Burgos: Industrie findet keine Fachkräfte

85 % der Fabriken in Burgos können Stellen nicht besetzen. Die Zahl der 25- bis 34-Jährigen sank seit 2006 um fast 50 %, so das INE.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Burgos: Industrie findet keine Fachkräfte
Personalmangel in der Fabrik: Gehalt ist dritter Grund

Die Industrie in Burgos findet keine Arbeitskräfte, und wie die Arbeitgeber selbst einräumen, ist Geld nur der drittgrößte Grund. Zwei Jahre lang herrschte in der Provinz ein echter Wettbewerb um junge Talente für die Fabriken – etwas, das man in dieser Region lange nicht mehr erlebt hatte. Begleitend zu diesem Kampf steht eine unbequeme Tatsache: 85 % der Unternehmen in Burgos berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen.

Die drei Hauptgründe, die sie nennen, sind in dieser Reihenfolge: mangelndes Interesse und fehlende Einstellung der Bewerber, unpassende Qualifikationen und erst an dritter Stelle Unzufriedenheit mit dem Gehalt. Das Einkommen rangiert also hinter vermeintlicher Faulheit und Lehrplanproblemen. Eine Reihenfolge, die, genau betrachtet, viel über das Folgende erklärt.

Burgos verliert fast die Hälfte seiner jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren

Bevor man über Einstellungen diskutiert, sollte man prüfen, wie viele Menschen überhaupt zur Verfügung stehen. Daten des INE (spanisches Statistikamt) zur Bevölkerungsentwicklung zwischen 2006 und 2022 im Alter von 25 bis 34 Jahren in Burgos zeigen einen Rückgang von nahezu 50 %. Der Pool an potenziellen Arbeitnehmern leerte sich, während die Fabriken weiterhin nach Nachfolgern suchten.

Manche reagieren darauf mit Ironie: In Spanien arbeitet nur, wer arbeiten will. Andere antworten mit ihren konkreten Fällen innerhalb der Provinz. „Ich wohne in Burgos und bin arbeitslos“, fasst einer der Kommentare zusammen. Tatsächliche Arbeitslosigkeit koexistiert hier mit tatsächlichen offenen Stellen. Diese beiden Fakten widersprechen sich nicht; sie erklären sich gegenseitig.

Warum bewerben sich 211 Personen auf eine Hilfsarbeiterstelle, aber nur sechs auf eine Elektromechaniker-Stelle?

Die Zahlen zu den Bewerbungen pro Stelle zeichnen ein deutliches Bild. Eine offene Stelle als Maurer-Hilfsarbeiter in Córdoba zieht 211 Bewerber an; eine Baustellen-Hilfskraft in Madrid hat 158, in Sevilla 116. Am anderen Ende des Spektrums finden sich für einen allgemeinen Reaccionariorbeiter oder Elektromechaniker in Bilbao nur sechs Kandidaten, für einen Fräser in Humanes de Madrid sechzehn. Hochqualifizierte Stellen haben keine Warteschlangen.

Die Konsequenz ist klar: Unternehmen, die Fachkräfte brauchen, können nicht auswählen, während solche, die einfache Arbeitskräfte suchen, kaum Stillstand kennen. Ein Teil der Analyse führt dies auf Bildungsdefizite und fehlende Nachfolger zurück; ein anderer Teil weist direkt darauf hin, dass niemand bereit ist, für die geforderten Fachkenntnisse angemessen zu zahlen.

Metall-Tarifvertrag, Nachtschichten und Kurse für 1.500 Euro

Um zehn Uhr abends oder um sechs Uhr morgens mitten im Winter auf der Hochebene Meseta anzufangen, fördert die Bindung der Mitarbeiter nicht. Ebenso wenig hilft ein Metall-Tarifvertrag, dem Starrheit sowie reale Gefahren und Toxizität zugeschrieben werden, noch eine Lohnentwicklung, die real an Kaufkraft verloren hat. Auf diesem Hintergrund stapeln sich die Pflichtkurse: Arbeitsschutz, Arbeiten in Höhe, beengte Räume, Plattformen, Maschinenbedienung. Viele kosten zwischen 1.000 und 1.500 Euro, werden vom Arbeitnehmer bezahlt und verfallen alle zwei Jahre.

„Menschen arbeiten, um Geld zu verdienen, sie geben kein Geld aus, um arbeiten zu dürfen“, schließt jemand, der dieses Muster seit zehn Jahren in verschiedenen Branchen beobachtet. Im Metallsektor bestätigen Insider diesen Befund: Das Gehalt lohnt sich nicht, und wer bereits fest angestellt ist, wechselt aus Angst vor einem Umzug nicht, sondern nicht aus Lust.

Wie viel zahlt die Industrie in Burgos?

Der Artikel, der die Debatte auslöste, nennt keine konkrete Lohnzahl – dieses Schweigen ist der häufigste Kritikpunkt. Zur Einordnung kursiert folgende Berechnung: Aktuelle 2.000 Euro entsprechen 332.000 Peseten, während im Jahr 2000 ein Dreher oder Fräser in der Metallindustrie durchschnittlich 140.000 Peseten verdiente und ein Kaffee 100 Peseten kostete — heute 1,80 Euro—.

Dieser Vergleich ist nicht unschuldig. Dem gegenüber bietet der öffentliche Sektor regionale Stellen als Pfleger oder Verwaltungsangestellte, die inklusive Zuschlägen und Dienstjahren rund 2.000 Euro erreichen, mit festen Arbeitszeiten und sicheren Verträgen. Die Fabrik konkurriert damit und verliert oft.

Das Argument, das nicht passt: Zu viele Firmen, zu wenige Bewerber

Auf der anderen Seite wird behauptet, die Erzählung vom Fachkräftemangel sei eine Ausrede, um billigere Arbeitskräfte zu importieren. Andere erinnern daran, dass seit 2020 Hunderttausende Unternehmen insolvent gegangen sind, während der öffentliche Dienst nicht geschrumpft ist. Dies sind parteiische Aussagen, keine geprüften Daten, doch sie prägen den Ton der Diskussion.

Nachweisbar ist jedoch, dass die Schlagzeile „keine Arbeitskräfte gefunden“ seit Jahren mit stagnierenden Arbeitslosenzahlen einhergeht. Und dass lange Warteschlangen entstehen oder verschwinden, je nachdem was gezahlt wird, nicht je nachdem welche Anforderungen gestellt werden.

Angesichts dieser Demografie und der Unterschiede in den Arbeitsbedingungen muss die Industrie entweder die Löhne erhöhen, die geforderte Weiterbildung finanzieren oder auf junge Arbeitskräfte verzichten. Wahrscheinlich alle drei Punkte, in dieser Reihenfolge. Was zuerst kommt, steht noch nicht fest.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (318 Antworten).

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