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Andalusien als Schmelztiegel: Japaner, Deutsche und Katalanen
1614 ließ sich eine japanische Gesandtschaft in Coria del Río nieder; heute tragen 700 Einwohner den Nachnamen Japón. Die Geschichte der Vermischung...
Andalusien, ein Schmelztiegel der Völker: Japaner, Deutsche und Katalanen
Im Jahr 1614 traf eine von dem Samurai Hasekura Tsunenaga geleitete japanische Gesandtschaft in Sevilla ein, um mit Philipp III. zu verhandeln. Das Scheitern der Gespräche führte dazu, dass die Mehrheit ihrer zweihundert Mitglieder in andalusischen Landen strandete. Sie ließen sich in Coria del Río nieder, heirateten Einheimische und heute tragen mehr als 700 der 31.000 Gemeindemitglieder den Nachnamen Japón. Dies ist kein Einzelfall: Mitte des 18. Jahrhunderts wurden etwa 6.000 deutsche und Schweizer Siedler angeworben, um die Sierra Morena und das Wüstengebiet von Écija wiederzubesiedeln, wobei sie La Carolina, La Carlota und La Luisiana gründeten. Die Mischung mit der einheimischen Bevölkerung war unvermeidlich, auch wenn die tatsächlichen Zahlen vom epischen Narrativ abweichen, das manchmal verkauft wird.
Die Keichō-Gesandtschaft: Vom Samurai zum Coriano
Die Ankunft der Keichō-Gesandtschaft in Sevilla im Jahr 1614 war kein Zufall. Japan hielt während der Edo-Zeit an einem Spannungsfeld zwischen Öffnung und Abschottung fest. Die Verbindungen der katholischen Kirche zum Land – Missionare wie Franz Xaver und Joan de Santa Marta – erleichterten den Kontakt. Sevilla war damals die Finanzhauptstadt des Habsburgerreiches, Sitz des Indias-Generalarchivs (Casa de Contratación) und auch der Inquisition. Nach dem Scheitern der Verhandlungen, verschärft durch die Hinrichtung des Missionars Joan de Santa Marta im Jahr 1618, entschied sich die Mehrheit der Japaner zu bleiben. Sie ließen sich in Coria del Río nieder, einer 1265 von 150 katalanischen Familien gegründeten Stadt. Der japanische Samen verbreitete sich: Heute ist der Nachname Japón in der Gegend üblich.
Deutsche Siedler in der Sierra Morena: Das ungesagte Fiasko
Mitte des 18. Jahrhunderts waren weite Teile Andalusiens noch entvölkert. Das Kolonisierungsprojekt, vorangetrieben von Pablo de Olavide und Antoni de Capmany und ausgeführt vom bayerischen Abenteurer Kaspar Thürriegel, zielte darauf ab, 1.500 katholische Bauernfamilien aus Deutschland zu bringen. Zwischen 1766 und 1769 wurden die Neusiedlungen gegründet. Die Realität war jedoch hart: Nach den verfügbaren Daten kamen etwa 6.000 Siedler, aber mehr als ein Drittel starb aufgrund der Bedingungen oder lokaler Angriffe, und die andere Hälfte wanderte nach Amerika aus. Die demografische Auswirkung war begrenzt, obwohl heute in einigen Gemeinden mitteleuropäische Merkmale wahrgenommen werden.
Der Mythos der Reinheit und die genetische Realität
Die Genetik Andalusiens ist vielfältig. Manche behaupten, dass die massive Einwanderung aus anderen spanischen Regionen die einheimischen Merkmale verwässert hat, während andere verteidigen, dass die Mischung mit Nordeuropäern alt ist. In Málaga beispielsweise gibt es eine bemerkenswerte Präsenz von hellen Augen und blondem Haar, die manche den deutschen Siedlern und anderen dem britischen Tourismus des 19. Jahrhunderts zuschreiben. Die Daten erlauben keine Verallgemeinerung: Die andalusische Bevölkerung ist das Ergebnis Jahrhunderte langer Migrationen, Invasionen und Ansiedlungen.
Die Debatte über die andalusische Identität
Die Diskussion führt oft zur Frage der Identität. Einige verteidigen, dass Andalusien die Essenz Spaniens sei und dass seine Sprache und Kultur grundlegend gewesen seien. Andere kritisieren den Zentralismus und die Stigmatisierung des Südens. Offizielle Zahlen zeigen, dass jeder vierte Spanier Andalusier ist und dass die Gemeinschaft trotz ihres kulturellen und natürlichen Reichtums eine der ärmsten bleibt. Die andalusische Migration nach Katalonien und Madrid war massiv und brachte Vorurteile und Kränkungen mit sich, die noch immer nachwirken.
Letztendlich ist die Geschichte Andalusiens die eines Territoriums, das Japaner, Deutsche, Katalanen und Afrikaner aufgenommen hat, aber weiterhin seinen Platz im nationalen Narrativ sucht. Die Nachnamen Japón in Coria oder die blonden Merkmale in Málaga sind nur die Spitze des Eisbergs einer Vermischung, die nicht immer anerkannt wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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