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Wie die Validierung disruptiver Proteste den öffentlichen Diskurs in Spanien verändert
Eine Analyse darüber, wie die Validierung bestimmter Protestformen den öffentlichen Diskurs in Spanien verändert hat. Erfahren Sie, warum die politische Mitte kein sicherer Hafen mehr ist.
Die Beschreibung des Endes eines sozialliberalen Konsenses in Spanien spiegelt einen tiefgreifenden Wandel im öffentlichen Diskurs wider, in dem die Validierung disruptiver Protestformen das politische Spielfeld verändert hat. Diese Dynamik deutet darauf hin, dass die politische Mitte, einst Zuflucht der Mäßigung, unbrauchbar geworden ist.
Die Diagnose vom Ende einer Epoche in Spanien ist keine Prophezeiung mehr, sondern eine Beschreibung der Gegenwart. Es gibt jenes Land nicht mehr, in dem man sonntagmorgens im lila Real-Madrid-Trainingsanzug das Auto wusch, während die **Canal Plus**-Melodie lief. Jenes Fernseh-Ökosystem, mit dem englischen Akzent von **Robinson** vor dem Spiel und dem Ohrwurm von **Terminator**, ist durch eine viel rauere Realität ersetzt worden. Der Nachbar, der am Tag vor der Wahl zwischen **PP** und **PSOE** schwankte und mit seiner Stimme Ministerpräsidenten entschied, ist heute eine aussterbende Figur. Jene Welt des gemütlichen Sozialliberalismus ist verschwunden.
## Die Validierung des Undenkbaren und die Rückkehr des Pendels
Die Mechanik dieses Wandels ist nicht geheimnisvoll, sie ist Physik. Jahrzehntelang wurde der Rahmen des Sagbaren verschoben, indem Dinge validiert wurden, die zuvor undenkbar waren. Man validierte den Escrache (Proteste vor den Wohnungen von Politikern) als eine Art demokratischen Sirup. Man validierte die Belagerung des **Congreso**. Man validierte, dass ein Minister einem einfachen Bürger von seinem **Twitter**-Konto aus mit einem Ausrutscher antwortete. Jetzt, wo dieselben Werkzeuge gegen diejenigen eingesetzt werden, die sie gefördert haben, wird die Verteidigung der Demokratie beschworen. Sie haben das Fenster verschoben, und jetzt können sie es nicht mehr schließen.
Die Physik ist exakt. Ein Pendel schwingt auf der anderen Seite genau bis zu der Höhe aus, aus der es losgelassen wurde. Alles, was nach links geschoben wurde, kommt von rechts zurück. Und in der Mitte, wo manche es zum Stehen bringen möchten, wird es nicht anhalten. Die Warnung gab es schon **2017**: Vorsicht mit dem Pendel, denn danach kommt das Geheule.
## Die Entkomplexifizierung und die Generation ohne Nostalgie
Es heißt Entkomplexifizierung. Ein Phänomen, das **Aparachiqui** und **Jorge S. Miguel** in ihrem Buch *Extremo Centro* treffend behandelten. Die Dynamik ist einfach: Wenn du mich Faschist nennst und gern den Scheinbürgerkrieg spielst, dann spielen wir eben mit. Und dann kommen Sprüche wie „Peseten und Straßengräben“ oder „zu wenig“ im Zusammenhang mit Erschossenen. Das ist die Logik der Eskalation.
Die jungen Menschen, die heute zwanzig sind, wurden nicht in die Welt von **Canal Plus** hineingeboren. Sie wurden unter **ZP** geboren. Sie waren Kinder beim **15M**, ihre Schulen wurden wegen **Elbichito** geschlossen und sie durften nicht in den Park. Seit einem Jahrzehnt hören sie im Unterricht, dass der Verfall ihres Viertels Kosmopolitismus und Integration sei, dass das Auto zum Besuch der Großmutter ein Klimaverbrechen sei und dass ihr Vater ein mutmaßlicher Gewalttäter sei. Diese Generation hat nichts, woran sie sich zurücksehnen könnte.
## Mäßigung als Privileg und die Zukunft des Fensters
Von einem **20-Jährigen** kann man keine Mäßigung verlangen. Mäßig ist, wer etwas zu verlieren hat. Wer Gehalt, Wohnung, Hypothek und Kinder in der Schule hat, kann es sich leisten, maßvoll zu sein. Aber einem Burschen, dem man ins Gesicht gesagt hat, dass er sich keine Wohnung leisten können wird, dass sozialer Wohnungsbau (VPO) für ihn etwas für Faschisten sei, der hunderte Euro für eine Bruchbude zahlt und der Faschist genannt wird, wenn er sich beschwert – dem kann man das Recht, wütend zu sein, nicht nehmen.
Die Generation, die all das mit ansah und dabei **La Sens** schaute und **El País** las, trägt ihre Verantwortung. Sie schwieg den demokratischen Sirup tot, um nicht als Faschist zu gelten. Sie sah weg, als **Arrimadas** beim Pride mit Urin übergossen wurde, als die schwangere **Villacís** escrached wurde oder als **Cristina Cifuentes** vor den Augen ihres Sohnes umzingelt und angespuckt wurde. Was heute ist, haben wir selbst gemacht, mit unserem Elend und unseren Ängsten. Diese Jungen ohne Mäßigung sind die Generation, die dieses Land aus dem Schlamm ziehen wird, in **Paiporta** und überall, und sie wird es mit einem Fenster tun, das sie nicht geöffnet haben, das sie aber nutzen werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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