Zug-Verschwörung: Thermit, Sabotage und die 666 zwischen Adamuz und Gelida

Der Zugunfall von Adamuz in Spanien befeuert die Sabotage-Theorie: Thermit auf den Gleisen, ein 45 Sekunden lang entgleister Zug und die 666 zwischen Adamuz und Gelida.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Adamuz nach Gelida: Die 666, die die Sabotage-Theorie befeuert

Ein Personenzug, der 45 Sekunden lang entgleist fährt, ohne dass es jemandem auffällt. Ein hinterer Wagen, der auf das Gegengleis gerät. Ein Alvia-Zug, der mit mehr als 200 km/h in ihn hineinfährt und den ersten um mehrere Dutzend Meter verschiebt. Und im Hintergrund eine Zahl, die Adamuz von Gelida trennt: 666 Kilometer. Für einen Teil der Leser, die den Fall verfolgen, ist das kein Zufall. Es ist eine Signatur.

Der Unfall von Adamuz, der laut kursierenden Daten zur selben Stunde und am selben Tag wie der von Pontevedra 1969 geschah, hat eine Akte wieder geöffnet, die nie ganz geschlossen wurde: die erste Kollision zwischen einem Alvia und einem Iryo, über die neun Monate später nichts aufgeklärt ist. Die Sabotage-Hypothese, die seinerzeit als Internet-Wahn abgetan wurde, kommt bei jedem neuen Vorfall wieder auf den Tisch. Und davon gab es in den letzten Monaten einige: Girona, Barcelona, Cartagena, Asturien, eine brennende Straßenbahn an der Avenida de Tarongers.

Was in Adamuz wirklich geschah

Die meist wiederholte technische Version beschreibt eine vorausgegangene Entgleisung. Zwei Wagen am hinteren Teil eines Zuges geraten aus dem Gleis und dringen auf das Gegengleis. Der andere Zug, der mit mehr als 200 km/h unterwegs ist, trifft frontal auf diese beiden Wagen in seiner Fahrspur. Das Ergebnis ist ein brutaler Aufprall auf den vorderen Teil des ersten Zuges. Die Trägheit erledigt den Rest: Der auffahrende Zug verschiebt den anderen um mehrere Dutzend Meter.

Bis hierhin stimmt die Physik. Das Problem ist das Video. In den kursierenden Aufnahmen fährt der Zug, der zuerst passiert, mit Funken unten, auf Höhe der Räder und Schwellen, nicht des Stromabnehmers. Und zwar, laut der verwendeten Chronologie, 45 Sekunden vor der Kollision. Die Frage, die niemand mit Daten beantwortet, ist, wie ein 200 Tonnen schwerer Zug so lange entgleist fahren kann, ohne dass der Lokführer es merkt. Oder ob er es merkte und nichts tun konnte.

Manche behaupten, der Iryo sei nicht direkt auf den Alvia getroffen, sondern der Alvia selbst sei entgleist, als er auf die durch die frühere Passage des Iryo aufgewühlte Infrastruktur stieß. Das heißt: Es gab keine Kollision zwischen Zügen, sondern zwischen einem Zug und den Folgen der Entgleisung eines anderen. Die Theorie passt zu den scheinbar leichten Schäden des Iryo, der seitliche Schrammen statt eines Frontalaufpralls zeigt. Und sie öffnet die Tür zur unbequemen Frage: Was hat das Gleis aufgewühlt?

Thermit und die Gleisschweißungen

Hier kommt das Material ins Spiel, das zum Schweißen der Schienen verwendet wird. Thermit, eine Mischung aus Eisenoxid und Aluminium, die extreme Temperaturen erreicht, ist die Standardmethode zum Verbinden von Gleisabschnitten. Jeder mit Zugang zu dieser Mischung und Grundkenntnissen könnte theoretisch eine Schweißnaht so manipulieren, dass sie im richtigen Moment nachgibt. Die Hypothese, die nach einem Film klingt, hat ein Problem: Sie erfordert Zugang zum Gleis, technisches Wissen und eine Planung, die Spuren hinterlässt.

