Acht Jahre Untergangsprognosen und Bitcoin ist immer noch nicht wertlos
Im Januar 2018, als der Preis nach einem vertikalen Anstieg korrigierte, fasste jemand die Stimmung bei Weihnachtsfeiern zusammen: Die Gier war am Tisch spürbar. Ein Ehepaar hatte gerade 1.000 Euro in Bitcoin investiert, um den Zug nicht zu verpassen. Die damals getroffene Diagnose war eindeutig — Bitcoin sei die Tulpenblase des 21. Jahrhunderts und sein Wert hänge vom Glauben der Käufer ab — und hat sich fast neun Jahre später immer noch nicht erfüllt. Das ist die Paradoxie, die das gesamte Thema durchzieht: eine fundierte Vorhersage mit technischen, wirtschaftlichen und psychologischen Argumenten, die nur den Zeitpunkt verfehlt hat. Und beim Thema Blasen ist der Zeitpunkt fast alles.
Die Tulpen-These: Drei Argumente und eine Weihnachtsfeier
Der ursprüngliche Ansatz stützt sich auf drei Säulen. Die technische: Ein vertikaler Anstieg zeigt das klassische Muster einer Preisblase. Die fundamentale: Bitcoin ist nicht reguliert, extrem volatil und bietet weder die Zuverlässigkeit noch die Stabilität, die für einen Tauschwert gegenüber anderen Vermögenswerten nötig sind; seine Emission hängt von einer Person ab, deren Identität unbekannt ist und die «mit einem Tastendruck» das Angebot verändern könnte. Wenn Banken und Staaten ihn nicht als Währung akzeptieren, würde sein Wert gegen null gehen.
Die dritte Säule ist die des Sentiments. Wenn der Touristen-Investor — der, der nie eine Aktie gekauft hat — anfängt zu fragen, wie man kauft, geht die Party dem Ende entgegen. Im Jahr 2006 schien jeder ein Experte für Immobilien zu sein; einige Jahre später sprach man sogar an der Bushaltestelle über Risikoprämien. Die Liste kollektiver Euphorien endet immer gleich, und das gewählte Spiegelbild ist die niederländische Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, als ein Herrenhaus im Zentrum von Amsterdam gegen eine Tulpenzwiebel getauscht wurde. Jahre später fielen die Preise ins Bodenlose.
Auch die akademische Unterstützung war damals nicht gering: Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF, sah den Preis nahe null, und Warren Buffett nannte es einen Scherz. Die offene Frage war, ob dies der Moment sei, Short-Positionen zu eröffnen. Der Text selbst räumte ein, dass der Vermögenswert vorübergehend weiter steigen könnte.
Der Fall, der die Erzählung bricht: Von 20.000 Euro auf mehr als 700.000
Auf der anderen Seite stehen konkrete Beispiele. Ein Investor behauptet, er habe etwa 20.000 Euro eingesetzt und innerhalb eines Jahres mehr als 700.000 erzielt, wobei bereits teilweise Gewinne in Fiat-Währung ausgezahlt wurden. Ein anderer feiert, dass er seine Anfangsinvestition mit einer ersten Auszahlung von einer Börse auf sein Bankkonto gedeckt hat und den Rest laufen lässt. Es sind zwei Einzelfälle, keine Statistik, und sie sollten auch so behandelt werden: Erfahrungen, die ihre Protagonisten aus erster Hand erzählen.
Das aggregierte Argument geht weiter: Es wird behauptet, dass im Verlauf des Vermögenswerts etwa 90% derjenigen, die investiert und verkauft haben, Gewinne erzielt hätten, und dass ein Teil davon reich geworden sei. Wichtig ist dabei der Einstiegszeitpunkt. Wer in den frühen Jahren kaufte, gewinnt; wer in den letzten Monaten des Zyklus kaufte, als die Grafik vertikal wurde, leidet unter den Kursrückgängen. Die Diskussion dreht sich nicht darum, ob man gewinnt, sondern ab wann man zählt.
