385 Stimmen sollen entscheiden: Job kündigen mit 1,3 Millionen?

Mit 52 Jahren, 1,3 Millionen Euro Vermögen und 3.000 Euro netto im Monat hat ein Mann in seiner Umfrage 385 Stimmen gesammelt, um nach dem Tod seines Vaters zu entscheiden, ob er seinen Job aufgibt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

385 Stimmen sollen entscheiden: Job kündigen mit 1,3 Millionen?
385 Stimmen sollen entscheiden: Job kündigen mit 1,3 Millionen?

Ein 52-jähriger Mann, ledig, ohne Kinder und mit einem Nettovermögen von 1,3 Millionen Euro, traut sich seit Monaten nicht, eine Entscheidung zu treffen, die jeder Finanzberater an einem Nachmittag erledigen würde: ob er seinen Job aufgibt oder nicht. Er verdient 3.000 Euro netto im Monat, arbeitet fast vollständig im Homeoffice und hat gerade seinen Vater begraben, der bei ihm wohnte. Die Umfrage, die er eröffnet hat, um aus der Lähmung zu kommen, hat inzwischen 385 Stimmen gesammelt.

Der Fall hat ein Detail, das irritiert: Als er zum ersten Mal fragte, im September, riet ihm die Mehrheit, weiterzuarbeiten. Mit 52 Jahren und 1,3 Millionen Vermögen sagten ihm fast die Hälfte der Befragten, er solle durchhalten. Das überraschte ihn. "Das gibt mir zu denken", schrieb er.

Das Vermögen, Posten für Posten

Die Zahlen liegen auf dem Tisch und lassen wenig Raum für Diskussionen. 600.000 Euro in einem MSCI-ACWI-Indexfonds. Eine geerbte Wohnung aus den 60er Jahren, vermietet, die er auf 150.000 Euro schätzt. Ein Haus im Heimatdorf seiner Mutter in der nordspanischen Meseta, bewertet mit 50.000. Eine leere Garage im Wert von 20.000, die er verkaufen will. Und seine eigene Wohnung, über 100 Quadratmeter Nutzfläche, Baujahr 2005, die er auf 400.000 bis 500.000 Euro taxiert.

Sein Plan sieht vor, sich der Zweitimmobilien zu entledigen: "Wenn ich insgesamt 300.000 bekomme, bin ich rundum zufrieden." Damit käme er auf 900.000 Euro liquide Mittel plus die Wohnung, in der er lebt, an die er nicht herangehen soll.

Was kostet es, das Gehalt von 3.000 Euro zu ersetzen?

Der Job ist keine Hölle. Es ist Homeoffice, die Kollegen haben sein Beileid ausgesprochen, und sein Vorgesetzter rief an, um ihn ins Büro zum Essen einzuladen. Manche halten dieses Umfeld, mit 3.000 Euro netto im Monat, für eine privilegierte Position, die man mit 52 nicht zurückbekommt: Zwei oder drei Jahre aus dem Beruf auszusteigen schließt die Tür zur Rückkehr. Das vorsichtigste Szenario spricht davon, durchzuhalten bis 55 oder 56.

Auf der anderen Seite das Gegenargument: Mit den Jahren lässt die Gesundheit nach, und mit 65 kann man nicht mehr tun, was man heute tut. Ein in der Diskussion genannter Fall ist der von jemandem, der mit 59 aufhörte und zugibt, dass er früher hätte aufhören sollen.

Die Trauer, die in keine Tabellenkalkulation passt

Hier ist der Teil, der in keinem Finanzmodell auftaucht. Sein Vater starb am 10. Januar, und er beschreibt es als "den Boden, der sich unter den Füßen bewegt". Seine Mutter starb 2014 nach fast fünf Jahren Kampf gegen den Krebs. Zwischen 2016 und 2018 durchlitt er eine generalisierte Angststörung, die er selbst als "eine wahre Hölle" bezeichnet und aus der er mit psychiatrischer Hilfe herausfand. "Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde, so ist das Leben, aber ich weiß nicht, was mit mir passieren wird."

Die Angst hat Öffnungszeiten. Montage sind die schlimmsten Tage. Die Sonntage verbringt er "grübelnd" über die anstehenden Formalitäten: Notariate, die Eigentümergemeinschaft der vermieteten Wohnung. Samstags dagegen wacht er gut gelaunt auf. Und ein Datum ist rot markiert: der Freitag, an dem sein Vater 91 geworden wäre, sechs Tage nach dem Geburtstag, den seine Mutter gefeiert hätte.

Die Dividendenfrage

Ein guter Teil der Diskussion driftete in einen alten Streit der passiven Geldanlage ab: von Dividenden leben oder Anteile verkaufen. Das eine Lager vertritt die Ansicht, einen Teil des Portfolios zu verkaufen sei gleichbedeutend mit dem Erhalt einer Dividende, mit dem Vorteil, dass man den Zeitpunkt selbst bestimmt und steuerlich optimiert. Das andere warnt vor der psychologischen Komponente: In einem verlorenen Jahrzehnt ist es etwas anderes, Vermögen verkaufen zu müssen, um essen zu können. Und man erinnert daran, dass die Börse in den 70er Jahren dreizehn Jahre lang keine Wertsteigerung brachte.

Die vollständige Berechnung, wie viel man jedes Jahr entnehmen kann, ohne den Fonds aufzuzehren, mit ihren Inflations- und Renditeszenarien, ist der Teil der Sache, der am wenigsten Konsens findet.

Was die sagen, die es schon getan haben

Der am häufigsten gegebene Rat ist kein finanzieller, sondern einer zur Zeitwahl: Triff keine Entscheidungen mitten in der Trauer. Ein Jahr warten, zu 70 oder 100 Prozent da sein, und erst dann die Tabellenkalkulation ansehen. Andere verweisen auf Zwischenlösungen: Arbeitszeit reduzieren, Teilzeit oder sogar von einem anderen Landesteil aus im Homeoffice arbeiten, ohne das Einkommen zu verlieren.

Und dann ist da noch die Frage, die er sich selbst stellt und die keine Umfrage beantwortet: Was macht er mit seinen Tagen? Seine Antwort, wenn man sie ihm abverlangt: essen, schlafen, Musik hören, dazu tanzen und singen, Sport treiben, über Ökonomie, Investieren, Soziologie, Evolution, Geopolitik, Geschichte und Psychologie lesen.

385 Stimmen später ist die Umfrage noch offen. Er geht weiterhin zur Arbeit. Wie viele Stimmen braucht es, um über ein Leben zu entscheiden?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1203 Antworten).

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