Binance stoppt Ein- und Auszahlungen in Euro

Binance hat SEPA-Einzahlungen ausgesetzt; Nutzer berichten auch von blockierten Auszahlungen. Die Frage nach den 10,7 Milliarden USD BUSD bleibt unbeantwortet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Binance stoppt Ein- und Auszahlungen in Euro
Binance friert Euro-Auszahlungen ein: Warnung vor einem Bank-Run

Binance hat die Einzahlungen per SEPA-Überweisung ausgesetzt, und laut betroffenen Nutzern sind auch Fiat-Auszahlungen blockiert. Dieser Vorfall ist kein technisches Detail, sondern der Härtetest eines Modells, das sofortige Liquidität auf Bankkonten verspricht, die das Unternehmen nicht mehr akzeptieren wollen. Die Plattform führte die Aussetzung der Einzahlungen auf Ereignisse außerhalb ihres Einflussbereichs zurück und betonte, dass SEPA-Auszahlungen nicht betroffen seien. Spätere Mitteilungen widerlegten dies jedoch: Nutzer, die ihre Gelder abheben wollten, stellten fest, dass die Überweisungsoption nicht verfügbar war.

Der Auslöser liegt im Bankensektor. Mehrere europäische Institute haben die Euro-Payments-Gateway für das Unternehmen geschlossen, und auch Litauen – das Land, auf das Binance für den Wiederaufbau dieser Infrastruktur gesetzt hatte – hat dem Unternehmen eine Absage erteilt. Die dortige Zentralbank teilte mit, dass Binance dort nicht willkommen sei. Ohne lokale Zahlungsabwicklung hängt der Euro-Betrieb am seidenen Faden.

Was bedeutet es, wenn Binance keine Euro auszahlen kann?

Das Argument in der Analyse ist simpel: Wenn die Kundengelder in Fremdwährung auf eingefrorenen oder geschlossenen Bankkonten liegen, kann die Plattform nicht alle Fiat-Salden zurückzahlen. Dies ist keine bilanzielle Insolvenz, sondern ein Problem des Zugangs zum traditionellen Bankensystem. Und dieses Problem lässt sich nicht durch mehr Kryptowährungen lösen, sondern nur durch eine Bank, die das Geld akzeptiert.

Der Vergleich mit Bitfinex drängt sich auf. Diese Plattform stand vor demselben Problem und war nahe daran, zu scheitern. Das Präzedenzfall beruhigt niemanden: Es zeigt, dass der Ausschluss vom Bankensystem eine reale Bedrohung ist und dass der Ausweg langsam, teuer oder gar unmöglich sein kann.

Einige argumentieren, der passende Vergleich sei ein anderer: BTC-e überstand die Verhaftung seines CEO und die Beschlagnahme seiner Server durch das FBI. Dieses Ereignis wird als Beleg dafür herangezogen, dass Binance „too big to fail“ sei. Das Gegenargument wiegt schwerer: BTC-e nutzte keine regulierten europäischen Bankkanäle und musste keine Euro an identifizierte Kunden zurückzahlen.

BUSD, Tether und die 10,7 Milliarden ohne bekannte Bank

Die offene Frage betrifft die Stablecoins. Liegen die 10,7 Milliarden USD BUSD auf einem Bankkonto? Auf welchem? Ist es eingefroren? Welche Sicherheiten gibt es? Die Zahl taucht in den Materialien auf, aber niemand klärt sie. Das übliche Verteidigungsargument lautet, dass BUSD von Paxos ausgegeben wird, das in New York reguliert und monatlich geprüft wird, um sicherzustellen, dass jedem Token ein Dollar gegenübersteht. Dies deckt den Emittenten ab, nicht aber die verteilende Plattform.

Das andere Feld ist Tether. Die verbreitete These besagt, dass USDt seine Marktkapitalisierung durch BUSD aufbläst – ein buchhalterischer Zirkus zur Anhäufung unbezahlbarer Schulden. Solange niemand abhebt, funktioniert alles. So entstehen Blasen.



