Burgos: Spaniens strategischer Knotenpunkt mit nur 350.000 Einwohnern

Trotz Getreide, Industrie und Lage hat Burgos nur 350.000 Einwohner. Hohe Wohnkosten und fehlende Logistik erklären diese paradoxe Situation.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Burgos: Spaniens strategischer Knotenpunkt mit nur 350.000 Einwohnern
Burgos hat alles für eine starke Position, bleibt aber bei 350.000 Einwohnern stehen

Eine riesige, strategische Provinz mit reichlich Wasser, ertragreichem Getreideanbau und nur zweieinhalb Stunden von Madrid entfernt, zählt lediglich 350.000 Einwohner. Diese Paradoxie ist nicht neu; sie schwelt seit Jahrhunderten. Der Ausgangspunkt der Analyse ist eindeutig: Wenn La Rioja, mit weniger Territorium und einer eher peripheren Lage, eine ähnliche Bevölkerung hält und globale Marken rund um den Wein aufgebaut hat, warum hat Burgos dies nicht mit seinem Getreide, seiner Industrie und seinem logistischen Knotenpunkt getan?

Der Vergleich ist nicht willkürlich. La Rioja hat eine deutlich höhere Bevölkerungsdichte als Burgos, was das erste verwirrende Datum ist. Die Frage, die über der Analyse schwebt, ist nicht, was Burgos fehlt, sondern was es daran gehindert hat, aus einer auf dem Papier privilegierten Position einen Vorteil zu machen.

Die strategische Position, die nie zur Logistik wurde

Burgos liegt am natürlichen Kreuzungspunkt zwischen Madrid und dem Kantabrischen Meer, zwischen der Senke des Ebro und dem Becken des Duero. Die Hauptstadt liegt anderthalb Stunden von Bilbao, zweieinhalb von Madrid, zwei von Santander und drei von der französischen Grenze entfernt. Auf der Karte ist es ein erstklassiger logistischer Knotenpunkt.

Das Problem ist, dass dieser Knotenpunkt nicht entsprechend genutzt wurde. Saragossa, mit einer vergleichbaren Position im Ebro-Tal, hat eine nationale Referenzplattform für Logistik entwickelt. Burgos hingegen hat dieses Modell nicht repliziert. Manche argumentieren, dass das Fehlen einer entschiedenen Investition in den Logistiksektor – dem am schnellsten wachsenden Bereich der spanischen Wirtschaft – Chancen verpasst hat, die nicht wiederkommen.

Das Straßennetz hilft auch nicht, die Lücke zu schließen. Die Provinz verfügt über 307 Kilometer Autobahn, aber die Verbindung mit Bizkaia über Las Merindades bleibt eine konventionelle Straße, die CL-629, die in der Analyse selbst als gesättigt und nicht zweispurig beschrieben wird. Die Autobahn zwischen Burgos und Aguilar de Campoo ist fast fertig, aber die direkte Verbindung nach Valmaseda oder Medina de Pomar bleibt ein Projekt.

Das Getreide, das keine Industrie hervorbrachte

Die Provinz hat einen der höchsten Getreideerträge Spaniens, mit 4.000 Kilogramm pro Hektar und enormer verfügbarer Fläche. Auf dem Papier hätte dies globale Agrar- und Lebensmittelkonzerne sowie eine frühe Industrialisierung nähren sollen. Das geschah nicht.

Die in der Analyse angeführte Erklärung ist, dass die lokale Elite die Getreideüberschüsse nicht in eigene Industrien reinvestierte, wie es andere europäische Regionen taten. In Bayern finanzierte das Agrarkapital ein industrielles Gefüge, das heute die deutsche Wirtschaft trägt. Im amerikanischen Mittelwesten wurde Getreide zu Düngemitteln, Papier und Maschinen. In Burgos wurde das Getreide exportiert und sonst wenig damit gemacht.

Heute existiert die Industrie – Burgos ist eine der am stärksten industrialisierten Provinzen Spaniens, mit Gewerbegebieten, die doppelt so groß sind wie der Stadtkern –, aber sie hat nicht genug Sogwirkung erzeugt, um die Bevölkerung zu halten. Die Provinz exportiert seit fünf Jahrhunderten Menschen.

Der Wohnungspreis, der nicht passt

Eines der Argumente mit dem größten Gewicht in der Analyse ist der Wohnungspreis. In einer Provinz mit 350.000 Einwohnern, mit riesigen leeren Flächen und leicht zu bebauenden Hochebenen, sollten Wohnungen günstig sein. Sind sie nicht. Laut Analyse liegen die Preise fast auf dem Niveau von Madrid.

Dies zerstört den Hauptanreiz, Remote-Arbeiter anzuziehen. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist Burgos anderthalb Stunden von Madrid entfernt. Eine ruhige, historische und repräsentative Stadt könnte ein natürliches Ziel für diejenigen sein, die remote arbeiten können. Aber wenn die Wohnkosten die Ersparnisse auffressen, geht die Rechnung nicht auf.

Das Ergebnis ist eine Provinz, die weder ihre eigenen Leute hält noch Außenstehende anzieht. Die Bevölkerungsdichte liegt weit unter dem, was ihre Position und Ressourcen rechtfertigen würden.

Gastronomie, die Touristen abschreckt

Ein weniger wirtschaftlicher und eher kultureller Faktor taucht ebenfalls in der Analyse auf: die Gastronomie. Las Merindades, eine der schönsten Regionen Spaniens, erlebt einen Tourismushype, auf den sie nicht vorbereitet ist. Schmale Straßen, Restaurants, die mitten im Sommer um drei Uhr nachmittags schließen, und eine Haltung, die laut mehreren Berichten nicht zum Wiederkommen einlädt.

Der berichtete Fall ist aufschlussreich: Um 13:30 Uhr in ein Restaurant kommen, gesagt bekommen, dass der Speisesaal voll ist, bitten, an der Bar mit einem Bier warten zu dürfen, und zur Antwort erhalten, dass sie schließen, wenn die Gäste gehen. Mitten im August. Der Binnenlandtourismus wächst, aber das Angebot passt sich nicht an.

Es ist nicht nur eine Frage der Dienstleistungen. Es ist eine Mentalität, die laut Analyse die Entwicklung der Region belastet. Der Vergleich mit dem aragonesischen Cancelar, mit einem ähnlichen Angebot, aber einer freundlicheren Haltung, ist unvermeidbar.

Das Meer, das man nicht sieht, aber spürt

Das Fehlen einer Küste ist ein weiterer diskutierter Faktor. Burgos liegt 150 Kilometer vom Hafen von Bilbao entfernt; es ist nicht weit vom Meer, hat aber keinen Zugang dazu. Und das wiegt schwer in einer Wirtschaft, in der 90 % des Welthandels über See abgewickelt werden.

Allerdings relativieren einige dies: Für den europäischen Regionalhandel, der für Spanien am wichtigsten ist, ist der LKW König. Burgos ist besser positioniert als Vigo, um nach Frankreich oder Deutschland zu exportieren. Die Autobahn mit Logroño und Pamplona ist im Bau. Das Problem ist nicht die Lage, sondern das Fehlen einer Logistikstrategie, die sie nutzt.

Die Frage, die niemand beantwortet

Burgos hat Wasser, Getreide, Industrie, Lage und Geschichte. Es hat 307 Kilometer Autobahn und eine Hauptstadt, die laut mehreren Berichten eine der schönsten und lebenswertesten in Spanien ist. Und dennoch verliert es weiterhin Bevölkerung.

Das verwirrende Datum ist nicht, dass Burgos 350.000 Einwohner hat. Es ist, dass La Rioja, mit weniger Territorium und schlechterer Lage, eine ähnliche Bevölkerung und eine viel höhere Dichte hat. Irgendetwas stimmt nicht. Und es ist nicht die Geografie.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (115 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver