Boris Johnson und Erdogan: Die Geste, die beim NATO-Gipfel für Aufsehen sorgt

Ein viraler Tweet zeigt eine Geste Erdogans gegenüber Boris Johnson beim NATO-Gipfel. Das vollständige Video klärt nicht, was gesagt wurde oder wie es endete.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Boris Johnson und Erdogan: Die Geste, die beim NATO-Gipfel für Aufsehen sorgt
Die Geste Erdogans, die Boris Johnson bloßstellte

Was ist wirklich zwischen Boris Johnson und Recep Tayyip Erdogan beim NATO-Gipfel passiert? Ein viraler Tweet, der einem Konto namens The Intel Crab zugeschrieben wird, zeigte einen Ausschnitt der Szene mit dem Text „I don't like you like that, bro“ und löste alle möglichen Interpretationen aus. Das Originalmaterial klärt nicht, wie der Vorfall endete, und genau da beginnt das Problem: Diskutiert wird nicht über die Tatsache selbst, sondern darüber, was die Geste bedeutet.

Die Szene, die bei einem Treffen der Bündnisführer aufgenommen wurde, zeigt Erdogan, wie er gegenüber Johnson gestikuliert, während dieser mit einem Gesichtsausdruck reagiert, der gegensätzliche Deutungen zulässt. Für die einen markiert der türkische Machthaber sein Territorium; für die anderen ist es ein Scherz unter Kollegen. Der später veröffentlichte vollständige Clip liefert Kontext, beendet die Debatte aber nicht.

Was im Video zu sehen ist und wie es gedeutet wird

Der erste Ausschnitt, kurz und ohne deutlichen Ton, zeigte Erdogan mit einer Handbewegung, während Johnson ihn ansah. Das Konto, das ihn verbreitete, fügte einen englischen Satz hinzu, der Ablehnung oder eine Warnung suggerierte. Von da an vervollständigte jeder Analyst die Geschichte auf seine Weise.

Das längere Video, das von einem anderen Konto geteilt wurde, ändert den Blickwinkel: Erdogan ist zu sehen, wie er souverän spricht, gestikuliert und lächelt, während Johnson in einer weniger bequemen Position erscheint. Die vorherrschende Deutung ist, dass der Türke die Initiative im Gespräch führt und der Brite nur zusieht. Eine offizielle Transkription des Dialogs gibt es nicht.

Das politische Kräftemessen hinter der Geste

Jenseits der Anekdote wird der Vorgang als Machtdemonstration innerhalb der NATO gelesen. Die Türkei hat ihre Position im Bündnis immer wieder als Verhandlungsmasse genutzt, und ihr Gewicht in der Organisation ist gewachsen. Die Geste, echt oder durch den Bildausschnitt übertrieben, nährt die Wahrnehmung, dass Erdogan aus einer günstigen Position verhandelt.

Manche behaupten, Johnson, innenpolitisch geschwächt, komme zu solchen Treffen ohne Spielraum, um etwas durchzusetzen. Dem steht das Argument entgegen, dass das Vereinigte Königreich über eigene militärische und diplomatische Kapazitäten verfügt. Fest steht: Das im Clip vermittelte Bild schmeichelt dem Briten nicht.

Die Flagge und die Details, die entgehen

Ein weiteres Element, das aufgefallen ist, ist die Position einer Flagge im Umfeld des Treffens, die als Versehen oder als Botschaft gedeutet wird. Es gibt keine offizielle Bestätigung, dass dieses Detail eine Absicht hat. Die Szene zeigt schlicht mehrere sitzende Staats- und Regierungschefs und eine Person, die hinter Erdogan steht – ein Protokolldetail, über das ebenfalls diskutiert wurde.



Am Ende lautet die Frage nicht, was Erdogan gesagt hat, sondern warum eine Geste von zwei Sekunden zum Bild eines Gipfels wurde. Vielleicht, weil die internationale Politik zu einem Wettbewerb der Körpersprache geworden ist – und die Staatschefs wissen das.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (76 Antworten).

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