Warum passt Bitcoin nicht in das Schema von Schneeballsystemen?
Die klassische Verteidigung stützt sich auf drei Merkmale, die hier angeblich nicht vorliegen. Ein Schneeballsystem erfordert eine vertragliche Zahlungszusage (du investierst X und erhältst X plus Y), eine zentralisierte, hierarchische Organisation und einen einzigen Kollaps, der den Wert der Forderung annulliert, statt ihn zu reduzieren. Bei Bitcoin, so heißt es, verspricht niemand Rendite, es gibt keinen CEO, auf den man zeigen kann, und das System besteht seit vierzehn Jahren ohne Zusammenbruch.
Der übliche Vergleich ist Gold. Befürworter erinnern daran, dass Edelmetalle zwar schwanken, aber zehntausend Jahre Geschichte sowie industrielle und Schmuckanwendungen haben und daher als Wertaufbewahrungsmittel funktionieren. Die Gegenargumentation ist unbequem: Auch ein Picasso-Bild kostet eine Million, ohne praktischen Nutzen. Wo liegt der Wert der Dinge?
Blockchain, das Einzige, was niemand bestreitet
Es gibt einen Bereich, in dem die Positionen näher zusammenrücken: die Distributed-Ledger-Technologie. Selbst Skeptiker räumen ein, dass die Blockchain gekommen ist, um zu bleiben, allerdings mit einer Einschränkung: Sie macht nur Sinn in Umgebungen mit vielen Akteuren und fehlendem Vertrauen, nicht als Allheilmittel für jedes Unternehmen.
Die historische Anekdote, die oft erwähnt wird, ist der Genesis-Block, der am 3. Januar 2009 geschürft wurde und einen Zeitungstitel als Absichtserklärung enthält: The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks. Das Datum sei kein Zufall, wird angemerkt: In Japan gehören die ersten drei Tage des Jahres zum Shōgatsu sanganichi, der als günstiger Moment für den Start neuer Projekte gilt.
Sechs Jahre lang nach einem Datum gefragt
Hier stockt die Debatte. Als der Autor der ursprünglichen These erneut betonte, dass Zentralbanken im Ernstfall eingreifen würden, war die Antwort die vernünftigste von allen: Eine Wirtschaftsprognose ohne Zeitrahmen ist wertlos. Man fragte ihn, wann Bitcoin null erreichen werde. Seine Antwort war, dass er weder das Zielvolumen noch das Datum kenne und dies davon abhänge, wann genug Fiat-Geldmenge absorbiert werde. Ohne zeitliche Komponente, argumentieren Kritiker, ist die Prophezeiung unfalsifizierbar und damit nutzlos.
Der Rest ist eine wiederkehrende Diskussion zu Jubiläen: Die regelmäßigen Aufschwünge fragen, welchen Wert Bitcoin für jene hat, die ihn schon im Bereich von 3.000 Dollar totgesagt hatten, im Gegensatz zum Szenario, das den Vermögenswert bei 100.000 sieht, und der Warnung, dass etwas, das null wert ist, unabhängig von den Ziffern weiterhin null wert bleibt.
Was bleibt, wenn die Diskussion verstummt
Der streitbare Chart löst sich nicht durch Ironie auf. Ein Vermögenswert, der monatelang vertikal steigt, zieht genau das Profil an, das typischerweise zu spät kommt, und dieser Teil der Analyse hat sich gut gehalten. Was gealtert ist, ist die Gewissheit über den Kalender. Wenn diese Entwicklung etwas klarstellt, dann, dass die sichere Wette weder war, dass Bitcoin null wert sein wird, noch, dass er sechs Stellen erreicht, sondern dass das nächste Tulpen-Jubiläum uns wieder bei derselben Diskussion erwischen wird, mit denselben Gesichtern und einem anderen Chart. Blasen lassen sich besser ex post erkennen. So war es immer.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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