Zehn tägliche Flüge aus Kolumbien: So strömt Migration nach Spanien

Zehn tägliche Flüge mit Kolumbien und fünf mit Argentinien: Die Luftbrücke der lateinamerikanischen Immigration kollidiert in Spanien mit einem prekären Arbeitsmarkt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zehn tägliche Flüge aus Kolumbien: So strömt Migration nach Spanien
Zehn tägliche Flüge aus Kolumbien: Die Migrationskarte

Warum wird die einzige Bar eines navarrischen Dorfes mit 22 Einwohnern von jemandem betrieben, der 9.000 Kilometer entfernt geboren wurde? Eine vollständige Antwort gibt es nicht, aber eine Spur aus Daten: Flüge, Melderegister, Gehaltsabrechnungen und eine wirtschaftliche Debatte, die seit mehr als zwei Jahren an Intensität zunimmt. Was als Anekdote begann, ist zu einer Diskussion über Visa, Beschäftigung und öffentliche Ausgaben geworden, die man nicht mehr mit einem Achselzucken abtun kann.

Der Luftverkehr als Indikator für die Zuwanderung

Der am häufigsten zitierte Indikator ist das Routennetz. Zwischen Spanien und Kolumbien verkehren zehn tägliche Hin- und Rückflüge: sieben zwischen Bogotá und Madrid, einer zwischen Bogotá und Barcelona, einer zwischen Medellín und Madrid und einer zwischen Cali und Madrid. Mit Mexiko fliegen ebenfalls zehn pro Tag. Argentinien und Chile steuern jeweils fünf bei, Peru drei, Venezuela zwei und Ecuador – kurioserweise – nur einen.

Diese letzte Zahl verwundert. Wenn Hunderttausende Ecuadorianer in Spanien leben, warum gibt es dann nur eine tägliche Verbindung? Die plausibelste Erklärung ist die Umleitung: Ein Großteil des andinen Transitverkehrs läuft über Mexiko oder Panama, was die Zählung nach Herkunftsland verwischt.

Keine dieser Zahlen beweist, wer mit Touristenvisum reist und wer bleibt. Sie zeigen etwas anderes: die enorme Passagierkapazität des Flughafens Barajas. Und diese Kapazität ist heute gewaltig.

Von der Retiro-Anekdote zur Theke in Roncesvalles

Vor dreißig Jahren konzentrierte sich die lateinamerikanische Präsenz in Spanien auf vier städtische Parks und sonst wenig. Das aktuelle Muster ist anders: Parks in Gemeinden mit 20.000 Einwohnern in Provinzen wie Cuenca, nördliche Regionen, deren nächstgrößere Stadt 100 Kilometer entfernt liegt, und mittelgroße Städte mit 100.000 Einwohnern, wo es vor zehn Jahren kaum Immigration gab.

Der oft zitierte Fall wirkt fast komisch. Laut dem Melderegister von 2019 hatte Roncesvalles 10 Männer und 12 Frauen. In einer der beiden Bars hinter der Theke bedient eine Person andiner Herkunft. Und dies ist nicht der einzige solche Datenpunkt: Manche behaupten, dass der Anteil der ausländischen Bevölkerung in bestimmten Gebieten bereits 20 % erreicht, obwohl diese Zahl ohne gesicherte statistische Grundlage kursiert.

Die unbequeme Frage lautet nicht, wie viele kommen. Sondern warum ein Dorf mit 22 gemeldeten Einwohnern jemanden von außerhalb einstellen muss, um Kaffee zu servieren. Die Antwort ist wieder einmal ökonomischer Natur.

Wer deckt die Jobs ab, die niemand will?

Hier liegt der Kern. Gastronomie, Altenpflege, Reinigung, Bauwesen und Lieferdienste. Sektoren mit niedrigen Löhnen, gebrochenen Dienstplänen und hoher Fluktuation. Der in der Debatte am häufigsten genannte Fall ist der einer Hausangestellten, die für 1.000 Euro im Monat sechs Kinder betreut, kocht und putzt – zwei Jahre lang –, bis die Familie entschied, dass es billiger sei, jemanden ohne Papiere und ohne Sozialversicherungsbeiträge einzustellen.

