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Zar Nikolaus II und die offene Rechnung von 1918
Nikolaus II war weder ein Völkermörder noch ein Märtyrer: elf Leichen in Jekaterinburg und jahrzehntelange offizielle Lügen prägen die Debatte um 1918.
Nikolaus II: Ein monumentaler Versager, der sein eigenes Todesurteil unterschrieb
Zar Nikolaus II war kein Völkermörder vom Schlage Stalins, aber auch kein Märtyrer. Er war ein unfähiger Herrscher über ein zerfallendes Imperium, das Russland in den Ersten Weltkrieg führte und schließlich zusammenbrach. Die Hinrichtung der Familie Romanow im Jahr 1918 war keine gerechte Vollstreckung, sondern eine schlampige, versteckte Erschießung, die jahrzehntelang durch offizielle Lügen vertuscht wurde. Diese Spannung bestimmt jede ernsthafte Diskussion des Themas.
War es eine Justizvollstreckung oder ein ideologischer Lynchmord?
Die klassische Rechtfertigung der Erschießung beruft sich auf europäische Präzedenzfälle: Holland im 17. Jahrhundert, England 1649, Frankreich 1793 und Russland 1917. Das Argument lautet, dass westliche Nationen ihre Verbrecher korrekt hinrichten. Das Problem liegt jedoch darin, dieses Schema ohne Nuancen anzuwenden. In Wirklichkeit handelte es sich in Jekaterinburg nicht um einen rechtsstaatlichen Prozess, sondern um eine nächtliche Erschießung mit verschwundenen Leichen und einer jahrzehntelang aufrechterhaltenen offiziellen Lüge.
Und es fielen nicht nur Zar und Zarin. Elf Leichen, elf: Alexej war dreizehn Jahre alt und litt an Hämophilie, die vier Großfürstinnen waren Anfang Zwanzig, und darunter befanden sich auch der Arzt Botkin, die Zofe Demidowa, der Koch Charitonow und der Kammerdiener Trupp. Der abgesetzte Zar hatte selbst in seinem Haus keine Macht mehr. Die Behauptung, er habe „hunderte getötet“, ist sektiererische Polemik.
Der Russisch-Japanische Krieg, an den sich kaum jemand erinnert
Der nützlichste Kontext ist das Vorspiel: die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg von 1905, die das Regime schwächte und die Rüstungsindustrie vorwegnahm, die später im Ersten Weltkrieg explodierte. Der Zar entging jener Revolution nur knapp. Er verkannte die Realität, unternahm keine ernsthaften Reformen und stürzte das Land in den Ersten Weltkrieg, was seinen Untergang besiegelte. Es bedarf eines katastrophalen Herrschers, um in einem traditionell fügsamen russischen Volk eine Revolution auszulösen.
Kommunismus als Strafe und technischer Fortschritt als Vorwand
Unter Stalin herrschte größere Hungersnot als unter dem Zaren, und jeder Fehler Nikolaus’ II. war im Vergleich zum Alltag in der UdSSR banal. Man denke an den Holodomor, die Säuberungen und Katyn. Das sowjetische Regime tötete Millionen, was nicht durch Erfolge wie Sputnik übertüncht werden kann, als könnten Satelliten Menschen ernähren.
Die bleibende Frage ist, inwieweit der technologische Fortschritt der Sowjets dem Regime oder eher der Kultur der Menschen zu verdanken ist und ob er Millionen Tote rechtfertigt. Das Gute vom Schlechten zu trennen, war unmöglich, doch das verwandelt die Erschießung von elf Menschen nicht in eine revolutionäre Postkarte.
Das Narrativ, das Historiker spaltet
Wenn Zahlen nicht passen, wird der Fokus verschoben und Gegnern Voreingenommenheit vorgeworfen. Diese Taktik ist alt: Jede Quelle, die nicht die Sowjetische Enzyklopädie ist, gilt als verdächtig, und wer Verbrechen meldet, wird zum Beschuldigten. Im Absatz finden sich keine Daten – keine Zahlen, Archive oder Datumsangaben.
Die Prognose, mit Vorbehalt: Solange das Thema als parteipolitisches Narrativ behandelt wird, kommt die Diskussion nicht voran. Die Daten sind vorhanden, aber niemand will sie betrachten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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