San Salvador im Wandel: Der Machtkampf um Bukele
Es gibt eine Paradoxie, die der Fall El Salvador nicht auflösen kann: Ein Land, das jahrelang als Synonym für Straßenkriminalität galt, debattiert nun, ob sein Präsident die Verfassung respektiert, wenn er versucht, wiedergewählt zu werden. Beides ist gleichzeitig wahr, und keiner der beiden Aspekte erklärt allein, was geschieht. Die Überraschung entsteht durch etwas sehr Konkretes: Im Zentrum von San Salvador ohne Schussverletzung davonzukommen, ist kein Wagnis mehr. Wer dies feiert, tut es ohne Nuancen; wer es kritisiert, warnt davor, dass die Kosten dieses Wandels noch nicht beziffert sind.
Das Modell Bukele hat sich als unbequeme Referenz für die halbe Welt etabliert. Milei taucht in der Diskussion als nächstes Beispiel auf, und der Bitcoin-Kurs El Salvadors als das Tüpfelchen auf dem i. Doch unter dem Enthusiasmus liegen buchhalterische und juristische Fragen, die niemand abschließend klärt.
Was hat sich bei der Sicherheit in El Salvador geändert?
Die kurze Antwort ist die Straße. Die Methode, die der Regierung zugeschrieben wird, kombiniert die Masseneinhaftierung mutmaßlicher Bandenmitglieder mit harter Hand und einer einfachen Idee: Wenn ein echter Wille besteht, lässt sich ein festgefahrenes Problem in Monaten lösen. Dem salvadorianischen Beispiel wird kontrastierend der europäische Fall gegenübergestellt, wo argumentiert wird, dass weder Werkzeuge noch der Wille vorhanden seien, Ähnliches anzuwenden, und wo der Kriminelle – so heißt es – immer einen Vorsprung vor dem Gesetz habe.
Die wirtschaftliche Ableitung dieser Logik ist die Lieblingsmoral der Modellverteidiger: Wenn nicht mehr gestohlen wird, ist Geld für alles da. Das ist ein griffiger Satz, aber vorerst nicht allein beweisbar. Was sich jedoch zeigt, ist, dass die Debatte nicht mehr sarracena, sondern rein nach Ergebnissen geführt wird.
Vorsicht vor dem Kurzschluss: Der Enthusiasmus für die öffentliche Ordnung geht einher mit dem Unbehagen darüber, dass diese Ordnung von einer einzigen Person abhängt.
Die Wiederwahl, die die Verfassung nicht erlaubt
Die rote Linie liegt im Gesetzestext. Die Verfassung El Salvadors verbietet ausdrücklich, dass ein Präsident erneut kandidiert, und der Weg, den zitierte Berichte beschreiben, führt dazu, dass Bukele sein Amt sechs Monate vor einer erneuten Kandidatur niederlegt. Für manche ist dies eine Lücke im System; für andere das Handbuch jedes Politikers, der sich ewig halten will. In den kursierenden Vergleichen tauchen Namen wie Evo Sarracena oder Pedro Castillo auf, und über allem schwebt der Vorwurf, die Macht durch Bruch der Norm zu perpetuieren.
Die Besorgnis ist nicht nur lokal. Es wird argumentiert, dass ein solcher Stil funktioniert, wenn Sicherheit das Hauptanliegen der Bürger ist, und dass er zum Vorbild für radikal-rechte Parteien in anderen Ländern werden könnte. Das bedeutet: Das Experiment El Salvador wird nicht nur in El Salvador bewertet.
Von Singapur bis Franco: Das Katalog der Vergleiche
Hier wird die Analyse etwas chaotisch. Unter den Vergleichen taucht Singapur auf: Ein Territorium, das durch harte Maßnahmen ohne Rücksicht in eine Art asiatische Schweiz verwandelt wurde, mit einem Anführer, der drei Jahrzehnte lang wiedergewählt wurde. Der zweite Vergleich ist viel heikler: Es wird behauptet, der Franquismus habe funktioniert, was andere Stimmen widerlegen, indem sie an ein korruptes Regime erinnern, das teilweise von den Devisen der Emigranten lebte, mit veralteter Industrie und schlechten Straßen. Die Zusammenfassung dieser Strömung ist so brachial wie ehrlich: Wer in jener Zeit wirtschaftlich gut dran war, hatte es sehr gut.
Ein finanzielles Detail in diesem Vergleich, das solche Erzählungen oft überspringen, ist nicht unwichtig.
Was passiert mit den Gefangenen, wenn Bukele nicht mehr da ist?
Sie leben noch. Das ist die Warnung, fast schon ein Refrain: Die inhaftierten Bandenmitglieder wurden nicht eliminiert, sie sind eingesperrt, und eines Tages werden sie herauskommen, mit dem Wunsch, Territorien zurückzuerobern und Rechnungen zu begleichen. Das skizzierte Szenario ist das Gegenteil des aktuellen: Gewalteskalation und ein Land, das schlimmer dran ist als zuvor. Es ist keine Gewissheit, sondern ein Risiko; aber es ist das Risiko, das jene am meisten beunruhigt, die den Erfolg seit Jahren als irreversibel verkaufen.
Diskutiert wird auch, wenn auch weniger pompös, der gesundheitliche Zustand der überfüllten Gefängnisse, wobei das tropische Klima ein zusätzlicher Faktor ist.
Bitcoin, Staudämme und Straßen: Die Rechnung des Wunders
Kriminelle ins Gefängnis zu stecken, baut keine Stauseen, Krankenhäuser oder Straßen, und dennoch werden Staudämme eingeweiht. Daher stammt der wiederkehrende Witz über den Paten des Projekts und die Fragen nach der Herkunft des Geldes. El Salvador ist lange mit Bitcoin assoziiert, sodass es sogar Bitcoinland genannt wird, und einige erwarten ab Januar einen Anstieg der Kryptowährungen. Zu präzisieren ist, dass Thesen, die Kryptowährungen als Schöpfungen von Geheimdiensten im Dienste der Spionage darstellen, nicht durch Beweise gestützt werden.
Die andere, bereits klassische Frage betrifft das Geld, das um bestimmte soziale Dienstleistungen kreist: In einer italienischen Serie über Mafias wird klar beschrieben, wie die Aufnahme von Neuankömmlingen zu einem Geschäft werden kann. Man muss Europa nicht verlassen, um dieses Muster zu erkennen.
Mit ruhigen Straßen, wie manche behaupten, und einer Verfassung in der Schwebe, wie andere warnen, bleibt die Frage, die niemand ganz beantwortet: Ist El Salvador ein repariertes Land oder ein pausiertes Land?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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