Brasilien führt weltweit höchste Mehrwertsteuer von 31,3 % ein

Brasiliens neue kombinierte Mehrwertsteuer erreicht laut Rechnungshof 31,3 %, den höchsten Satz der Welt. Die Reform ersetzt fünf Steuern, treibt aber die Endbelastung deutlich nach oben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Brasilien führt weltweit höchste Mehrwertsteuer von 31,3 % ein
Brasilien führt weltweit höchste Mehrwertsteuer von 31,3 % ein

31,3 %. Diese Zahl legt der Bundesrechnungshof (Tribunal de Contas da União) für die neue brasilianische Mehrwertsteuer auf den Tisch, und sie ist die höchste weltweit. Sie liegt über dem ungarischen Satz von 27 % und weit über dem OECD-Durchschnitt. Die unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vorangetriebene Steuerreform kombiniert zwei Abgaben: die bundesstaatliche CBS mit geschätzten 11,3 % und die staatlich-kommunale IBS, die bis zu 20 % erreichen würde. Zusammengezählt ergibt das eine enorme Last.

Das Problem ist nicht nur die Zahl. Es ist, wie man dorthin gelangt ist. Die Reform ersetzt fünf Verbrauchssteuern – PIS, Cofins, IPI, ICMS und ISS – durch zwei Mehrwertsteuern. Auf dem Papier war das Ziel, die gleichen Einnahmen wie zuvor zu erzielen. In der Praxis hat sich das Ergebnis aufgebläht: Erste Schätzungen gingen von einer Spanne zwischen 26 % und 28 % aus, doch die finale Zahl sprang auf 31,5 %. Dreiundeinhalb Punkte sind kein Pappenstiel.

Warum schießt Brasiliens Mehrwertsteuer auf 31,3 % hoch?

Die kurze Antwort: Weil der Staat seine Ausgaben nicht gekürzt hat. Die lange Antwort betrifft ein hartnäckiges Haushaltsdefizit, steigende Staatsverschuldung und eine Ausgabenstruktur, die niemand im Zaum hält. Statt eines Sparprogramms wurde entschieden, die Einnahmen durch Bestrafung des Konsums zu sichern. Die Mehrwertsteuer ist die leichteste Steuer zur Erhöhung und die schwerste zur Umgehung. Sie besteuert den Käufer, nicht den Steuerpflichtigen.

Hier liegt die Paradoxie, die mehrere Analysen betonen: Die Mehrwertsteuer ist naturgemäß regressiv. Sie trifft den Mindestlohnbezieher genauso wie den Verdienstfünffachen. Wer sein gesamtes Einkommen ausgibt – also die Mehrheit –, spürt dies bei jedem Einkauf. Eine linke Regierung, die die regressivste Steuer des Systems erhöht, ist zumindest ein Widerspruch, der sich auf einer Kundgebung kaum erklären lässt.

Der Hintergrund auf Bundesebene: Wer behält die Einnahmen?

Das Design des neuen Systems enthält ein Detail, das in Schlagzeilen oft fehlt. Der bundeseigene Teil (CBS) und der landesstaatliche Teil (IBS) teilen sich den Kuchen. Die Logik war, dass wenn die Zentralregierung ihren Satz erhöht, die Bundesstaaten ihren senken würden, um auszugleichen. Das geschah nicht. Das Ergebnis ist, dass die Union ihren Anteil sicherstellte, während die Bundesstaaten ihre Anteile nicht bewegten. Gesamtsumme: die nun in Schätzungen auftauchenden 31,5 %.

Manche fügen noch eine Zutat hinzu: Zölle. Brasilien erhebt Zölle, die bei importierten Waren bis zu 100 % betragen können, plus Handelsgebühren. Rekord-Mehrwertsteuer kombiniert mit hohen Zölen macht den Warenkorb nicht gerade günstiger.

Kontext, der in der Überschrift fehlt

Brasilien hatte bereits eine der höchsten Belastungen beim Konsum weltweit, nur versteckt. Die früheren Steuern wurden „im Preis“ und kaskadenartig berechnet – Steuer auf Steuer – und summten praktisch höher als sie schienen. Die Reform schafft keine neue Steuer obendrauf: Sie ersetzt fünf durch zwei. Das ändert nichts daran, dass der kombinierte Satz offensichtlich extrem hoch ist.

Der andere Pfeiler des offiziellen Arguments ist politisch: Die brasilianische Linke hält etwa 20 % der Sitze im Kongress. Der Rest reicht von der Mitte bis zur harten Rechten. Mit diesem Gleichgewicht muss jede Anpassungsmaßnahme durch ein Parlament, das das Programm nicht teilt. Die Last der Schuldzinsen, die seit Lulas Rückkehr an die Macht von 5 % auf 9 % des jährlichen BIP gestiegen ist, begrenzt den Handlungsspielraum. Nur wenig bleibt übrig.

Wer zahlt die Zeche?

Kleine und mittlere Unternehmen merken es zuerst. Höhere Betriebskosten, mehr Verwaltungsaufwand und eine unvermeidbare Weitergabe der Rechnung an Endverbraucher. Ausländische Investitionen schauen zweimal hin, bevor sie in einem Land landen, wo der Konsum zu Rekordätzen besteuert wird. Die industrielle Wettbewerbsfähigkeit leidet.

Auf der Straße ist die Debatte einfacher: Manche freuen sich, dass der Staat einnimmt, um das Defizit zu schließen; andere zeigen darauf, dass das Defizit nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch Ausgabensenkungen geschlossen wird. Die Diskussion darüber, wer was gewählt hat, bleibt für einen anderen Tag.

Mit diesen Zahlen lautet die Frage nicht, ob Brasiliens Mehrwertsteuer hoch ist. Sondern ob jemand den Brasilianern erklären wird, warum die Steuer auf Brot und Gasflaschen jetzt die teuerste der Welt ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).

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