Argentinien verzeichnet höchste Inflationsrate weltweit

Argentinien überholt Libanon und Venezuela bei der weltweiten Inflation. Befürworter des Sparkurses verweisen auf eine Geldmengenverzögerung von 12 bis 24 Monaten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Argentinien verzeichnet höchste Inflationsrate weltweit
Milei und die Kettensägen-Politik: Argentinien führt die globale Inflationsliste an

Die Paradoxie ist schwer zu verdauen: Das Land, das für die „Kettensägen“-Sparpolitik gestimmt hat, um die Inflation zu beenden, steht nun ganz oben in der Weltrangliste der Preiserhöhungen. Argentinien überholte Libanon und Venezuela und liegt im Jahresvergleich als Land mit der höchsten Inflation weltweit vorn. Die Abfolge wiederholt sich mit einem schalen Beigeschmack: Mileis Amtsantritt sollte angeblich von 0 % Inflation und 0 % Armut zu diesem Ergebnis führen. Die Antwort kommt ebenso schnell: Es handelt sich um Daten der letzten zwölf Monate, nicht des letzten Monats. Ich lasse es mal so stehen, fasst einer zusammen.

Warum führt Argentinien jetzt die weltweite Inflation an?

Der zirkulierende Vergleich basiert auf der Preisentwicklung der letzten zwölf Monate. In dieser Momentaufnahme übertrifft die argentinische Wirtschaft Libanon und Venezuela, die noch vor wenigen Monaten die höchsten jährlichen Zuwachsraten verzeichneten. Genau hier liegt der Kern der Diskussion: Es ist keine monatliche Messung, sondern ein kumulierter Jahreswert, der lange vor Beginn der „Kettensägen“-Politik seinen Anfang nahm. Wer die Tabelle als Beweis für das Scheitern heranzieht, wird kritisiert, weil er Jahresdaten mit einer Regierungsleistung vermengt, die erst anderthalb Monate alt ist. Die Präzision hat ihre Tücken: Dieselbe Zahl, die genutzt wird, um die Regierung zu diskreditieren, kann anders gelesen den Ausgangspunkt statt des Ergebnisses messen.

Wie lange muss man warten, um die Sparpolitik zu bewerten?

Ein Jahr, zwei Jahre, dreißig Jahre. Die Spanne ist so breit wie die Uneinigkeit. Das technischste Argument verweist auf die Geldmengenverzögerung, geschätzt zwischen 12 und 24 Monaten: Vorher gedrucktes Geld wirkt wie eine nachträglich zu zahlende Schuld, was bereits im Wahlkampf angekündigt wurde. Nach diesem Zeitplan kann der aktuelle Sparkurs noch nicht beurteilt werden. Dagegen steht die Ironie, dass man 30 Jahre auf Früchte warten müsse, und die obligatorische Gegenfrage: Dreißig Tage sind kein Maßstab, aber dreißig Jahre auch kein Regierungsprogramm. Die unausgesprochene Schlussfolgerung lautet: Wenn die Effekte der Geldmenge zwei Jahre brauchen, um zu wirken, gilt dies auch für den Sparkurs.

Der Sparkurs, der bereits im Vereinigten Königreich angewandt wurde

Der am häufigsten zitierte internationale Vergleich ist nicht lateinamerikanisch. Der Plan ähnelt laut dieser Lesart dem im Vereinigten Königreich, wo er seit Jahren scheitert: Reden über Opfer heute für eine immer aufgeschobene Glückseligkeit morgen, sinkender Lebensstandard und Kaufkraft, wiederauflebender gewerkschaftlicher Widerstand gegen Austerität und wachsende Ungleichheit. Die Analogie soll zeigen, dass das Rezept weder neu ist noch dort funktioniert, wo es bereits getestet wurde. Die Gegenargumentation: Länder, die von Subventionen lebten, leiden stärker, wenn diese wegfallen, wie in Irland geschehen, und benötigen Zeit, bis privates Kapital die Lücke füllt.

Das Gespenst von CoinX und markierte Plattformen

Zur wirtschaftlichen Kritik gesellt sich die persönliche Akte. Es kursieren Berichte, wonach der Präsident die Krise nutze, um Lösungen für Probleme zu verkaufen, die er selbst dramatisiert habe. Dabei wird erinnert, dass er zuvor Plattformen mit Ponzi-Schema bewarb — darunter CoinX —, die Anleger ruinierten. Dies ist eine Anschuldigung aus dem Bereich der öffentlichen Meinung, ohne rechtskräftige Verurteilung. Ihre Funktion in der Debatte ist eine andere: Zweifel daran zu säen, ob Diagnose und Heilmittel aus derselben Quelle stammen wie frühere Geschäfte.

Wegfallende Subventionen, soziales Netz und Berechnung der Unterstützung

Eine wiederkehrende Erklärung für Regimes, die trotz zerstörter Wirtschaft überleben, besagt: Zwischen 20 % und 40 % der Bevölkerung in Ländern wie Kuba oder Venezuela würden ihre Regierungen weiterhin unterstützen, weil sie früher noch schlechter dran waren. Ein geordnetes makroökonomisches Bild hilft wenig, wenn der einzelne nichts von diesem Wohlstand abbekommt. Auf Argentinien übertragen entzieht der Sparkurs Subventionen, die einen großen Teil des Konsums trugen; ohne sie schrumpft der Markt, bevor Neues entsteht. In den düstersten Prognosen wird sogar vom Verkauf des Landes an ausländische Fonds gesprochen, gefolgt von neuen IWF-Krediten und einer Auswanderungswelle nach Madrid. Niemand unterschreibt dieses Szenario, doch es dient als Erinnerung daran, dass hier über Geduld und Fristen diskutiert wird, nicht über Ergebnisse.



Wie viele Monate müssen vergehen, bevor entschieden wird, ob die „Kettensägen“-Politik funktioniert? Niemand hat eine exakte Zahl genannt, und wer sie nennt, ändert sie je nach letztem Datenpunkt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (189 Antworten).

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