Abascals Französisch-Rede sorgt für Debatte

Der spanische Politiker Santiago Abascal hielt eine Rede auf Französisch bei einer Veranstaltung in Frankreich, was Applaus erntete, aber auch Online-Diskussionen über Sprachkenntnisse auslöste.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Abascals Französisch-Rede sorgt für Debatte
Abascals Französisch-Rede sorgt für Debatte

Ein spanischer Politiker trat in Frankreich ans Rednerpult, zog ein Papier hervor und las Sätze laut auf Französisch vor. Die Szene, die in den sozialen Medien weit verbreitet wurde, hat eine Diskussion ausgelöst, die weit über Akzente hinausgeht: Ist der Versuch genug, oder ist Lächerlichkeit unvermeidlich, wenn klar wird, dass der Text nur gelesen und nicht verstanden wird? Das Video kursiert mit dem Detail, dass das Publikum statt zu buhen, mit Applaus reagierte. Und genau dort beginnt der Ärger.

Das Erste, was auffällt, ist die Mechanik. Der Redner improvisiert nicht: Er liest ab. Und er liest schlecht, wie mehrere Berichte über den Vorfall bestätigen, weil der Text offenbar in korrektem Französisch geschrieben ist und nicht in Phonetik. Es ist der klassische Fehler von jemandem, der die Sprache nicht beherrscht und darauf vertraut, dass das Papier die Arbeit erledigt. „Je pregne, je biole“, fasste ein Kommentar spöttisch zusammen. Der Satz bedeutet nichts, aber er beschreibt die Methode.

Was genau bei der Veranstaltung passierte

Der Vorfall ereignete sich bei einer öffentlichen Veranstaltung in Frankreich, bei der das Publikum mit Jubelrufen antwortete. Es gibt keine offiziellen Daten zum Ereignis in den verfügbaren Materialien, aber eine konsistente Beschreibung: Der Protagonist liest vorbereitete Zeilen mit offensichtlichen Schwierigkeiten vor, und der Saal applaudiert. Diese Kombination – unbeholfenes Lesen plus Applaus – ist es, die die Kontroverse entfacht hat.

Die Reaktion ist nicht einheitlich. Einige vertreten die Ansicht, dass allein der Versuch, die Sprache des Gastlandes zu sprechen, eine Geste des Respekts und ein Zeichen von Mut sei. „Immerhin versucht er es“, fasst diese Strömung zusammen und erinnert daran, dass die Alternative – sich auf Spanisch an das Publikum zu wenden – schlimmer gewesen wäre. Dagegen steht die gegenteilige These: Wenn du abliest, übe vorher; wenn du es nicht kannst, stelle dich nicht bloß. Das Papier am Pult macht die Geste zur reinen Formalie.

Der Präzedenzfall, an den niemand erinnert werden möchte

Vergleiche mit anderen ähnlichen Episoden waren sofort vorhanden. Der Fall eines Bürgermeisters aus Sevilla, der eine Straße mit einer Rede in einer anderen Sprache einweihte und einen ebenso unbequemen Moment erlebte, wurde wieder ausgegraben. Auch ein ehemaliger Regierungschef, der bei einer Kundgebung Französisch stammelte, und ein anderer, der in einem französischen TV-Interview mit erkennbarem Akzent sprach, wurden erwähnt. Die Schlussfolgerung aus all diesen Fällen ist dieselbe: Spanische Politiker und Fremdsprachen sind ein Genre unfreiwilliger Komödie.

Es gibt eine Nuance, die man nicht außer Acht lassen sollte. Die Diskussion über das tatsächliche Niveau der spanischen Führungspersönlichkeiten in Fremdsprachen hat ihre eigene Hierarchie. Ein ehemaliger Abgeordneter wird als Beispiel für hohe Kompetenz angeführt, mit zweisprachiger Ausbildung und anerkannter Geläufigkeit, im Gegensatz zu anderen Fällen, in denen das Niveau bestenfalls fragwürdig ist. Der Vergleich schmerzt mehr, wenn der Maßstab von jemandem aus derselben Partei gesetzt wird.

Französisch wird nicht so gelesen, wie es geschrieben wird

Hier liegt der technische Kern der Sache. Französisch ist eine Sprache mit einer enormen Distanz zwischen Schreibweise und Aussprache. Einen Text laut vorzulesen, ohne ihn vorher geübt zu haben, ist eine Verurteilung zur Peinlichkeit, da das Gehirn von Muttersprachlern des Spanischen dazu neigt, die gesehenen Buchstaben auszusprechen. Ein halbwegs kompetenter Berater hätte die Sätze in spanische Phonetik transkribiert. Das tat er nicht. Oder man bat ihn nicht darum.

Dies ist wahrscheinlich die treffendste Kritik unter allen zirkulierenden: Das Versagen liegt nicht beim Redner, sondern bei demjenigen, der ihm das Skript vorbereitet hat. Ein korrekt geschriebener französischer Text, der jemandem vorgelegt wird, der die Sprache nicht spricht, ist eine Falle, keine Hilfe. Die Szene am Pult mit dem Blatt ist der visuelle Beweis dafür, dass niemand genug geprobt hat.

Der doppelte Maßstab

Der Vorfall diente auch dazu, etwas Unbequemeres deutlich zu machen: die Feststellung, dass Spott über fremde Akzente selektiv ist. Es wird argumentiert, dass kein Spanier über einen Ausländer lacht, der Mühe hat, Kastilisch zu sprechen, während der eigene Politiker, der in einer anderen Sprache Fehler macht, zum nationalen Meme wird. In diesem Sinne richtet sich die Kritik weniger gegen den Protagonisten als gegen das urteilende Publikum.

Parallel dazu hat die Szene die Diskussion über das Sprachniveau der politischen Klasse insgesamt wieder eröffnet. Die wiederholte Schlussfolgerung lautet, dass das Problem nicht auf eine bestimmte Partei beschränkt ist, sondern von einer ganzen Generation von Führungskräften stammt, die in einem System ausgebildet wurden, das nie echte sprachliche Kompetenz verlangte. Das am Pult gelesene Französisch ist nur das sichtbarste Symptom.

Wie viele von denen, die über fremde Akzente lachen, wären in der Lage, drei Sätze auf Französisch vorzulesen, ohne lächerlich zu wirken?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (125 Antworten).

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