Spanien: Ex-IU-Wähler fühlen sich als Reaktionäre

Ehemalige Wähler der Izquierda Unida in Spanien beschreiben ihren Bruch mit der Partei, die nun andere Prioritäten setzt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Ex-IU-Wähler fühlen sich als Reaktionäre
Halbes Leben IU gewählt, jetzt Reaktionär genannt

Wie wird man vom langjährigen Izquierda Unida-Wähler zum Reaktionären abgestempelt, nur weil man über Löhne spricht? Die Debatte beginnt mit einem historischen Wähler, der sich von der Linken, die ihn an soziale Gerechtigkeit glauben ließ, verwaist fühlt. Seine These im Detail: Die Partei hat den Arbeiter durch Beamte und das Wirtschaftsprogramm durch eine Agenda ersetzt, die nicht in den Warenkorb passt. Im Kern liegt das Unbehagen: Niedrige Gehälter, unerreichbarer Wohnraum und der Verdacht, dass der Beschwerdeführer überflüssig ist.

Warum nennen sich Linke als Reaktionäre beschimpft?

Die Diagnose wiederholt sich: Wer das neue Programm – das sogenannte Proge-Katechismus der Agenda 2030 – infrage stellt, erhält kein Gegenargument, sondern ein Stigma. Der Ablauf ist immer gleich: Man widerspricht bei den Prioritäten und wird automatisch dem rechten Rand zugeordnet. Kritiker betonen, dies stehe im Widerspruch zur linken Tradition des internen Debattierens und der Meinungsfreiheit.

Es gibt eine unangenehmere Variante dieser Klage. Einige Stimmen behaupten, das Label „Faschist“ diene der Erschöpfung: Es diskutiert nicht mehr, es disqualifiziert nur noch. Andere entgegnen, dass heutige Rechtsaußen-Wähler keine Zensuropfer sind, sondern einen eigenen Kurs verfolgen.

Von der Arbeiterlinken zur Linken der Beamten und Rentner

Hier wird die Analyse ökonomisch. Die am häufigsten genannte Idee: Die Wählerbasis hat sich vom Fabrikarbeiter zum öffentlichen Angestellten und Pensionär gewandelt, Gruppen mit direktem Interesse an einem verteilenden Staat und geringerer Prekarität. Ein Teilnehmer liefert harte Munition: 9 Millionen Rentner gegenüber 17 Millionen Privatsektor-Arbeitern, wobei die Durchschnittsrente laut Aussage höher sei als die eines Beitragszahlenden. Mit diesen Zahlen lautet die Schlussfolgerung: Der protektionistische Diskurs schützt nicht mehr den Produzenten, sondern den Empfänger.

Der Einwand kommt aus anderer Richtung: Globalisierung und Deindustrialisierung seien keine Erfindung der Linken, sondern Dynamiken, die ganz den Westen trafen und von Regierungen unterschiedlicher Couleur umgesetzt wurden. Arbeitsmarktreformen der 90er – Legalisierung von Zeitarbeitsfirmen als Beispiel – und die Immobilienblase werden gleichermaßen PSOE und PP zugeschrieben, beide nach Vorgaben aus Brüssel.

Franco, PSOE und der Kampf um die Entwicklungserbschaft

Der historische Konflikt ist der hitzigste. Eine Gruppe verteidigt, dass die 80er und 90er gut für Arbeitnehmer waren – erschwingliches Wohnen, 40 Urlaubstage, Krankenversicherung, Pensionsfonds – dank der Linken. Die Gegenseite argumentiert, dies sei der Nachhall der früheren Entwicklungspolitik gewesen und der PSOE-Machtantritt 1982 habe die Industrie abgewickelt. Es wird sogar angeführt, dass Spaniens Pro-Kopf-Einkommen 1975 bereits 95 % des EU-Durchschnitts erreichte und die Moncloa-Pakte sozialen Frieden gegen schlechte Wirtschaftspolitik tauschten.

Das entscheidende Detail, das die Gleichung aufhebt, wie ein Teilnehmer erinnert: Den Reservefonds der Sozialversicherung schuf 1997 eine PP-Regierung im Rahmen der Toledo-Pakte von 1995, nicht die Linke. Dies widerlegt jede monolithische Erzählung darüber, wer den Wohlfahrtsstaat aufgebaut hat.

Die DANA oder der Tag, an dem das Volk ohne Parteibuch half

Die einzige Waffenruhe im Streit bringt die Katastrophe. In den überschwemmten Gebieten halfen laut Berichten zuerst Nachbarn, Selbstständige und Freiwillige aller Richtungen, ohne nach der politischen Zugehörigkeit zu fragen. In sozialistisch regierten Vierteln halfen Rechte; anderswo Studenten jeglicher Couleur. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Das Volk rettete das Volk, ohne auf das Parteibuch zu schauen.

Dieses Ereignis dient als Beweis dafür, dass das Verbindende der Mittel- und Unterschichten schwerer wiegt als das Trennende. Die politische Kluft wäre so betrachtet größtenteils eine Konstruktion von oben.



Bleibt das letzte, bittere Kapitel: Dasjenige, das angebliche ausländische Parteienfinanzierung aus vergangenen Jahrzehnten hervorholt, um zu sagen, alle hätten von jemandem bezahlt bekommen. Und dasjenige, das ehrliche Politiker ihrer Ideologie wegen gegen die heutigen Zyniker stellt. Die Frage, die den gesamten Austausch überschwebt, hat keine einfache Antwort: Wenn die Arbeiterlinke nie regierte, wen hat man all diese Jahre wirklich gewählt? Mit diesen Zutaten hat der alte Wähler, der noch eine Entschuldigung der Partei erwartet, mehr Chancen, als Nostalgiker bezeichnet zu werden, als sie tatsächlich zu erhalten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (245 Antworten).

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