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Bull Trap am Aktienmarkt: Liquidität gegen Realwirtschaft
Icahn verkaufte Hertz unter 1 $, das Unternehmen ging in Konkurs, doch Retail-Investoren trieben den Kurs um 130 % nach oben. Der Markt fragt sich: Ist dies eine Bullenfalle?
Hertz-Konkurs, 130 % Kursanstieg und die Frage nach der Falle
Carl Icahn verkaufte Hertz-Aktien für weniger als einen Dollar. Kurz darauf meldete das Unternehmen Insolvenz an. Statt zu fallen, schossen die Kurse über 5 Dollar — ein Anstieg von 130 % — getrieben durch eine Welle kleiner Anleger, die über Apps wie Robinhood kauften. Eine Insolvenz als Kaufsignal? Angesichts dieser Widersprüche stellt sich auf den Parketten die zentrale Frage: Stehen wir vor einer Bullenfalle?
Warum steigt der Aktienmarkt trotz schwacher Realwirtschaft?
Die gängigste Erklärung hat wenig mit Unternehmensgewinnen zu tun. Wie ein Teilnehmer zusammenfasst: Die USA gewannen den Kalten Krieg, weil sie mehr Geld druckten als die Sowjetunion; diese Fähigkeit ist nicht erschöpft. Er argumentiert, dass der US-Aktienmarkt unabhängig von den Umständen jährlich um 10 % wachsen werde, wobei das Risiko nicht im Index, sondern im Dollar liege. Dies bedeutet implizit, dass der Markt nicht mehr Firmen bewertet, sondern Liquidität.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor der Diskrepanz zwischen Märkten, die seit dem März-Einbruch um über 50 % gestiegen sind, und der Realwirtschaft. Ein unangenehmer Aspekt dabei: Die Geldspritze erreicht keine Löhne, sondern konzentriert sich auf Luxusimmobilien, gehandelte Kunst, Gold und Aktien. „Es ist nicht so, dass Aktien oder Gold immer mehr wert werden — es ist so, dass Geld immer weniger wert wird“, fasst ein Teilnehmer zusammen.
Powell ändert die Spielregeln der Federal Reserve
Die Fed hat einen Doktrinwechsel vollzogen: Sie toleriert Inflationsraten über 2 %, um die Beschäftigung zu stützen. Einfach ausgedrückt bedeutet dies billiges Geld für lange Zeit. Kurz danach fielen die Indizes ins Minus und die alte Frage kehrte zurück: Beginnt endlich die Korrektur?
Die Antworten sind gespalten. Einige sehen eine gesunde Korrektur — August war brutal und die Geschwindigkeit verlangte eine Pause — mit klaren Nachkaufzonen im S&P 500 zwischen 3.200 und 3.370 Punkten. Andere kündigen seit Monaten die Katastrophe an und warten weiterhin ab. Manche fassen es in einer skeptischen Liste zusammen: unhaltbar, Blasenbildung, Cobi19, Angst, sofortiger Crash und auf keinen Fall kaufe ich. Das Ergebnis sei, so sagen sie, wie immer.
Tesla, Nasdaq von 2000 und Bewertungen, die Short-Seller zermalmen
Tesla weist eine Marktkapitalisierung von 277 Milliarden Dollar bei einem KGV von -1975X auf und verkauft weniger als eine Million Autos pro Jahr. Wer auf historischen Höchstständen shortging, mit 20 % Puffer, wurde innerhalb von zwei Tagen durch Vorhandels-Anstiege von 10 % und 15 % ausgeknockt. Historische Höchststände fallen täglich. Klingt das nach 2000?
Der Nasdaq 100 notiert bei seiner größten historischen Abweichung vom 200-Tage-Durchschnitt, und die Parallele zur Nifty-Fifty-Blase taucht wieder auf. Vor einem halben Jahrhundert machte IBM allein 9 % des gesamten S&P 500 aus. Die Lektionen wiederholen sich, aber die Erzählung hat sich geändert: Es ist kein vorübergehender Trend, sondern die neue Wirtschaft. Heute bleibt der Tech-Club nicht kurzfristig: Manche nennen Zielwerte von 12.500 Punkten für den Nasdaq 100.
Oktober, Wahlen und der Crash, der nie kommt
Der Kalender häufte Kandidaten für schwarze Schwäne: Pandemie, US-Wahlen, Brexit. Die Katastrophe wurde für Oktober angekündigt; dann für die Zeit nach den Wahlen. Die Korrektur kam, gesund und kurz, und der S&P 500 überschritt sein Ziel von 3.488 Punkten um fast hundert Zähler. Danach, am 9. November, ließ die Pfizer-Impfstoffmeldung die Algorithmen großer Fonds explodieren: Der Ibex sprang an einem historischen Tag um mehr als 8 %, und der Dow Jones erreichte erstmals 30.000 Punkte.
Die Euphorie erwischte die Modelle, die weder Datum noch Wirksamkeit der Ankündigung vorhergesehen hatten, auf dem falschen Fuß.
Gold, Bitcoin und die Flucht aus Fiat-Geld
Gold hält sich im Bereich von 1.920 Dollar, Silber nahe 26,50, verliert jedoch an Bedeutung gegenüber Bitcoin: Laut einem JP-Morgan-Bericht fließt Geld aus Gold-ETFs in die Kryptowährung. Manche gehen weiter und sprechen von einem Systemzusammenbruch, der Gold bis auf 30.000 Dollar treiben würde. Auf der anderen Seite wird das Halten von Bargeld direkt als riskant eingestuft.
Währenddessen folgt institutionelles Geld seinem eigenen Weg. Manche erinnern daran, dass große Manager Airlines und Banken verkauften, um Liquidität anzuhäufen, während andere behaupten, dass diese Liquidität sich in Händen konzentrierte, die bereits im Cash schwammen.
Und während die Diskussion andauert, bringt ein Datenpunkt alle aus dem Takt. Die reale Gesamtrendite des S&P 500 — 100 geteilt durch das KGV, plus Dividende, minus Inflation — ergibt laut Berechnungen einer Nutzerin 4,5 %. In den letzten fünfzig Jahren traten alle großen Indexeinbrüche auf, wenn diese Rendite unter 4 % lag. Noch sind wir dort nicht angelangt. Wer vor der Bullenfalle warnt, hat derzeit die Arithmetik nicht auf seiner Seite.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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