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Wie Spanien ein Jahrhundert lang sein Kunsterbe verschleuderte
Von der Desamortisation Mendizábals bis zum Franquismus: Retabel, Bücher und sogar ein Fragment der Alhambra verließen Spanien mit Genehmigung und Käufer.
Ein Jahrhundert lang spanische Kunst ins Ausland verschleudert
In Berlin steht ein Fragment der Alhambra. Und in Toledo gab es Läden, in denen der Kunde eine Seite eines gregorianischen Chorbuchs aussuchte und sie sich mit dem Messer herausschneiden ließ. Die unbequeme Paradoxie lautet: Die größte Ausblutung des spanischen Kulturerbes vollzog keine Invasionsarmee, sondern die eigenen Verwaltungen über Jahrzehnte hinweg – mit Käufern, die Devisen in der Tasche hatten.
Drei Verkaufszyklen, nicht einer
Die meist erzählte Version verortet die Verwüstung im Bürgerkrieg und in der Verbrennung von Klöstern. Die dokumentarische Überlieferung deutet auf etwas Längeres und weit weniger Episches hin. Seit der Desamortisation Mendizábals (der Enteignung von Kirchengut in Spanien im 19. Jahrhundert) gelangten Kirchengüter zu Schleuderpreisen in private Hände, und ein großer Teil wurde außerhalb Spaniens weiterverkauft. Danach festigten die Restaurationszeit und die Diktatur Primo de Riveras einen stabilen Exportmarkt – wie behauptet wird, mit Duldung der kirchlichen Behörden. Im Franquismus lief der Kreislauf reibungslos weiter: Der als Erik der Schöne bekannte Kunstdieb brauchte kaum zu stehlen, weil die Institutionen selbst Geschäfte zu moderaten Preisen abschlossen.
Was nicht mehr da ist und wofür sich niemand interessiert
Gemälde, Skulpturen, Altäre, Reliquiare, Apsiden und ganze Wandmalereien. Die Liste ist endlos und lässt sich in den Museen nachverfolgen, die die Stücke heute ausstellen. Gegen diese These betont eine andere Strömung das Unermessliche dessen, was ab 1936 zerstört wurde, und erinnert daran, dass die Frente Popular (Volksfront) so kurz regierte, dass ihr kaum Zeit dafür blieb. Eine dritte Lesart warnt vor einem Begriffsfehler: Im 19. Jahrhundert bedeuteten links und rechts nicht das, was sie heute bedeuten, und die Karlistenkriege wurden von Konservativen gespeist, die gerade wegen der Desamortisation aufeinandertrafen.
Wie viele spanische Werke hängen heute in ausländischen Museen, ohne dass je jemand etwas zurückgefordert hätte?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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