Brad Pitts Körper der 90er: Heute als „Body Shaming“ kritisiert

Brad Pitts Figur in den 90ern wäre heute Ziel von Body-Shaming. Der männliche Schönheitsideal wandelte sich vom natürlichen Schlankheitsbild zum chemisch unterstützten Muskelkörper.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Brad Pitts Körper der 90er: Heute als „Body Shaming“ kritisiert
Brad Pitt in den 90ern: Der Körper, den man heute als unzureichend bezeichnen würde

Der Oberkörper, der die männliche Schönheit der Neunziger definierte, hatte keine sichtbaren Bauchmuskeln, keine Trapezmuskeln und keine Schultern, die aus dem Türrahmen ragten. Nach den heutigen Maßstäben in Fitnessstudios und sozialen Medien würde dieser Körper direkt unter das Phänomen des Body-Shamings fallen. Die Paradoxie wiederholt sich so oft, dass sie wie ein Meme klingt, aber es lohnt sich, sie ernst zu nehmen: Das ästhetische Ideal, das eine Dekade lang Köpfe verdrehte, ist heute das Beispiel für das, was durch Diät und Training korrigiert werden muss.

Woher kommt das Label Body-Shaming?

Der Ausgangspunkt ist ein Bildvergleich: Der Schauspieler in der ersten Hälfte der Neunziger im Gegensatz zu den Körpern, die heute die Titelblätter der Fitnessbranche dominieren. Abgesehen von Schlagzeilen lautet die Kernthese, dass sichtbare Muskulatur vom Extra zur Grundvoraussetzung geworden ist. Ohne Volumen gibt es keine Visitenkarte.

Hier greift die Anekdote, die jedes Mal auftaucht, wenn dieses Thema diskutiert wird. Laut einer verbreiteten Version, die auf Aussagen des Schauspielers selbst zurückgeführt wird, stammte diese Figur nicht von einem Trainingsplan, sondern von wenig Essen: vier Cola-Flaschen und zwei Zigaretten als erstes Frühstück. Das heißt, der Körper war das Ergebnis von Einschränkung, nicht von Arbeit im Studio. Der Einwand ist offensichtlich und jeder, der ein Fitnessstudio betreten hat, stimmt ihm zu: Mit diesem Frühstück baut man keine Muskeln auf, man verliert Gewicht. Jener Körper war technisch gesehen dünn. Weder definiert noch stark.

Vom gut aussehenden Schlaks zum künstlichen Muskel

Der Vergleich mit der aktuellen Generation liefert konkrete Namen. In den Neunzigern war das Muster der schlanke, große Mann mit guter Optik: die blonden Highschool-Typen, die Teenager-Idole, der Titanic-Held. Heute ist der in sozialen Medien vorherrschende Bezugspunkt ein anderer: der hypertrophierte Körper, der über die Vierzig hinaus getragen wird und dessen Volumen zunimmt, erhalten durch Chemie. Die Liste der Körper in diesem Vergleich – Elite-Sportler, Show-Culturists, Schauspieler der Neunziger – ist lang und würde eine eigene Analyse erfordern.

Die Kritik an diesem Modell ist nicht nur ästhetisch. Das am häufigsten wiederholte Argument ist das der Nützlichkeit: Ein Körper zählt nach dem, was er leisten kann, nicht danach, wie er ein T-Shirt füllt. Nach diesem Kriterium wären die Bezugspunkte die Körper von Sportlern mit messbaren Zielen – Elite-Tennis, Spitzen-Fußball, Mixed Martial Arts, olympische Gymnastik – und nicht das Schaufenster-Volumen. Der Vorwurf des Dopings schwebt über mehreren Figuren der Branche, immer als Anschuldigung in sozialen Medien und ohne öffentliche Bestätigung: Stimmveränderungen, Akne oder bestimmte kosmetische Eingriffe werden als Hinweise zitiert, nie als Beweise.

Die Gesundheitsrechnung: Vigorexia und Chemikalienhandel

Die härteste Diagnose des Phänomens hat einen klinischen Namen: Vigorexia (Muskel Dysmorphie). Die Idee ist, dass die Obsession mit Volumen aufgehört hat, ein Merkmal lokaler Fitnessstudios zu sein, und zur sozialen Norm geworden ist, während das wirklich Besugoe – ein Arm breiter als ein Fernseher, erzielt durch Steroide – als persönlicher Erfolg gedeutet wird. Der gedopte Körper des Bodybuilders ist nicht der Standard, in dem sich die Spezies je bewegt hat. Er ist auch nicht nachhaltig.

Was diese Lesart stützt, ist die Verbreitung des Konsums: Manche beschreiben den Verkauf von anabolen Steroiden als alltäglich in CrossFit-Studios kleiner Städte und unter sehr jungen Menschen. Es gibt keine öffentlichen Zahlen, die das Phänomen in diesem Kontext quantifizieren, daher sollte man im Bereich der Eindrücke bleiben und nicht bei harten Daten. Die grundlegende medizinische Frage ist nicht, ob der gedopte Bodybuilder einen besseren Körper hat, sondern was mit Leber, Herz und Psyche passiert. Es ist eine Frage der Gesundheit, nicht der Ästhetik.

Die Tyrannei der genetischen Lotterie

Unter all dem Lärm gibt es einen unbequemen Konsens: Das Gesicht dominiert. Das Gesicht wäre der erste, nicht verhandelbare Filter, der Körper nur der zweite. Damit kann sich ein großer, attraktiver Mann schlank leisten; ein mittelgroßer Mann mit gewöhnlichen Zügen braucht Muskeln, um auszugleichen, und wenn er übertreibt, wirkt er grotesk. Der Referenzpunkt, der dies belegt, stammt aus 1995: Der Protagonist von Historias del Kronen, extrem dünn, mit Vogelfang-Armen, der den Bösewicht des Films spielt, ohne dass es jemanden lächerlich vorkam.

Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, die niemand unterschreiben möchte. Wenn der Körper teilweise von der Genetik und teilweise von der Chemie abhängt und das Gesicht nicht wählbar ist, hat die Anstrengung eine niedrige Decke. Was als persönliche Leistung verkauft wird, ist zu großen Teilen Glückssache. Einige gewinnen das Los, andere bezahlen den Eintritt mit Steroid-Zyklen.



Wenn der Körper, der einer ganzen Generation als Referenz diente, heute den Filter einer Fitness-App nicht bestehen würde, ist die interessante Frage nicht, was wir mit Brad Pitt machen. Sondern welchen Standard wir einem 18-Jährigen vorsetzen, der noch nie ein Hantel gehoben hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver