Ayuso: Migranten müssen in Spanien putzen und bauen

Ayuso verteidigt im Parlament, dass Migranten putzen, ernten und Häuser bauen. Die Debatte zeigt den Widerspruch zwischen dem Bedarf an Arbeitskräften und...

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ayuso: Migranten müssen in Spanien putzen und bauen
Ayuso: „Jemand muss in euren Häusern putzen“

Was kostet es, wenn jemand dein Haus putzt, deine Ernte einfährt oder die Steine für dein Gebäude setzt? Isabel Díaz Ayuso, Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid (Comunidad de Madrid), antwortete auf diese Frage im regionalen Parlament mit einem Satz, der die wirtschaftliche Debatte entfachte: „Ich sage, dass jemand in euren Häusern putzen muss, jemand eure Ernten einsammeln muss und, ihr Herrchen von Vox, jemand die Steine für die Häuser setzen muss, in denen wir alle später leben werden.“ Die Intervention, verbreitet durch Medien wie El País und Cadena SER, stellt die Migration ins Zentrum der Diskussion über den Arbeitsmarkt und die Wohnungspreise.

Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Ein Teil der Analyse behauptet, Ayuso habe Migranten zu billigen Arbeitskräften gemacht, um Sektoren am Laufen zu halten, die lokale Arbeitnehmer aufgrund ihrer Bedingungen ablehnen. Eine andere Strömung verteidigt, dass ohne diese Arbeitskräfte der Bau- und Agrarsektor in Madrid lahmgelegt wäre. Der Konflikt offenbart einen Widerspruch: Dieselbe Politikerin, die Grenzkontrollen fordert, verlangt nach Arbeitskräften für Jobs, die Spanier nicht besetzen wollen.

Das Argument der Arbeitskraft, die niemand will

Aysus These ist nicht neu. Im Madrider Parlament bestand die Präsidentin darauf, dass Migranten Stellen besetzen, die nationale Arbeitnehmer verlassen haben. „Jemand muss in euren Häusern putzen“, sagte sie und wandte sich an Vox. Die Botschaft hat eine unmittelbare wirtschaftliche Lesart: Ohne Migration würden der Pflegesektor, die Landwirtschaft und das Baugewerbe auf einen Arbeitskräftemangel stoßen, der die Kosten in die Höhe treiben würde.

Die im Diskurs zirkulierende Rechnung ist eindeutig: Würden diese Stellen mit würdigen Löhnen besetzt, stiegen die Preise für Wohnraum und Dienstleistungen noch stärker. Manche behaupten, die Migration fungiere als verstecktes Subventionssystem für Unternehmer, die niedrige Löhne dank verfügbarer ausländischer Arbeitskräfte beibehalten. Dagegen spricht das Argument, dass ohne sie viele landwirtschaftliche Betriebe und Baustellen schließen müssten.

Die Paradoxie ist offensichtlich: Dieselbe Partei, die eine härtere Migrationspolitik fordert, verlangt nach Arbeitskräften für Jobs, die Spanier nicht akzeptieren. Die Diskussion lenkt auf das Produktionsmodell: Ist eine Wirtschaft nachhaltig, die von prekärer Arbeitskraft abhängt?

Wohnraum: Der Preis sinkt nicht

Die Verbindung zwischen Migration und Wohnungspreisen ist der hitzigste Punkt. Ein Teil der Analyse behauptet, der Zuzug ausländischer Bevölkerung treibe die Nachfrage nach Miet- und Kaufobjekten hoch, was die Preise nach oben drücke. „Dass zehn Millionen Ausländer eingereist sind und die Nachfrage explodiert ist, hat nichts mit den Preisen für Wohnraum und Mieten zu tun“, ironisierte ein Teilnehmer und spiegelte damit die Skepsis gegenüber der offiziellen Erzählung wider.

Die verfügbaren Daten im Diskurs deuten darauf hin, dass die Mietpreise in der Stadt Madrid zur Last für junge Menschen geworden sind. „Die Kids müssen 2000 Euro Miete zahlen“, heißt es im Material. Der Neubau von Wohnungen hält nicht mit der Nachfrage Schritt, und migrantische Arbeitskräfte sind genau die, die die Steine setzen. Der Kreis schließt sich: Ohne Migranten keine Bautätigkeit, aber mit Migranten steigt der Druck auf den Wohnungsmarkt.

Manche erinnern daran, dass auch vor der Masseneinwanderung gebaut und geerntet wurde. „Noch vor gar nicht so langer Zeit verließen die Jugendlichen die Schule, um auf dem Bau zu arbeiten, weil man dort gut Geld verdiente“, merkt eine Nachricht an. Eine würdige Vergütung war möglich, weil die Wohnungspreise sehr unterschiedlich waren.

Der Konflikt mit Vox und die politischen Kosten

Aysus Intervention war keine isolierte Rede. Sie erfolgte als Antwort auf Vox, ihren parlamentarischen Partner, und zielte darauf ab, ein eigenes Profil gegen die extreme Rechte zu markieren. „Ihr Herrchen von Vox“, sagte sie in einem Versuch, sich von der anti-migrantischen Rhetorik ihrer Verbündeten abzusetzen. Dieser Zug hat seinen Preis: Teile ihrer Wählerschaft könnten interpretieren, dass die Madrider Präsidentin das Argumentationsmuster der Linken übernommen hat.

„Die PP nutzt bereits dieselben Argumente wie die verdammten Roten“, heißt es im Material. Die Kritik kommt nicht nur von rechts. Auch manche weisen darauf hin, dass Ayuso, indem sie Migration als Arbeitskraft verteidigte, als klassenbewusster dargestellt wurde als jene, die sie kritisiert. „Indem sie den Rassismus von Vox angreifen wollte, wirkt sie selbst rassistischer und klassenbewusster“, fasst ein Teilnehmer zusammen.

Die Diskussion dreht sich um die Wahlberechnung. Ein Teil der Analyse behauptet, die madrilenische PP versuche, Stimmen aus der Mitte zu gewinnen, während sie ihre eigene Basis halte. Eine andere Strömung glaubt, der Satz werde die Wähler von Vox mobilisieren, die darin die Bestätigung ihrer These sehen, dass traditionelle Parteien die Interessen nationaler Arbeitnehmer nicht verteidigen.

Löhne, Prekarität und das Modell, das sich nicht ändert

Im Kern geht es um den Arbeitsmarkt. „Die Löhne waren nie besonders gut, aber die Unternehmer wollten noch weniger zahlen, deshalb holen sie Migranten“, behauptet eine Nachricht. In dieser Lesart deckt die Migration nicht nur offene Stellen ab, sondern übt auch Abwärtsdruck auf die Löhne in den geringer qualifizierten Sektoren aus.

Die im Diskurs genutzten Daten deuten darauf hin, dass der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte mit einer Lohnmoderation im Bauwesen, der Gastronomie und der Personenpflege einherging. Manche erinnern daran, dass junge Spanier nach Frankreich, Holland oder die Schweiz emigrieren, um auf dem Feld zu arbeiten oder Alte zu pflegen, was widerlegt, dass sie diese Jobs nicht wollen. „Es gibt Spanier, die aufs Land gehen, aber auf die Felder in Frankreich und Holland, um Trauben oder Erdbeeren zu pflücken“, wird angemerkt.

Die sich aufdrängende Schlussfolgerung ist unbequem: Das spanische Wirtschaftsmodell hängt von billiger Arbeitskraft ab, und Migration ist seine Hauptquelle. Eine Änderung würde höhere Löhne, Automatisierung in der Landwirtschaft und mehr Wohnungsbau erfordern. Keines dieser drei Dinge steht auf der Agenda.

Was passiert mit den Wohnungspreisen, wenn die Migration sinkt?

Es gibt keine eindeutige Antwort. Ein Teil der Analyse behauptet, eine Reduzierung des Zuzugs von Migranten würde den Druck auf den Mietmarkt lindern, da die Nachfrage sinke. Eine andere Strömung warnt, dass ohne Arbeitskräfte der Bau lahmgelegt würde und das Wohnungsangebot noch weiter fiele, was die Preise hoch hielte.

Der Diskurs offenbart einen Widerspruch, den keine Partei gelöst hat: Die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte, aber der Wohnungsmarkt absorbiert sie nicht. Unterdessen zahlen junge Menschen weiterhin Mieten, die mehr als die Hälfte ihres Gehalts verschlingen. Die letzte Ironie besteht darin, dass Aysus Satz, gedacht, um Vox anzugreifen, den Riss im spanischen Produktionsmodell offengelegt hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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