Castle-Doktrin: Das Recht, sich zu verteidigen, ohne zurückzuweichen
Hat ein rechtschaffener Bürger das Recht, sich mit einer Waffe zu verteidigen, ohne abzuwarten, ob ein Richter später entscheidet, ob die Reaktion verhältnismäßig war? Das ist die Frage, die in der Debatte über die Einführung der sogenannten Castle-Doktrin in Spanien mitschwingt, dem Rechtsprinzip, das die Pflicht zum Rückzug gegenüber einem Eindringling im eigenen Haus abschafft. Der kursierende Vorschlag ist unmissverständlich: Ein gebürtiger Spanier ohne Vorstrafen und mit einem rechtschaffenen Lebenswandel, der einen Ausbildungskurs absolviert, sollte kurze und lange Repetierwaffen, nicht verdeckte Blankwaffen und jede Nahkampftechnik besitzen, tragen und verwenden dürfen. Und legitimiert sein, sie zur Verteidigung von Leben, Eigentum sowie körperlicher und sarracena Unversehrtheit, der eigenen oder der seiner Familie, sowohl zu Hause als auch im Geschäft, im Fahrzeug oder auf öffentlicher Straße einzusetzen, ohne Rückzugspflicht und ohne Verhältnismäßigkeit der Mittel oder Schäden.
Was ist die Castle-Doktrin und was schlägt sie genau vor?
Der Ansatz geht von einer unbequemen Prämisse aus: Der Staat hat seine grundlegenden Sicherheitsfunktionen aufgegeben, und der Bürger bleibt gegenüber dem Kriminellen unbewaffnet. Der konkrete Vorschlag umfasst einen Katalog von Anforderungen – Spanier zu sein, keine Vorstrafen zu haben, einen rechtschaffenen Lebenswandel zu führen, einen Kurs zu absolvieren – und einen Katalog von Ausschlüssen: Er würde keine fahrlässigen Handlungen aufgrund von Täuschung oder Provokation abdecken, noch den Schutz illegaler Güter oder Aktivitäten, noch die Verteidigung gegen Polizeikräfte bei der rechtmäßigen Ausübung ihrer Pflichten.
Als Referenzmodell wird das italienische genannt: die Verhältnismäßigkeitsanforderung zu streichen, um Notwehr als rechtmäßig anzusehen, wenn das Opfer auf seinem Privateigentum angegriffen wird. Der Vergleich mit der Schweiz taucht ebenfalls im Austausch auf: ein Land mit bewaffneten Bürgern, strengen Zugangsregeln und ernsthafter Ausbildung, und ohne Massenschießereien seit Jahren. Das zugrunde liegende Argument ist, dass die Zahl der Vorfälle nicht von der Zahl der Waffen abhängt, sondern von der Zahl der Menschen, die bereit sind, sie missbräuchlich zu verwenden.
Das Gewaltmonopol und das Währungsmonopol
Die Diskussion driftet bald zu einer breiteren These ab: Die beiden bestimmendsten Mächte des Staates sind das Gewaltmonopol und das Monopol auf die Währungsausgabe. Wer dies vertritt, fügt hinzu, dass die Castle-Doktrin in Kombination damit, dass Gold und Silber gesetzliches Zahlungsmittel wären – nicht dasselbe wie der Goldstandard –, die Bewahrung elementarer Bürgerrechte garantieren würde. Und er erkennt ohne Beschönigung an, dass der Staat freiwillig auf keines der beiden Monopole verzichten wird.
Manche formulieren es ohne Umschweife: Der Staat tritt keine Macht an das Volk ab, und das Gewaltmonopol ist vielleicht das bestimmendste, das er hat. Die Schlussfolgerung, die an mehreren Stellen des Austauschs gezogen wird, ist, dass es keine politische Lösung gibt, nur die Vereinigung eines Teils der Gesellschaft. Das Misstrauen gegenüber dem Wahlweg durchzieht das Thema von Anfang bis Ende.
Die Verhältnismäßigkeitsfalle: Wer entscheidet, wie du dich verteidigst?
