Boomer-Meritokratie in Frage: Erbe und soziale Mobilität

Der Mythos der Selbstgemachtheit bei den Boomern bröckelt. Erbschaften, ein defekter sozialer Aufzug und die unbequeme Frage nach dem wahren Wert von Leistung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Boomer-Meritokratie in Frage: Erbe und soziale Mobilität
Die Meritokratie der Boomer unter Verdacht

Die Generation, die zwischen den 50er- und 60er-Jahren geboren wurde, behauptet, sie habe sich durch harte Arbeit selbst gemacht. Ein wachsender Teil der öffentlichen Debatte widerspricht: Sie seien nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten erfolgreich gewesen, sondern hätten bloß Glück gehabt, in einer Zeit des Wohlstands geboren zu sein. Der Auslöser ist ein Meinungsartikel, der den generationellen Erfolg dem individuellen Verdienst zuschreibt und impliziert, dass Erbschaften eine Last für die eigene Leistung darstellen. Die Reaktion war eine Abrechnung mit der offiziellen Erzählung über soziale Mobilität in Spanien.

Der soziale Aufzug außer Betrieb

Im Kern geht es nicht darum, ob Boomer gearbeitet haben, sondern ob ihre Anstrengung ausreichte, um voranzukommen. Ein Teilnehmer formuliert es drastisch: Sein Vater habe zwar 14 Stunden am Tag geschuftet, aber auch „Gewalt, Wahnsinn, Misshandlungen und kaputte Umgebungen“ erlebt. Andere differenzieren: Nicht alle waren Profiteure; es gab echte Arbeiter. Die vorherrschende These lautet jedoch: In einer Wirtschaft, die noch aufgebaut werden musste und wenig Wettbewerb kannte, reichte es, kein Versager zu sein, um Erfolg zu haben. Heute, bei brutaler Konkurrenz und angespanntem Wohnungsmarkt, wiegt der Startpunkt schwerer als die Leistung.

Manche gehen weiter und sprechen von einer Generation, die ein schuldenfreies Land erbte und es mit einem doppelten Defizit zurückließ: der ausgewiesenen Staatsverschuldung und der nicht ausgewiesenen, bestehend aus Rentenansprüchen und aufgeblähten Mieten. Der Satz „Öffentliches Geld gehört niemandem“ wird als Emblem dieser Verwaltung zitiert. Der Kontrast zur Silent Generation, also der Nachkriegsgeneration, ist häufig thematisiert: Hunger, Kälte und harte Bedingungen, aber auch eine Lebenserwartung, die bezahlt werden muss.

Gibt es Meritokratie oder ist sie ein Systemmythos?

Die dominierende Antwort lautet: Nein, oder nur für jene, die bereits einen Vorteil haben. Das meistzitierte Argument ist das des freien Willens: Wenn wir weder unsere Gene noch unseren Startpunkt wählen können, ist Verdienst eine Fiktion. Das Schach-Beispiel kehrt immer wieder: Egal wie sehr man trainiert, man kann nicht gegen Magnus Carlsen antreten. Die Schlussfolgerung ist, dass Meritokratie Ungleichheiten verdeckt und vorgaukelt, alle starteten auf derselben Linie.

Dem entgegen steht eine Minderheitsmeinung, die jedoch unbequem ist: Vorteile zu haben bedeutet nicht, jemandem seinen Verdienst zu stehlen. Ein Erbe erhält, was seine Familie freiwillig gibt; ein zwei Meter fünfzehn großer Sportler hat es beim Basketball leichter. Was tatsächlich Verdienst stiehlt, so das Argument, sind Quoten, positive Diskriminierung und rechtliche Ungleichheit. Die Diskussion verschiebt sich dann auf die Rolle des Staates, nicht auf das Erbe.

Das Erbe als neues Schlachtfeld

Der auffälligste Wendepunkt ist der Verdacht, dass der Artikel nicht die Meritokratie verteidigt, sondern den Boden bereitet, um Erbschaften der einfachen Bevölkerung stärker zu besteuern. Es wird als Overton-Fenster-Bewegung beschrieben: Erst die Idee installieren, dann Gesetze erlassen. Die Antwort ist ein treffendes Bild: Wenn es Kuchen für vier Leute gibt, schwellen sie an; wenn es vierhundert Esser sind, lecken sie nicht einmal den Löffel ab. Die gestellte Frage lautet, wann es mehr Esser am Tisch gab: 1960 oder im heutigen globalen Szenario.

Die andere Front ist die Arbeitswelt. Es wird kritisiert, dass Beförderungen im öffentlichen Dienst manipuliert sind, um bestimmte Profile zu begünstigen. Es gibt konkrete Fälle, in denen kompetente Ingenieure bei psychologischen Tests und Interviews zugunsten von Kandidatinnen mit anderer Qualifikation aussortiert wurden. Die Beschwerde ist nicht nur ökonomischer Natur: Es geht um die Spielregeln.

Arbeiten, um die Schulden anderer zu bezahlen

Der intergenerationelle Vergleich ist der bitterste Abschnitt. Ein Teilnehmer erzählt, dass er denselben Job wie sein Vater habe und dass dieser in seinem Alter verheiratet war, vier Kinder hatte, ein abbezahltes Haus besaß und ein fast abbezahltes Zweitdomizil. Er selbst habe nichts außer guter Gesundheit und Ersparnissen, die nicht für eine Wohnung in einem angespannten Gebiet reichen. Seine ersten echten Ferien kamen erst nach dem 40. Lebensjahr als Beamter auf Probe; im Privatsektor bedeutete der Urlaubsmonat, Computer und Telefon ständig griffbereit zu haben.

Die wiederkehrende Diagnose lautet: Früher arbeitete man, um voranzukommen, heute arbeitet man, um fremde Schulden zu tilgen. In dieser Lesart wird die Boomer-Generation als die schlechteste für den Menschen dargestellt, sogar schlimmer als Kommunismus oder die Französische Revolution, laut einer in der Diskussion kursierenden Hyperbel. Der Vergleich mit Masseneinwanderung und der Agenda 2030 dient als Hintergrund für einen möglichen sozialen Konflikt, auch wenn keine Daten dies belegen.

EGB, Fremdsprachen und Stolz auf fremde Lebensläufe

Die Debatte verheddert sich in einem scheinbar nebensächlichen Detail: Ob in der EGB (Grundschule bis Sekundarstufe I) Büroanwendungen gelehrt wurden. Eine Seite behauptet, es habe keine Computer wie heute gegeben und Informatik sei bestenfalls AG-Thema gewesen. Die andere Seite entgegnet, dass 1987 fast alle Banken Terminals und Geldautomaten hatten und viele Mittelstandshaushalte einen PC besaßen. Über den Fakt hinaus offenbart die Diskussion das Kernproblem: Die Schwierigkeit, zwei Welten mit unterschiedlicher Technologie zu vergleichen.

Ein Abschluss findet nicht statt. Die Unterhaltung verfängt sich in der alten Frage: War der Erfolg einer Generation Verdienst oder Lotterie? Ein Verwandter, der 1916 ohne Sprachkenntnisse und Bildung in die USA ging und mehrere Motels betrieb, wird als Beweis angeführt, dass harter Arbeit funktionierte. Ein anderer kontert, das sei einfach Glück gewesen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Meritokratie wartet weiterhin auf ihre Sterbeurkunde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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