Wer die Schlüssel nicht besitzt, besitzt keine Kryptowährungen

Die Diskussion schnellte rasch auf das Thema Verwahrung (Custody). Wer beim Erstellen seiner Wallet den Seed gespeichert hat, kontrolliert die privaten Schlüssel und kann seine Gelder ohne Erlaubnis bewegen. Wer sich mit Benutzername und Passwort einloggt, hat einen Guthabenanspruch gegenüber einem Unternehmen, keine Kryptowährungen. Diese Unterscheidung, die technisch klingt, trennt jene, die ihr Geld abheben können, von jenen, die nur warten müssen.

Die wiederholte Empfehlung lautet, alles auf eine eigene Wallet zu verlagern, solange der Ausnahmezustand andauert. Das Problem ist, dass viele Betroffene keine Wallet haben, sie nie eingerichtet haben, weil es ihnen kompliziert erschien, und nun überlegen, ob sie das Guthaben auf eine andere regulierte Börse oder direkt zur Bank transferieren sollen. Der häufigste Rat: Eine physische Cold-Wallet (auf laminiertem Papier) und kleine, regelmäßige Transaktionen, um in Fiat zu konvertieren, ohne gefangen zu bleiben.

Tokenisierte Aktien: Der Grund, den niemand beachtet

Eine Hypothese deutet auf eine andere Ursache hin: Binance könnte Aktien tokenisiert haben. Der Kauf von Tokens, die Anteile an Tesla, Coinbase oder anderen börsennotierten Unternehmen repräsentieren, umgeht Broker, deren Gebühren und die Meldung ans Finanzamt. Genau das wäre verboten worden, nicht der Handel mit Bitcoin. Der Betrieb mit tokenisierten Aktien in all seinen Varianten wäre das eigentliche Ziel gewesen.

Wenn diese Diagnose stimmt, richtet sich die Strafe nicht gegen Kryptowährungen allgemein, sondern gegen ein Unternehmen, das sich über die Behörden gestellt glaubte. Die weitverbreitete Lesart ist, dass Regulierung unvermeidbar kommt und Plattformen, die sich nicht fügen, erstickt werden. Binance war niemandes Freund: Sie ignorierte ihre Kunden, wann immer es ihr passte, und bei Beschwerden weiß niemand, in welchem Land man Anzeige erstatten soll.

Ein Bank-Run, der keine Insolvenz ist

Es gilt, zwei Szenarien zu trennen, die oft vermischt werden. Keine Scheine mehr zu bekommen ist keine Pleite, sondern ein Bank-Run. Die Plattform existiert weiter, die Salden sind vorhanden, aber es gibt keinen Weg, sie in Euro umzuwandeln. Bei einer echten Insolvenz würde der Einlagensicherungsfonds greifen, der bis zu 100.000 Euro pro Kontoinhaber deckt. Nach kursierenden Berechnungen hätte dieser Fonds nicht genug Geld, um den Zusammenbruch einer großen Bank zu bewältigen. Im schlimmsten Fall wird alternativ ein hundertjähriger Bond mit negativem Zins erwogen.

Als Beispiel dient die Banco Popular: Aktionäre wurden enteignet, und der Staat verfügte frei über ihr Vermögen. Theoretisch kann das bei Bitcoin nicht passieren. Theoretisch.



Die Kernfrage bleibt ungeklärt. Wenn die Euro-Zahlungsbrücke nicht wiederhergestellt wird, kann die Plattform zwar unbegrenzt im Krypto-Bereich operieren, doch ihr Nutzen für europäische Kunden reduziert sich auf eine Wallet ohne Ausgang. Dort, wo Abhebungen blockiert sind und der Markt auf die Wiederöffnung wartet, um zu verkaufen, stagniert die Analyse genau dort, wo sie begann: Niemand weiß, wie viel von diesem Geld tatsächlich auf einem Bankkonto existiert.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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