300.000 Euro: Diversifikation allein reicht nicht
Eine Erbschaft von 300.000 Euro zu erhalten, ohne sie dringend ausgeben zu müssen, ist eine beneidenswerte Position. Sie ist auch eine Falle. Stillliegendes Geld verliert an Wert, falsch angelegtes Geld verliert ihn schneller. Die Frage, mit der jede Unterhaltung über die Anlage dieser Summe beginnt, lautet nicht, wie viel man gewinnen kann, sondern wie viel man bereit ist zu verlieren, ohne dass der Traum darunter leidet. Und da gehen die Antworten auseinander.
Indexierung als Basis: S&P 500 und regelmäßige Einzahlungen
Die stärkste Strömung in jeder Diskussion über langfristiges Investieren ist das passive Management. Ein Indexfonds auf den S&P 500 mit niedrigen Gebühren und gestaffelten Einzahlungen ist die Empfehlung, die immer wieder auftaucht. Das Argument ist nicht neu, aber es hält stand: Die meisten aktiven Fondsmanager schlagen den Index über lange Zeiträume nicht konsequent. Die oft zitierte Anekdote ist die Anweisung, die Warren Buffett für seine Frau hinterließ: 90 % der Erbschaft in einen ETF, der den S&P 500 abbildet.
Der Haken liegt im Wann. 300.000 Euro auf einmal in Aktien zu stecken, während die Indizes auf Rekordhöhen notieren, ist ein Glücksspiel. Die Alternative, die zunehmend Anhänger findet, ist der Dollar Cost Averaging: den Einstieg über sechs oder zwölf Monate, oder sogar drei Jahre, in Tranchen verteilen, um das Risiko zu streuen, zum schlechtesten Zeitpunkt zu kaufen. Nach einer Berechnung, die in der Diskussion kursiert, sind annualisierte Renditen von 5 % bis 10 % für diversifizierte Portfolios im Gespräch, aber niemand garantiert, dass die nächsten drei Jahre den vorherigen ähneln.
Das klassische Portfolio: Aktien, Mischfonds und Renten
Ein anderer Ansatz teilt das Kapital in zehn Teile und verteilt sie auf Fonds mit Fünf-Sterne-Bewertung: fünf auf Aktien, drei auf Mischfonds, zwei auf Renten. Die Logik: Aktien bringen langfristig mehr Rendite, können aber schlecht getimt sein, Mischfonds dämpfen, und Renten sorgen – wenn die Laufzeit nicht zu lang ist – für Stabilität. Das Problem: Auch Anleihen werden teuer gekauft, wenn die Zinsen niedrig sind, und ein Rentenportfolio mit langer Laufzeit kann Geld verlieren, wenn die Zinsen steigen.
Die Kritik an Fonds lässt nicht lange auf sich warten. Gebühren fressen einen Teil der Rendite, und viele Produkte schlagen keinen günstigen Index. Manche meinen, nur Fonds mit einer annualisierten Rendite von über 7 % über zehn Jahre seien es wert, und davon gibt es wenige. Die praktische Schlussfolgerung: Das Vehikel ist weniger wichtig als Kosten und Disziplin.
Immobilien und Gold: sichere Häfen mit Kleingedrucktem
Die Versuchung Immobilien zieht sich durch die ganze Diskussion. Günstige Wohnungen zu kaufen und zu vermieten klingt nach sicherem Geschäft, bis man das Kleingedruckte liest: Steuern, Grundsteuer (IBI), Eigentümergemeinschaft, Sonderumlagen, Instandhaltung, Versicherungen und das Ausfallrisiko der Mieter. In Top-Lagen verwässert sich die Mietrendite; in Vierteln mit niedrigen Preisen wachsen das Risiko von Verwahrlosung und Konflikten mit Mietern. Immobilien sind kein passives Asset, sie sind ein zweiter Job.
Physisches Gold erscheint als Versicherung gegen Inflation und gegen das, was als monetäres Chaos wahrgenommen wird. Der Vorschlag: Barren an mehreren Orten lagern und nicht anfassen. Als Absicherung ergibt das Sinn, nicht als Renditemotor: Das Metall zahlt weder Zinsen noch Dividenden, und sein Preis hängt davon ab, dass jemand anderes bereit ist, mehr zu zahlen. Wer es als Zuflucht kauft, akzeptiert, dass seine Funktion Bewahren ist, nicht Vervielfachen.
Die Option, nichts zu tun (oder fast nichts)
Es gibt eine Strömung, die allem misstraut. Tagesgelder verzinsen sich nicht, Aktien sind teuer, Anleihen sind teuer, und Immobilien können zur Belastung werden. Von diesem Standpunkt aus lautet die Empfehlung: Liquidität halten und auf eine Korrektur warten, um dann kräftig einzusteigen. Das ist eine gültige Strategie, wenn man den Magen hat zu warten und die Inflation das Geld in der Zwischenzeit nicht auffrisst. Das Problem: Niemand weiß, wann diese Korrektur kommt und wie lange sie dauert.
Die am wenigsten finanzielle Alternative ist für manche die lukrativste: einen Teil des Geldes ausgeben, um besser zu leben, für Bildung oder für ein eigenes Geschäft. Das ist keine Stammtisch-Idee. Eine Zusatzrendite von 2 % pro Jahr gleicht zehn Jahre Angst nicht aus, wenn das Portfolio den Schlaf raubt. Die Investition mit der höchsten erwarteten Rendite ist manchmal die, die in keinem Prospekt steht.
Bei 300.000 Euro lautet die Frage nicht, was der cleverste Investor tun würde, sondern welches Portfolio einen nachts schlafen lässt. Die Antwort hängt vom jeweiligen Risikoappetit ab. Und genau das ist die Variable, die kein Indexfonds abbilden kann.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (36 Antworten).