Argentinien: Neue Pflichtimpfungen unter Präsident Milei

Nach Amtsantritt von Javier Milei am 10. Dezember 2023 wurden im Amtsblatt neue Impfpflichten in Argentinien veröffentlicht, was Debatten über Libertarismus auslöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mileis Amtsantritt und die neuen Impfvorschriften

Kann ein Präsident, der sich als Libertärer bezeichnet, einen obligatorischen Impfkalender beibehalten und sogar erweitern? Diese Frage steht im Zentrum des Beginns von Javier Mileis Präsidentschaft in Argentinien. Er trat sein Amt am 10. Dezember 2023 an, und in den darauf folgenden Wochen veröffentlichte das offizielle Amtsblatt (Boletín Oficial) weiterhin Gesundheitsvorschriften mit neuen Pflichtimpfungen. Dieser Vorfall hat eine unbequeme Diskussion neu entfacht: Was bleibt vom „Libertarismus“, wenn es um die körperliche Unversehrtheit geht?

Welche Vorschriften nach dem 10. Dezember veröffentlicht wurden

Die Zeitabläufe lassen wenig Spielraum. Milei wurde am 10. Dezember 2023 vereidigt. Zehn Tage später, am 20. Dezember, wurde eine neue Ergänzung der Liste der Pflichtimpfungen registriert. Zwei Tage danach, am 22. Dezember, berichtete die argentinische Presse über die Einführung der HPV-Impfung für Jungen im Rahmen des obligatorischen Schemas, die laut diesen Informationen im Alter von 11 Jahren verabreicht wird.

Ein Element erschwert die Darstellung in beide Richtungen: Die Resolution 4217 des Gesundheitsministeriums, die am 9. Dezember im Amtsblatt veröffentlicht wurde, trug die Unterschrift der damaligen Ministerin Carla Vizzotti und erschien einen Tag vor der Machtübergabe. Befürworter der These eines libertären Betrugs kontern dies mit dem Argument: Eine Norm, die unter einer bereits installierten Regierung in Kraft tritt, bleibt für die Bürger dieser Regierung verbindlich.

Der Fall der HPV-Impfung bei Jungen hat die meisten Reaktionen ausgelöst. Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf das Prinzip der Verbindlichkeit: Manche behaupten, dass diese Prophylaxe keinen direkten Nutzen für den geimpften Jungen bringt und ihm daher ein Risiko ohne Gegenleistung auferlegt wird. Es ist wichtig, dies genau zu betonen: Diese Behauptung ist eine These der Kritiker, kein feststehendes Faktum, und die medizinische Gemeinschaft hält ihre Empfehlung für die Impfung aufrecht.

Der Kinder-Impfkalender: Voraussetzung für die Einschulung

In Argentinien gibt es einen obligatorischen Impfkalender für Kinder, der direkt nach der Geburt beginnt. Und hier liegt der entscheidende Punkt in der Debatte: Die Einhaltung ist zwingende Voraussetzung für die Einschreibung jedes Kindes in die Grundschule. Es handelt sich nicht um eine gesundheitliche Empfehlung, sondern um eine gesetzliche Anforderung, die den Zugang zur Bildung einschränkt.

Dieses Detail verändert die Natur der Angelegenheit. Wenn die Nichteinhaltung die Einschreibung blockiert, hört die Alternative auf, praktisch freiwillig zu sein: Entweder man lässt sich impfen, oder das Kind bleibt vom System ausgeschlossen. Genau dort verlagert sich die Diskussion von einer gesundheitlichen zu einer rechtsstaatlichen Frage.

Was ist negative pharmakologische Freiheit?

Das Konzept, das das Argument trägt, ist die pharmakologische Freiheit, popularisiert durch Antonio Escohotado. Man unterscheidet die positive – die Freiheit, das Medikament einzunehmen, das man möchte – von der negativen, also der Freiheit, Medikamente, die man nicht wünscht, weder an sich selbst noch an Personen unter eigener Obhut anzuwenden.

Die Formulierung ist eindeutig: Ohne negative pharmakologische Freiheit ist das Individuum nicht Herr seines eigenen Körpers. Und wenn es das nicht ist, reduziert sich das Etikett der Freiheit auf eine leere Hülle. Angewandt auf den argentinischen Fall schlussfolgern Kritiker, dass keine Erklärung zum Dollar oder zum Defizit einen erzwungenen Impfkalender ausgleichen kann.

Verteidigungslinien der Regierung und Risse im Narrativ

Milei erklärte sich in der Vergangenheit offen pro-impfend, wie die argentinische Presse berichtete. Manche lesen diese Erklärung als Rahmen, der seine spätere Stille erklärt, andere interpretieren sie als Beweis dafür, dass nie die Absicht bestand, das System zu ändern.

Die häufigste Verteidigungslinie betrifft die Prioritäten. Die Regierung widmete ihren ersten Monat einem Paket von Dekreten und tiefgreifenden Wirtschaftsreformen, wobei die Impfpolitik nicht auf der Liste stand. „Ich bestreite die Prämisse“, fasst eine wiederkehrende Haltung zusammen: Dass die Sache wichtig ist, macht sie nicht automatisch zu einer Initiative des Präsidenten. Dagegen spricht das gegenteilige Argument, das schwer zu entkräften ist: Ein einziger Satz hätte genügt.

Warum eine Erklärung ausgereicht hätte

Es war nicht nötig, auch nur eine einzige Vorschrift abzuschaffen. Es hätte gereicht zu sagen, dass in Argentinien niemand wegen Nichtimpfung verfolgt wird, weder für sich selbst noch für seine Kinder. Dieser Satz allein hätte den Mechanismus der Zwangsmittel deaktiviert, ohne einen einzigen Artikel der Verordnung anzufassen. Kritiker behaupten, dass dieser Satz nie kam.

Indessen bleibt der Kalender bestehen, die Schule bleibt das Tor und das Amtsblatt veröffentlicht weiter. Es gibt kein Geld, es gibt kein Geld... aber für Impfungen scheint es doch welches zu geben. Seltsame Dinge.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (165 Antworten).

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