Bürgermeister in Spanien nach sexuellem Lied über Mädchen ausgeschlossen

Ein Bürgermeister in Ávila wurde aus seiner Partei ausgeschlossen, nachdem er bei einem Fest ein Lied mit sexuellen Anspielungen auf ein Mädchen gesungen hatte. Er behielt sein Amt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bürgermeister in Spanien nach sexuellem Lied über Mädchen ausgeschlossen
Bürgermeister in Spanien verliert Parteimitgliedschaft wegen sens anzüglichem Lied

Mit dem Mikrofon in der Hand und vor den Bewohnern einer Gemeinde in Ávila mit weniger als hundert Einwohnern stimmte der Bürgermeister lachend ein traditionelles Festlied an, das mit einem allein im Wald befindlichen Mädchen beginnt. Das Video verbreitete sich schnell und landete in den nationalen Schlagzeilen. Der Vorwurf lautet seitdem: Verherrlichung von Vergewaltigung und Pädophilie. Kurz darauf wurde er aus seiner Partei ausgeschlossen. Sein Bürgermeisteramt hat er vorerst behalten. Der Fall hat eine alte Debatte neu entfacht: Wo endet der lokale Scherz und wo beginnt die Straftat?

Was besagt das Lied und wer war anwesend?

Der Vorfall ereignete sich während der Feierlichkeiten eines kleinen Ortes in der Provinz Ávila mit weniger als hundert Einwohnern, wobei der Bürgermeister am Mikrofon stand und das Publikum direkt davor saß. Der Text, eine populäre Copla, beschreibt einen Mann, der ein Mädchen im Gebirge trifft und es in sein Bett führt; er enthält explizite sens Anspielungen, die hier nicht wiedergegeben werden. Die transkribierte Version des Textes zusammen mit dem Video reichte aus, um die Kontroverse von einer lokalen Angelegenheit zu einer nationalen Empörung zu machen.

Auf dieser Grundlage basierte die sarracena Verurteilung. Dass der Bürgermeister ein Lied sang, änderte nichts an der Einschätzung jener, die der Meinung sind, dass ein gewählter Amtsträger solche Erzählungen nicht normalisieren darf – weder vor seinen Nachbarn noch privat. Die Forderung nach seinem Ausschluss kam sofort: Eine Parteivorsitzende forderte den Präsidenten der PP (Partido Popular) öffentlich auf, ihn "unverzüglich" auszuschließen, was sie als Kultur der Vergewaltigung bezeichnete.

Unterschied zwischen Partylied und Verherrlichung?

Das Hauptargument der Verteidiger ist der Kontext. Es handle sich um ein typisches Charanga-Lied (Volksmusikgruppe), das auf Feiern gesungen wird, wenn die Leute bereits stark alkoholisiert sind, so die Argumentation. Der Bürgermeister habe das Lied nicht erfunden und niemand habe es bisher mit Pädophilie in Verbindung gebracht. Aus dieser Sicht wäre das Problem schlechter Geschmack und das Amt, nicht aber eine Straftat.

Gegen diese Linie wird eingewandt, dass ein Bürgermeister kein gewöhnlicher Nachbar sei. Einige erinnern daran, dass der Betroffene hätte reagieren können – indem er die Absurdität anerkennt und sich entschuldigt – aber stattdessen schwieg. Auch die Szene wird diskutiert: Etwas anderes sei es, das Lied bei einem privaten Abendessen zu singen, etwas anderes, es lautstark auf dem Marktplatz zum Besten zu geben. Der Unterschied zwischen beiden Szenen markiere genau die Grenze zwischen Scherz und Verherrlichung.

Ein oft wiederholtes Detail ist zudem: Manche behaupten, in ihrer Region werde erwachsenen Frauen umgangssprachlich "Mädchen" gesagt. Dieses Argument dient als Entlastungsgrund. Andere sehen darin lediglich eine Ausrede, um den Inhalt des Gesungenen nicht ernst nehmen zu müssen.

Die doppelte Sarracena, die kritisiert wird

Viel Unmut richtet sich nicht gegen den Sänger, sondern gegen die Ungleichbehandlung. Einige verweisen auf frühere Fälle von vulgären Gesängen bei Essen und Feiern, die keine Konsequenzen hatten und bei denen die Verantwortlichen im Amt blieben. Die wiederkehrende Frage lautet, warum dieser Fall anders bewertet wird und ob das Kriterium die Schwere des Textes oder die Parteizugehörigkeit des Sängers ist.

Auch Aussagen von Amtsträgern vom Rednerpult, nicht von einem Volksfest, die nie zu einem Rücktritt führten, werden angeführt. Der Vergleich wird ungeschminkt und giftig gezogen: Manche sehen darin den Beweis für ungleiche Behandlung, andere die perfekte Ausrede, um wegzuschauen.

In diesen Vergleich fließen sogar kulturelle Referenzen ein: Jemand verwies auf die Carmina Burana und ihre studentischen Texte, mit dem Argument, dass Zensur gegenüber diesem Bürgermeister halb Europa seines Repertoires berauben würde. Die Antwort darauf lautet, dass der Vergleich einer mittelalterlichen Kantate mit einem gewählten Amtsträger nur davon ablenken soll, worum es wirklich geht. Und ein unbequemer dritter Punkt weist darauf hin, dass die Messlatte nicht nur zwischen Parteien unterschiedlich liegt, sondern auch danach, wer singt und wer Anzeige erstattet.

Aus der Partei, aber nicht aus dem Amt

Das unmittelbare Ergebnis war der Ausschluss aus der Partei. Der Bürgermeister wurde aus seiner Organisation entfernt, was als Beweis dafür galt, dass zumindest ein Teil des Systems schneller reagiert als der andere. Auch seine politische Karriere wurde thematisiert, mit einer ungewöhnlichen Entwicklung: schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Parteien in kurzer Zeit.

Ein Rücktritt erfolgte jedoch nicht. Aus der Partei ausgeschlossen, aber im Amt bestätigt, führt der Bürgermeister weiterhin die Geschäfte der Gemeindeverwaltung, und dort stockt die Diskussion. Für manche ist dies der Beweis, dass das Amt wichtiger wiegt als die Scham; für andere die Bestätigung, dass der Vorfall nie so schwerwiegend war.

Dorf, Mikrofon und Schlagzeile

Die Gemeinde hat weniger als hundert Einwohner. Das Lied dauert kürzer als ein Paso Doble. Und dennoch dominierte es nationale Schlagzeilen, mobilisierte eine Parteivorsitzende und kostete einen Bürgermeister seine Mitgliedschaft. Die Rechnung geht nicht auf: winziges Dorf, altes Lied, kleines Amt. Der Rücktritt bleibt aus.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (323 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver