Bolsia-Portfolio wächst in fünf Jahren um fast 400 %

Ein Portfolio auf der spanischen Plattform Bolsia.com hat eine Rendite von 396,39 % erzielt, was die Debatte über Talent versus statistisches Glück entfacht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bolsia-Portfolio wächst in fünf Jahren um fast 400 %
Ein Portfolio akkumuliert fast 400 % in fünf Jahren

Kann man sein Kapital an der Börse in fünf Jahren vervierfachen, ohne ein Genie zu sein? Auf der Plattform Bolsia.com behauptet ein Portfolio genau das getan zu haben: Es weist eine Rendite von 396,39 % auf und ein deklariertes Guthaben von über 500.000 Euro, so der öffentliche Register der Plattform. Zuvor wurden 286,82 %, 293,8 %, 303,66 % und 305,75 % erreicht. Jeder Anstieg im Mai wurde als Rekord gefeiert. Das Ergebnis liegt auf dem Tisch; unklar ist jedoch, was dahintersteckt.

Glück oder Talent? Den Gewinner unter 3.000 Portfolios finden

Das Ranking von Bolsia.com vereint rund 3.000 Portfolios — laut einer anderen Schätzung 2.700 — und eines davon muss gewinnen. Die skeptische Rechnung ist sofort im Kopf: Wenn man tausende Portfolios über fünf Jahre gegeneinander antreten lässt, wird die Statistik am Ende zwangsläufig einen Gewinner hervorbringen. Der klassische Vergleich ist der der Affen und Shakespeare, und in der Diskussion wird ein noch schärferer hinzugefügt: Das beste Portfolio einer Lotterie erzielt 5.000 %, aber niemand nennt den Gewinner einen Talentmanager. Das ist klassischer Survivorship Bias (Überlebenden-Effekt).

Der Zweifel lässt sich in einer ganz konkreten Bitte zusammenfassen: Die Performance von 3.000 zufälligen Portfolios im gleichen Zeitraum zu prüfen und sie mit dem besten zu vergleichen. Wenn das Zufallsergebnis dem realen ähnelt, gibt es nichts zu diskutieren. Wenn nicht, hat jemand eine Methode, die einer genaueren Betrachtung bedarf.

Gegen die These des reinen Zufalls sprechen die Zahlen. Fünf Jahre in Folge mit einer annualisierten Rendite von etwa 30 % sind keine kurzfristige Glückssträhne. Und in demselben Ranking verliert die Mehrheit der Portfolios Geld oder bleibt hinter dem Markt zurück: Die richtige Wahl unter tausenden Möglichkeiten zu treffen, scheint nicht so trivial zu sein, wenn das Ergebnis noch nicht feststeht.

Was steckt im Portfolio: Amazon, Apple, Nvidia, Netflix und Google

Das Inventar enttäuscht diejenigen, die eine geheime Strategie erwarteten. Das Portfolio stützt sich auf Amazon, Apple, Nvidia, Netflix und Google, mit Tesla und PayPal als Begleitern und ohne Microsoft, was manche direkt als Anfängerfehler sehen. In der Praxis ist es eine klassische Tech-Wette, wie sie jeder Fonds schon seit Jahren in seinen Top-Positionen hält.

Daraus ergibt sich der am häufigsten wiederholte Einwand: Dass der Verdienst nicht allzu groß ist, wenn man lediglich die großen Tech-Werte gekauft und abgewartet hat. Die Gegenrede ist charmant: Wenn es so offensichtlich war, warum hat dann niemand Twitter gekauft? Warum waren nicht alle Portfolios auf der Plattform auf dieselben fünf Unternehmen konzentriert?

Hinter der Debatte steht eine methodische Frage, die oft übersehen wird. Eine Aktie kann ein Jahr lang stagnieren und sich zwischendurch um 1.000 % bewegt haben. Ein Fonds, der sie hält, macht null; wer zum richtigen Zeitpunkt kauft und verkauft, macht viel mehr. Die Endrendite sagt weniger aus, als sie scheint: Relevant wäre, wie sie erzielt wurde und ob diese Methode standhält, wenn der Markt aufhört, Gewinne zu verschenken.

Andere Portfolios mit demselben Erfolgslabel

Der Gewinner ist nicht allein. Ein Portfolio, das fast ausschließlich auf den IBEX 35 (den spanischen Leitindex) setzt, akkumuliert 197,93 % und hat laut Diskussion 100.000 Euro in 300.000 Euro verwandelt. Ein anderes, gestützt auf deutsche Blue Chips, rühmt sich mit 100 % in acht Jahren inklusive Dividenden. Ein drittes verzeichnet 25 % in einem Jahrzehnt, trotz Umzug und Trennung.

Der Vergleich zwischen diesen Fällen ist das Nützlichste an der ganzen Sache. Alle genannten Zahlen sind in absoluten Begriffen hoch und gehören alle zu Bullenmarkt-Phasen, in denen die US-Tech-Werte den Markt getrieben haben. Wenn der Wind von hinten kommt, wirkt fast jedes ordentliche Portfolio wie das eines Profis. Das Problem ist, dass sich der Wind dreht.

Was passiert, wenn der Markt aufhört zu steigen?

Hier wird es unangenehm. Die Diskussion verfolgt die Spur über mehr als neun Jahre, und in dieser Zeit merkt ein Teilnehmer an, dass das Star-Portfolio im Jahr 2022 ein schlechtes Ergebnis lieferte und er nicht weiß, ob der Verantwortliche das Konto bereits aufgegeben hat.

Manche vergleichen den Fall mit den großen Namen des spanischen Value-Investings und erinnern daran, dass Manager, die jahrelang als Genies galten, deutlich geringere Jahresrenditen erzielten als dieses Portfolio. Und es gibt diejenigen, die behaupten, dass eine dauerhafte jährliche Rendite von 25 % schlichtweg nicht existiert: weder Fonds, noch ETFs, noch Privatanleger schaffen das Jahr für Jahr. Die übliche Antwort lautet, dass sie existieren, aber nicht für einen Fonds arbeiten und es nicht öffentlich machen.

Die Diskussion spitzt sich zu, wenn jemand damit prahlt, in zwei Wochen 43 % mit 68.000 Euro in Währungen gewonnen zu haben, oder wenn ein anderer die persönliche Herausforderung annimmt, den Marktführer mit einem Schnitt von 25 % pro Jahr zu schlagen und seine ersten vier Monate präsentiert: +4,9 %, -1,9 %, +1,33 % und +5,1 %. Es gibt jene, die antworten, dass Geldverdienen harte Arbeit ist und es keine Abkürzungen zur Erfahrung gibt.

Angesichts dieser Fakten bleibt die ursprüngliche Frage ohne eindeutige Antwort. Das Portfolio hat das Kapital vervielfacht. Es gibt auch 2.999 andere, die es nicht getan haben. In fünf Jahren werden wir wissen, ob derjenige, der mit seiner Methode prahlte, noch da ist oder zu einer Anekdote geworden ist, die jemand zitiert, um den Survivorship Bias zu erklären. Der Zufall, dieser Manager, unterzeichnet niemals seine Quartalsberichte.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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