Arbeiterstimmen für Vox: Kränkung, Gender-Gewaltgesetz und Strafe

Warum Arbeiter in Spanien Vox wählen: Steuerlast, Ablehnung des Gesetzes gegen geschlechtsspezifische Gewalt und das Gefühl, von der Linken im Stich gelassen zu werden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Arbeiterstimmen für Vox: Kränkung, Gender-Gewaltgesetz und Strafe
Ein Arbeiter wählt Vox: Die Kluft zwischen PSOE und ihrer Basis

Warum stimmt ein angestellter Arbeitnehmer für eine Partei, die sich als sein Klassenfeind präsentiert? Diese Frage durchzieht eine Diskussion mit 112 Antworten und einer Vorgeschichte von 466 Tagen. Sie beginnt mit einem hitzigen Vergleich – ein Arbeiter, der Vox wählt, sei wie ein Afroamerikaner, der den Ku-Klux-Klan wählt – und endet in einer Aufzählung von Kränkungen: das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die Steuerpolitik, die Migration und das Gefühl, dass die institutionelle Linke aufgehört hat, auf den Arbeiter zu schauen, um sich anderen Themen zu widmen.

Der Ausgangspunkt ist nicht ökonomisch, sondern emotional. „Ich wähle dort, wo es ihnen am meisten wehtut“, fasst ein Teilnehmer zusammen, der sich selbst als Arbeiter und Vox-Wähler bezeichnet. Es gibt kein Programm, es geht um Genugtuung. Und darauf baut sich alles Weitere auf.

Kränkung als Wahlprogramm

Die vorherrschende These im Thread ist, dass die PSOE ihr Monopol auf die Arbeiterstimme verloren hat, weil sie ihre eigene Gründungsmythologie verlassen hat. Eine Partei, die sich Arbeiterpartei nennt und laut mehreren Kommentatoren für andere Interessen regiert: Steuererhöhungen für Arbeitseinkommen, Beiträge, die Selbstständige erdrücken, und eine Agenda, die sich auf das konzentriert, was abwertend als Gender-Ideologie, Gleichstellung und Rassismus bezeichnet wird.

Manche formulieren es ohne Umschweife: Die Linke verteidigt die Empfänger von Sozialleistungen, nicht jene, die sie finanzieren. Die Hilfen kommen aus der Tasche des Arbeiters, nicht aus der der Reichen. Das ist eine Vereinfachung, ja, aber es erklärt, warum ein Angestellter mit mittlerem Einkommen Vox ansehen kann, ohne sich vor Scham schämen zu müssen.

Die am häufigsten wiederholte Berechnung ist keine monetäre: Es ist eine Frage des Status. Ein Wähler behauptet, dass das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgrund seiner asymmetrischen Gestaltung der Grund für 80 % der Vox-Stimmen sei. Als Zahl diskutabel, als Diagnose aufschlussreich.

Welche Rolle spielt Migration bei der Arbeiterwahl der Rechten?

Migration erscheint als Beschleuniger, nicht als einzige Ursache. Mehrere Nachrichten besagen, dass die Wählerschaft von Vox nach dem gewachsen sei, was sie als Invasion bezeichnen, und dass ein Spanier, der links wählt, gegen seine eigenen Interessen handelt. Die Formulierung ist aggressiv und der Artikel unterstützt sie nicht, aber das Phänomen, das sie beschreibt – Wettbewerb um öffentliche Ressourcen, Druck auf niedrige Löhne und Wohnraum – ist dasselbe, das die radikale Rechte in halb Europa antreibt.

Ein Kommentator fasst es mit einem brutalen Bild zusammen: Wenn man männlich, weiß und spanisch ist, wäre die Wahl für Vox ein Akt der Notwehr. Ein anderer fügt hinzu, wenn die Linke gegen die Migration wäre, sähe die Sache anders aus. Die gemeinsame Diagnose lautet, dass die Linke die Erzählung vom einheimischen Arbeiter verloren und nie zurückgewonnen hat.

Das Gegenargument: Der Plantagen-Aufseher

Die ausgearbeitetste Antwort im Thread ist kulturell, nicht ökonomisch. Der Arbeiter, der Vox wählt, wird mit dem servilen Aufseher einer Baumwollplantage des 19. Jahrhunderts verglichen: Derjenige, der besser lebt als seinesgleichen, weil er dem Herrn dient und die Seinen verachtet. Die Analogie, entlehnt aus einem bekannten Film, ist hart und wurde ebenso hart angegriffen.

Dagegen stützt sich die Verteidigung des rechten Arbeiterwählers auf eigene Erfahrung: Selbstständige, die mehr als vierzehn Gehälter pro Jahr gezahlt haben, Vorarbeiter, die gesehen haben, wie ein Kollege befördert wurde, weil er dem Chef die Hand leckte, Arbeiter, die wissen, dass wenn das Land den Bach runtergeht, sie hinterherkommen. Es sei keine Ideologie, sagen sie, sondern Überlebensinstinkt.

Strafvote und Misstrauen gegenüber dem System

Eine weitere unbequeme Ebene taucht auf: die des Wählers, der nicht an die Wahl glaubt. „Wähle, wen du willst, sie tun, was sie wollen“, fasst eine Nachricht zusammen. Der Verdacht auf Wahlbetrug, die Idee, dass wer die Stimmen zählt, das Ergebnis bestimmt, zieht sich durch mehrere Kommentare. Wenn das System manipuliert ist, ist die Wahl für Vox kein politisches Bekenntnis: Es ist eine Geste.

Und über allem schwebt eine wiederkehrende Anschuldigung gegen die Führungselite der Linken: dass sie nie harte Arbeit verrichtet habe und dass unter ihrer Regierung alles teurer werde, während die Löhne stagnieren. Der Vox-Wähler sei kein Betrogener, sondern jemand, der die Rechnung gemacht hat.

Am Ende bleibt die Anfangsfrage ohne klare Antwort. Ein Arbeiter, der Vox wählt, ist weder ein Aufseher noch ein Verräter: Er ist ein Wähler, der entschieden hat, dass die Partei, deren Name Arbeiter enthält, ihn nicht mehr repräsentiert. Ob das gut oder schlecht für ihn ist, ist eine andere Diskussion, und niemand in diesem Thread hat sie abgeschlossen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (112 Antworten).

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