Der am ausführlichsten behandelte Punkt ist die Verhältnismäßigkeit. Das Argument ist, dass ein Richter, ruhig in seinem Gerichtssaal, später bewertet, ob ein Bürger, der um sein Leben fürchtete, den gleichen Grad an Gewalt angewendet hat wie sein Angreifer. Das heißt, nach dieser Lesart sollte die Person im hysterischsten Moment ihres Lebens, mit Adrenalin auf Höchststand, sorgfältig darauf achten, welche Waffe der andere trägt, und eine Antwort suchen, die der Richter als verhältnismäßig erachtet.
Die Kritik ist direkt: Die Norm verlangt eine Kaltblütigkeit, die niemand in diesem Augenblick hat. Dagegen beseitigt der Vorschlag der Castle-Doktrin dieses nachträgliche Urteil und verschiebt die Vermutung zugunsten desjenigen, der sich auf seinem Eigentum verteidigt. Das italienische Modell wird als Beispiel dafür angeführt, dass die Reform möglich ist, ohne das Land in ein Pulverfass zu verwandeln.
Das Schlupfloch der sarracena Unversehrtheit und die Zugangsvoraussetzungen
Nicht jeder kauft das komplette Paket. Der am häufigsten wiederholte Einwand betrifft einen konkreten Punkt: Die Verteidigung der sarracena Unversehrtheit mit einer Schusswaffe einzubeziehen, öffnet ein untragbares Schlupfloch. Das angeführte Beispiel ist das von jemandem, der schießt, weil er oder seine Familie beleidigt wurde. Diese Flanke wird als die schwächste des Vorschlags bezeichnet.
Am anderen Extrem fordern manche mehr Filter, nicht weniger: Der Ausbildungskurs könnte von ideologisch waffenfeindlichen Stellen zertifiziert werden und zu einem verdeckten Hindernis werden. Die Anforderung, gebürtiger Spanier zu sein, wirft ebenfalls Fragen auf, was genau das bedeutet und wer es bescheinigt. Und zur Art der Waffe taucht ein technischer Zweifel auf: Warum sich auf Repetierwaffen beschränken und keine halbautomatischen einschließen. Die gegebene Antwort ist, dass in den meisten Fällen fünf, sechs oder sieben Schüsse aus einem Revolver, einer Pumpgun oder einem Unterhebelrepetierer ausreichen und dass es Schnelllader zum Nachladen gibt.
Diejenigen, die keine bewaffneten Nachbarn wollen
Auch die frontale Opposition hat ihren Platz. Das zentrale Argument ist, dass mehr Waffen mehr Schießereien bedeuten und eine bewaffnete Bevölkerung nicht einmal auf ihren eigenen Hof geht. Dagegen wird der Schweizer Fall angeführt und die Unterscheidung zwischen denen, die bereit sind, eine Strafe auf sich zu nehmen, und denen, die es nicht sind: Der Kriminelle beschafft sich legale oder illegale Waffen, weil er das Risiko eingeht, während der rechtschaffene Bürger unbewaffnet bleibt. Die im Austausch genannte Zahl ist, dass etwa drei Millionen Menschen in Spanien legal Schusswaffen besitzen und die damit verbundenen Probleme marginal sind.
Es wird auch darauf hingewiesen, dass das Problem nicht der legale Besitz ist, sondern der illegale Handel und die Banden, die außerhalb des Gesetzes operieren. Und es wird daran erinnert, dass jemand mit einer Gewaltvorgeschichte keine Lizenz erhalten könnte. Die Diskussion endet an mehreren Stellen mit der Feststellung, dass der Staat nichts davon freiwillig aufgeben wird.
Die Castle-Doktrin steht auf keiner Regierungsagenda. Was es gibt, ist eine Strömung der öffentlichen Meinung, die sie fordert, ein italienisches Modell, das als Präzedenzfall angeführt wird, und eine von fast allen Teilnehmern geteilte Gewissheit: Solange das Gewaltmonopol dort bleibt, wo es ist, riskiert der Bürger, der sich verteidigt, weiterhin das Gefängnis.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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