Aber sie hat auch einen unerwarteten Fürsprecher: die Tatsache, dass die Lokomotive des Alvia verschrottet und zu einem Schrottplatz gebracht wurde, obwohl es praktisch keine Fotos davon gibt. Für einen Teil der Fallverfolger ist das kein übliches Verfahren. Das ist Vertuschung. Die offizielle Version sagt, die Leichen seien bereits geborgen gewesen und die Verschrottung sei notwendig gewesen, um den Betrieb wieder aufzunehmen. Die Verschwörungsversion sagt, das Schlüsselteil des Puzzles wurde zerstört, bevor es jemand untersuchen konnte.

Die 666, die gleiche Stunde und der gleiche Tag wie in Pontevedra

Die numerische Übereinstimmung ist die Art von Detail, die aus einem Unfall ein Mysterium macht. Die Entfernung zwischen Adamuz und Gelida beträgt 666 Kilometer. Der Unfall von Adamuz ereignete sich zur selben Stunde und am selben Tag wie der von Pontevedra 1969. Und in der kollektiven Vorstellung hat die 666 eine Bedeutung, die keiner Erklärung bedarf. Für Skeptiker ist es Apophänie: Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, Muster zu finden, wo nur Rauschen ist. Für Gläubige ist es der Beweis, dass jemand Brotkrumen hinterlässt.

Die Frage, die in der Luft hängt, ist: wer. Und hier verzweigen sich die Theorien. Manche verweisen auf interne Sabotage mit Hilfe notwendiger Kollaborateure, jemanden mit großer Macht, der daran interessiert ist, Spanien zu destabilisieren. Manche sehen in der FITUR-Woche, dem weltweiten Schaufenster des Tourismus, den Hintergrund für eine False-Flag-Operation. Und manche glauben schlicht, dass die spanische Bahninfrastruktur zerfällt und die Unfälle die logische Folge jahrelanger Unterinvestition sind.

Der Verfall des Bahnnetzes

Die Verfallsthese ist keine Verschwörungstheorie. Sie ist die langweiligste und erzeugt deshalb die wenigsten Schlagzeilen. Vielfahrer beschreiben eine Realität, die in den offiziellen Berichten nicht vorkommt: abgeblätterter Lack in den Wagen, kaputte Toiletten, Schmutz innen und außen. Der spanische Hochgeschwindigkeitsverkehr erlaubt 300 km/h, aber diese Geschwindigkeit nützt nichts, wenn die Gleise brechen. Der Abschnitt zwischen Madrid und Calatayud wurde nach den letzten Vorfällen bereits verlangsamt.

Das Problem ist, dass der Verfall allein eine Entgleisung mit 45 Sekunden Spielraum nicht erklärt. Ebenso wenig, warum die Lokomotive des Alvia ohne fotografische Spur verschwand. Ebenso wenig die 666. Aber er erklärt das Nährboden: ein Netz, das mit Nadeln zusammengehalten wird, angezweifelte Sicherheitsprotokolle und eine Bevölkerung, die das Vertrauen in die offiziellen Erklärungen verloren hat.

Die Untersuchung, die nie abgeschlossen wurde

Neun Monate nach dem ersten Unfall gibt es keine Schlussfolgerungen. Die Blackboxen der Züge sagen, dass die Entgleisung 15 Sekunden dauerte und der Lokführer es nicht bemerkte. Die Ermittler haben keinen abschließenden Bericht veröffentlicht. Und währenddessen reißen die Unfälle nicht ab: Girona, Barcelona, Cartagena, Asturien. Jeder mit seiner eigenen offiziellen Erklärung. Jeder mit seinem eigenen Zufall.

Die Sabotage-Hypothese bleibt offen. Nicht wegen Beweisen, sondern weil es keine Erklärung gibt, die den Fall schließt. Und in diesem Vakuum wachsen die Theorien. Die Frage ist nicht, ob es eine Verschwörung gibt. Die Frage ist, wie viel von dem, was passiert, auf Inkompetenz zurückgeht, wie viel auf den Verfall und wie viel auf etwas, das niemand aussprechen will.



Die Zahl, die Adamuz von Gelida trennt, ist eine 666. Wer sie nicht sieht, soll es bei Google Maps nachschlagen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (216 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver