Brasilianischer Söldner filmt russische Drohne, die sein Hotel in Charkiw trifft

Ein brasilianischer Söldner filmt, wie eine russische Drohne sein Hotel in Charkiw trifft. Das Video löst die Debatte über militärische und zivile Ziele in der Ukraine neu aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Brasilianischer Söldner filmt russische Drohne, die sein Hotel in Charkiw trifft
Brasilianischer Söldner filmt die russische Drohne, die sein Hotel in Charkiw trifft

Was passiert, wenn ein ausländischer Kämpfer mit dem Handy genau den Moment filmt, in dem eine russische Drohne auf seine Unterkunft in Charkiw fällt? Die Szene wird zum Propagandamaterial für die eine Seite und zum Präzisionsnachweis für die andere. Das Video, das in sozialen Medien verbreitet wurde, zeigt den Einschlag einer Drohne in dem Hotel, in dem dieser Kämpfer mit brasilianischer Staatsangehörigkeit untergebracht war. Die Drohne traf ihn nicht direkt: Sie schlug in den Nebenzimmern ein. Die anschließende Diskussion dreht sich nicht um sein Glück, sondern darum, ob dieses Hotel ein legitimes militärisches Ziel war oder einfach eines der zivilen Gebäude, die Russland täglich bombardiert.

Das Video und die These vom Militärziel

Der Beitrag, der die Debatte eröffnet, kommt ohne Umschweife aus: Russische Angriffe seien nicht wahllos, sondern gezielt mit Geheimdienstinformationen ausgewählt. Immer wenn man lese „Russland greift ein Krankenhaus an“ oder „Russland greift eine Schule an“, handele es sich um zivile Gebäude, die in militärische Infrastruktur umgewandelt worden seien, meist um Truppen unter Zivilen unterzubringen. Die Drohne im Video habe nicht dem Brasilianer gegolten, sondern der Unterkunft der Söldner. Dass sie in die Nebenzimmer einschlug und nicht in sein Zimmer, sei in dieser Lesart ein Beweis für Präzision, nicht für Glück.

Der Propaganda-Köder wirkt in beide Richtungen. Für die einen beweist das Video, dass Russland einen herausragenden Geheimdienst hat und weiß, was sich in jedem Gebäude befindet. Für die anderen ist es nur eine weitere Episode eines Krieges, in dem die Zivilbevölkerung am Ende die Zeche zahlt, gefilmt oder nicht.

Warum töten sie Selenskyj nicht, wenn ihr Geheimdienst so gut ist?

Die Frage stellt sich von selbst, und mehrere Beteiligte werfen sie auf: Wenn der russische Geheimdienst so gut ist, warum haben sie den ukrainischen Präsidenten in fünf Jahren nicht beseitigt? Die häufigste Antwort ist keine technische, sondern eine politische. Ihn zu töten würde ihn zum Märtyrer und Symbol machen, während er derzeit, so diese Lesart, ein umstrittener Anführer im eigenen Land ist. Russland würde einen „sterbenden Greis“ nicht in den Rang eines Mythos erheben, wie es andere täten. Vielleicht töten sie ihn, wenn alles vorbei ist, aber nicht vorher.

Manche weisen darauf hin, dass es relativ einfach ist, Unterkünfte von Söldnern zu identifizieren: feindselige einheimische Bevölkerung, erkennbare Bewegungen. Anderes ist komplexer. Und zu Selenskyj kursiert die Hypothese, dass man ihn in der Ukraine im Griff hat, nach außen aber unantastbar ist.

Zivilisten als Schutzschild und die Logik des Krieges

Das zentrale Argument des ursprünglichen Beitrags lautet, dass die Ukraine Luftabwehrsysteme und Waffenlager in städtischen Gebieten stationiert und damit ganze Stadtviertel zu Zielen macht. Patriot-Stellungen neben Wohnhäusern, Munitionsdepots mitten in der Stadt. Wenn sie explodieren, reißen sie das ganze Viertel mit. Die Schlussfolgerung: Getötete Zivilisten erhalten propagandistischen Nutzen für den Westen und die Regierung in Kiew.

Dagegen lautet der Einwand direkt: Nichts von all dem würde passieren, wenn Russland nicht einen Raubkrieg begonnen hätte. Die Diskussion driftet zu der Frage ab, ob ein Krieg mit humanitären Grenzen von vornherein verloren ist, weil der Gegner diese Grenzen als Vorteil ausnutzen wird. „Krieg ist Krieg“, fasst ein Teilnehmer zusammen.

Der Präzedenzfall der Luftschlacht um England

Einer der interessantesten Austausche ist der historische. Es wird argumentiert, Deutschland habe die Luftschlacht um England verloren, weil es aufhörte, Flugplätze zu bombardieren, und sich stattdessen auf zivile Ziele konzentrierte – und damit auf die englische Provocation hereinfiel. Hätte es den Druck auf die RAF aufrechterhalten, hätte England innerhalb weniger Monate kapituliert. Dresden kam viel später und hat damit nichts zu tun.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Zivilisten ernähren die Armee mit ihrer Arbeit, sie sind die Nachschublinien. Die Diskussion darüber, ob Angriffe auf das zivile Hinterland eine gültige Strategie oder ein taktischer Fehler sind, bleibt offen, keine der beiden Seiten gibt nach.



Am Ende lebt der Brasilianer noch, das Hotel nicht. Und beim nächsten Mal, so das Fazit eines Teilnehmers, hat er vielleicht nicht so viel Glück. Der Krieg verteilt keine Sympathien, nur Einschläge.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

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