Bilbao: Identitätsdebatte um Euskera und Migration

Rekord bei Asylanträgen in Baskenland; in Álava stammen 41 % der Neugeborenen von Müttern aus dem Ausland.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bilbao: Identitätsdebatte um Euskera und Migration
Die Alhóndiga in Bilbao und der Kampf um die baskische Identität

„Wer zur Alhóndiga geht, teleportiert sich nach Marokko. Es ist nicht mehr San Francisco oder Zabalburu. Man hört mehr Arabisch als Spanisch“, fasste der erste Beitrag des Threads zusammen. Dieser Satz bringt eine Unzufriedenheit auf den Punkt, die im Baskenland (Euskadi) nicht mehr nur geflüstert wird. Was als Nachbarschaftsklage begann, hat sich zu einem Konflikt mit drei Fronten entwickelt: Sicherheit, Sprache und Verwendung öffentlicher Gelder.

Was man an der Alhóndiga und rund um San Francisco sieht

Das Gebiet um die Alhóndiga und die Calle San Francisco im Zentrum Bilbaos sammeln viele Zeugenaussagen. Die Gegend wird als sehr kosmopolitisch beschrieben, und das Phänomen dehne sich auch auf Indautxu aus, wo Wohnungen für 600.000 Euro gehandelt werden. Andere Berichte kommen aus dem Umland: Ein Nutzer erwähnt, dass es in Otxandiano, einem Dorf im Inneren Bizkaayas, Frauen mit Kopftuch auf dem Platz gab und ein Vater Cricket auf der Fronton-Bahn spielte. Auch Passanten auf dem Jakobsweg berichten von Veränderungen in San Francisco.

Die nüchterne Reaktion leugnet den Wandel nicht, relativiert ihn aber. Die Alhóndiga sei schon immer ein normales Viertel gewesen, heißt es; auffällig sei vielmehr, dass dieses Bild nun auch in wohlhabenden Plätzen Bilbaos auftauche. Die Diskussion verschiebt sich so vom Erstaunen hin zur Demografie.

Wird Euskera im baskischen Gesundheitswesen verdrängt?

Der detaillierteste Bericht betrifft nicht die Straßensprache, sondern die in Arztzimmern. Ein Teilnehmer behauptet, er habe unter Ärzten, Spezialisten, Pflegekräften und Assistenten nur eine Person Euskera sprechen gehört; der Rest habe spanische Akzente aus Übersee gehabt. Daraus entsteht eine härtere These eines anderen Nutzers: Für die PNV (Partido Nacionalista Vasco) spiele die Sprache eine immer geringere Rolle, ihre wahre Priorität sei der Machterhalt in einem Territorium mit etwa zwei Millionen Einwohnern.

Dagegen steht ein anderes Argument: Sprachbarrieren seien ein Instrument der administrativen Selektion und des inneren Zusammenhalts, das das System stützt. Wenn sie sich auflösen, schwinde der Vorteil. Die unbequeme Kernfrage lautet: Wenn Euskera nicht mehr diskriminierte, was bliebe dann vom besonderen Status?

Zahlen hinter der Alarmbereitschaft: Asyl, Geburten und Hilfen

Die Daten kamen spät, sind aber da. Euskadi erreichte einen Rekord bei Asylanträgen, die innerhalb eines Jahres um 50 % stiegen. Manche behaupten, in Álava seien im September 41 % der Neugeborenen Kinder ausländischer Mütter – die am häufigsten zitierte Zahl für strukturellen Wandel. Zudem verhaftete die Policía Nacional zwei algerische Staatsbürger, beschuldigt, 140.281 Euro an baskischen Sozialleistungen (RGI, IMV und Wohnbeihilfe) kassiert zu haben, während sie seit 2014 in Frankreich lebten. Diese Zahl empört besonders, weil sie ins Portemonnaie greift.

Hinzu kommt die Sicherheitsfront. Der Anstieg der Kriminalität veranlasste die Stadtverwaltung von Donostia (San Sebastián), Polizisten, Richter und Staatsanwälte zu einer Dringlichkeitssitzung über Brennpunkte und Mehrfachrückfalltäter einzuberufen. Schlagzeilen wie „Familien aus Algorta wollen wegen Angst wegziehen“ dienen als Slogans.

Politische Antwort: „Neue Generation der Basken“

Auf institutioneller Ebene wurde der Ton verschärft. Die PNV forderte, Migranten „Schutz und Lebensraum“ zu geben, da sie „die neue Generation der Basken“ sein würden. Ein Parteisprecher scherzte, er wisse nicht, ob sein Nachfolger Aguirregomezcorta oder Hasan heißen werde. Nur VOX warnte vor einer Sarracinisierung, was zum Markenzeichen dieser Partei geworden ist. Am anderen Ende der Erinnerung funktioniert das angebliche Zitat von Xabier Arzalluz, der lieber einen Migranten gesehen hätte, der Euskera lernt, als einen Spanier, jedes Mal als Treibstoff, wenn jemand es ausgräbt.

Der häufigste Vorwurf richtet sich nicht gegen Neuankömmlinge, sondern gegen die Regierenden: Es wird behauptet, die baskischen Eliten hätten ihr eigenes Volk zerstört, so wie die spanischen ihriges zerstört hätten.

Gegenargument: Bilbao funktioniert

Nicht alle teilen diese Diagnose. Einige Berichte verteidigen Bilbao als lebenswerte und gut bezahlte Stadt: Eine Tochter arbeitet dort und denkt nicht ans Weggehen, Urlauber sind überrascht von Donosti, Verträge kompensieren den Regen. Das Gegenangebot ist eindeutig: Bilbao sei ein Ort, den verlassen, wer es sich leisten kann, und der Beweis liege in den Preisen in Indautxu, die eher auf eine steigende als auf eine sinkende Stadt hindeuten.

Zwei Narrative, ein Territorium. Keines gibt nach.

Die Diskussion begann mit der Frage, ob Bilbao verloren sei. Eine Einigung gibt es nicht einmal darüber, was „Verlust“ bedeutet: Ist es das Verschwinden von Euskera beim Arztbesuch, sind es die 140.281 Euro Hilfe aus dem Ausland oder das Verschwinden der Stadt, wie man sie kannte? Der einzige unbestrittene Punkt ist der einfachste: Das menschliche Landschaftsbild im Zentrum Bilbaos hat sich geändert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (216 Antworten).

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