürgerbewusstsein“ dafür, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Er fügte eine grundlegende These hinzu: Dieses Geld gehöre dem Arbeitnehmer, auch wenn der Arbeitgeber es zahle.
Die Antwort der Regierung: Vorschläge „typisch für Milei“
Yolanda Díaz, die zweite stellvertretende Ministerpräsidentin und Arbeitsministerin, reagierte schnell. Sie forderte die Arbeitgeberseite auf, keine Vorschläge mehr zu machen, die sie als „typisch für Milei“ bezeichnete, und warnte davor, dass kein seriöses Land auf ein Modell zusteuere, bei dem das Gehalt an den Arbeitnehmer ausgezahlt wird, damit dieser sich selbst um seine Absicherung kümmert. Sie fasste es als ein Jeder-für-sich-Modell zusammen, das ihrer Meinung nach nicht zum Europa des 21. Jahrhunderts passe.
Hier lohnt es sich, zwischen Rauschen und Kernthemen zu unterscheiden. Der Streit dreht sich nicht darum, ob Sozialbeiträge existieren – sie existieren weltweit, wie ein Teilnehmer der Diskussion erinnerte –, sondern darum, wer sie tatsächlich zahlt und wer die Last trägt.
Wer zahlt wirklich die Sozialversicherungsbeiträge?
Die Antwort hängt davon ab, aus welcher Perspektive man schaut, und genau darin liegt die Falle. Einige vertreten die Ansicht, dass der Arbeitgeberanteil aufgeschobenes Gehalt sei: Wenn der Arbeitnehmer nicht diese Mindestproduktivität generiere, gäbe es keinen Vertrag und somit keine Beiträge. Nach dieser Logik stammt der Arbeitgeberbeitrag aus der Tasche des Arbeitnehmers, auch wenn das Unternehmen ihn überweist, und das aktuelle System versteckt lediglich die Rechnung in einer Zeile, die kaum jemand liest.
Dem gegenüber steht ein anderes Argument: Die Sozialversicherung ist auch ein Kostenfaktor bei der Einstellung, und der Arbeitgeber zahlt sie nicht aus Nächstenliebe, sondern weil er Zugang zu einem Rahmen von Rechten erhält – Rente, Arbeitslosengeld, Gesundheitsversorgung –, den auch er genießt. Eine Änderung des Verpackungsmaterials reduziert keinen einzigen Euro des einzuziehenden Betrags. Es ändert sich nur, von wem eingezogen wird und wann.
Und dann gibt es noch das technische Detail, das die Debatte vergiftet: Eine Sozialversicherung ist keine Steuer, sondern ein Abgabenverhältnis, behauptet ein Teilnehmer der Diskussion, und der Unterschied ist subtiler, als er scheint. Eine Steuer berechtigt zu nichts Konkretem; eine Sozialversicherung wird in Form von Leistungen zurückerstattet. Diese Verwechslung ist die Grundlage fast aller Konflikte.
Das Beispiel, das die Gehaltsabrechnung auf den Kopf stellt
Wenn man schon rechnet, verdeutlicht eine in solchen Debatten kursierende Berechnung die Sache in drei Stufen: Ein Arbeitnehmer, der 1.250 Euro netto erhält, hat ein Bruttogehalt von rund 1.400 Euro, und das kostet das Unternehmen inklusive Sozialbeiträgen etwa 1.900 Euro. Darin liegt die ganze Geschichte: Fast die Hälfte des ausgegebenen Betrags landet nie auf dem Konto.
Vergleichende Modelle helfen wenig, den Streit beizulegen, tragen aber viel zum Verständnis bei. In Frankreich ist die Gehaltsabrechnung sehr lang, weil sie zweckgebundene Beiträge für jede einzelne Leistung aufschlüsselt; in Spanien fällt fast alles in einen Topf namens „allgemeine Risiken“. Einige befürworten, dass der klarste Weg der dänische wäre: Das Gehalt um den Betrag der Arbeitgeberbeiträge erhöhen und dann einen einzigen Rabatt anwenden, was jedoch, um das heutige Steueraufkommen zu halten, einen sehr hohen Durchschnittssatz erfordern würde.
Die 37,5-Stunden-Woche, die andere offene Front
Garamendi beschränkte sich nicht auf die Sozialbeiträge. Er griff auch die Reduzierung der Arbeitszeit auf 37,5 Stunden pro Woche an, die Regierung und Gewerkschaften verhandeln, und kritisierte, dass dies die im Mai 2023 unterzeichnete Tarifvereinbarung zwischen Arbeitgebern, CCOO und UGT breche. Seine Beschwerde: Niemand habe in Bars oder kleinen Geschäften gefragt, wie sie die gesetzliche Kürzung betrifft.
Der Unternehmerführer bediente sich der Ironie bei Umfragen: Wenn man darauf hören würde, was den Menschen gefällt, warum dann nicht 20 Stunden pro Woche? „Mehr Leute würden sagen, dass ihnen das recht ist“, sagte er. Und er hinterließ einen Satz, der seine Position zusammenfasst: Mächtig ist, wer das Staatsgesetzblatt (BOE) besitzt. Auf dem Tisch lägen, erinnerte er, 21 Vereinbarungen mit der Regierung, und seine Organisation sei gesprächsbereit, aber nicht bereit, sich überrollen zu lassen. Die Verhandlung ähnele einem Spiel, bei dem man von vornherein weiß, dass man 5:0 verlieren wird.
Warum fast niemand die fehlende Spalte beachtet
Hier taucht der unbequeme Fakt auf. Der Arbeitgeberanteil kann seit Jahren auf der Gehaltsabrechnung ausgewiesen werden, wie in der Debatte behauptet wird, obwohl seine Aufnahme nicht obligatorisch ist und vom Willen jedes einzelnen Unternehmens abhängt. Das Ergebnis ist, dass die meisten Angestellten nur die Zahl unten rechts kennen. Und sobald die Steuererklärung kommt, freuen sich viele Leute darüber, dass „Geld zurückgezahlt wird“, ohne zu erkennen, dass sie in Wirklichkeit nur einen zu hohen Lohnsteuerabzug zurückerhalten.
Dies ist der Boden, auf dem der Vorschlag der CEOE gleichzeitig gewinnt und verliert. Er gewinnt, weil er das Unsichtbare sichtbar macht. Er verliert, weil er, ohne einen einzigen Euro an Beiträgen oder Steuern zu senken, nichts Materielles ändert: Er verschiebt nur das Papier. Die im Diskurs verwendete Berechnung zur Angleichung an das dänische System deutet auf einen Durchschnittssatz von nahe 39 % hin. Diese Zahl erscheint weder auf dem Bankkonto noch im alten oder neuen Modell.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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