Dieser Bericht stellt die Frage umgekehrt wie üblich: Ist das Problem der Ankömmling oder der Arbeitgeber, der unter Tarif zahlt? Auch die andere Seite taucht auf und ist nicht geringfügig: kolumbianische und venezolanische Zahnärztinnen in Stadtteilpraxen, deren Behandlung von einigen Nutzern besser bewertet wird als die lokaler Fachkräfte. Qualifizierte Immigration existiert ebenfalls.

Unbequeme Schlussfolgerung für alle: Der spanische Arbeitsmarkt zieht Immigration an, weil er seine Prekarität nicht gelöst hat.

Der politische Puls: Hispanismus, PP und Vox

Auf politischer Ebene hat sich die Debatte neu geordnet. Eine Strömung argumentiert, dass PP und Vox um eine Erzählung der „legalen Immigration“ konkurrieren, die auf dem lateinamerikanischen Migranten basiert – gehorsam, konsumfreudig und mit geringeren Arbeitsansprüchen –, während die Linke eher mit afrikanischer Immigration assoziiert wird. Eine andere Strömung liest dies als rein wirtschaftliches Interesse: verfügbare Arbeitskräfte zur Lohnkontrolle.

Das Ereignis, das die Sache wieder entfachte, war der Austausch von Erklärungen mit dem argentinischen Präsidenten, in einem Kontext, in dem seinem Land 19.000.000 Menschen in Armut zugeschrieben werden. Diese Zahl ist eine politische Anschuldigung, kein hier verifizierter Datenpunkt, und sollte entsprechend behandelt werden.

Es gibt auch eine symbolische Ebene: Wer repräsentiert den Hispanismus? Es wird argumentiert, dass die ursprüngliche Idee den Mestizaje (Vermischung) in Amerika predigte, nicht die Umsiedlung eines halben Kontinents auf die Iberische Halbinsel.

Die fiskalische Rechnung: Behauptetes vs. Belegtes

Hier ist Vorsicht geboten. Es wird behauptet, dass Zugang zu Gesundheitsversorgung und Schulen ohne Beitragszahlung bestehe, dass die Staatsbürgerschaft auf umstrittenen Wegen erlangt werde und dass Hilfen bezogen würden, ohne Beiträge zu leisten. Dies sind wiederholte Aussagen, die auf persönlichen Erfahrungen basieren, und keine davon wird von offiziellen Zahlen begleitet im verfügbaren Material.

Das macht sie weder falsch noch wahr. Es lässt sie im Bereich des Unbewiesenen, genau dort, wo sie bleiben sollten, bis jemand die Aufschlüsselung veröffentlicht.

Wer vertritt welche Position?

Eine Seite fordert strengere Visabestimmungen und die Schließung irregulärer Einreisewege. Eine andere weist darauf hin, dass ohne Immigration kein demografischer Ersatz möglich ist in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit und eingebrochener Geburtenrate; die Paradoxie, junge Arbeitskräfte in einem Markt mit hoher Arbeitslosigkeit zu fordern, ist real und ungelöst. Eine dritte Strömung – zahlenmäßig klein, inhaltlich explizit – deutet darauf hin, dass das Problem nicht die Nationalität der Ankömmlinge ist, sondern wer vom Kontrollverlust profitiert.

Unterdessen füllte sich das IFEMA in Madrid an einem Sonntag, um bei den kolumbianischen Auslandswahlen abzustimmen. Die Diaspora wählt jetzt hier.

Und in Guanoza klärt sich übrigens immer noch nicht die Frage der Bewohnerbezeichnung. Die spanische Bürokratie ebenso wenig.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (852 Antworten).

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