Westen erlaubt Ukraine Angriffe auf russisches Boden

USA, Deutschland, Norwegen und Dänemark gestatten der Ukraine den Einsatz westlicher Waffen gegen Russland. Moskau droht mit Aufrüstung im Jemen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Westen erlaubt Ukraine Angriffe auf russisches Boden
Der Westen lockert die Regeln: Ukraine darf jetzt russisches Territorium treffen

Was ändert sich, wenn die Ukraine westliche Raketen auf russisches Gebiet abfeuern darf? Auf dem Papier fast nichts: Kiew nutzte seit Monaten Drohnen und eigene Waffen für Angriffe jenseits der Grenze. In der Praxis beseitigt die in den letzten Stunden von den USA, Deutschland, Norwegen und Dänemark erteilte Genehmigung die letzte formale Unklarheit des Krieges. Die ukrainische Armee kann NATO-Material gegen russische Truppen einsetzen, die die Region Charkiw angreifen «oder sich darauf vorbereiten», wie die Regierung Biden bestätigte. Bundeskanzler Merz fasste es zusammen: «Es gibt keine Grenzen mehr für die Reichweite der gelieferten Waffen, ob britisch, französisch, unsere oder amerikanische».

Die russische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Laut Botschaften prorussischer Kanäle drohte Moskau an, ähnliche Waffen an Konfliktherde zu liefern, um westliche Vermögenswerte der Länder zu treffen, die die Ukraine bewaffnen. Der Hinweis richtet sich direkt auf den Jemen. Es ist die Logik des Spiegels: Wenn du meinen Feind aufrüstest, rüste ich deinen auf.

Was jedes Land genau genehmigt

Die US-Genehmigung ist die restriktivste. Sie beschränkt sich auf die Verteidigung von Charkiw und Ziele unmittelbar an der Grenze. Tiefgreifende Angriffe auf Luftbasen oder Kommandozentren im Inneren Russlands sind nicht autorisiert. Deutschland hingegen spricht von einer vollständigen Aufhebung aller Grenzen. Norwegen und Dänemark schlossen sich mit kurzen Erklärungen an. Frankreich und Großbritannien hatten bereits Schritte in diese Richtung unternommen.

General Mick Ryan veröffentlichte eine Thread-Analyse über die Implikationen. Seine These: Die Änderungen sind geografisch begrenzt, schaffen aber ein juristisches und politisches Präzedenzfall. Ist diese Linie einmal überschritten, ist ein Zurück schwierig. Ein anderer Militäranalyst, Hodges, veranschaulichte dies mit einer viralen Metapher: «Viel besser, den Bogenschützen auszuschalten, als alle Pfeile abzufangen».

Der Tag danach: Es hat schon begonnen

Die Genehmigung wurde Donnerstagabend unterzeichnet. Am Freitag gab es bereits Bewegung. Kein Zufall: Die Ukraine hatte monatelang Ziellisten vorbereitet, während sie auf das Go wartete. Die Frage ist nicht mehr, ob sie angreifen werden, sondern wie schnell massive und sichtbare Schläge erfolgen.

Einige argumentieren, dass sich nichts Wesentliches ändert, da die Ukraine bereits mit eigenen Mitteln russischen Boden traf. Das Gegenargument lautet, dass Präzision und Reichweite westlicher Waffen den Schaden pro Einheit vervielfachen. Der Unterschied zwischen einer selbstgebauten Drohne und einem Marschflugkörper ist nicht ideologisch, sondern ballistisch.

Die Eskalationsfalle: Wer hat mehr zu verlieren?

Das häufigste Gegenargument ist die Eskalation. Wenn der Westen Tiefenangriffe genehmigt, könnte Russland antworten, indem es die Feinde des Westens aufrüstet. Dies wurde bereits angedeutet. Jemen, Iran, Nordkorea. Die Liste der eingefrorenen Konflikte, in denen Moskau Einfluss hat, ist lang.

Hier zeigt sich jedoch die Asymmetrie, die niemand offen benennt: Russland feuert seit zwei Jahren Tausende Raketen auf zivile Infrastruktur in der Ukraine, ohne dass jemand von Eskalation sprach. Die Doktrin «Alles erlaubt für mich, nichts für dich» läuft aus. Die westliche Kalkulation geht davon aus, dass Pilingui mehr zu verlieren als zu gewinnen hat, wenn er eine zweite Stellvertreterfront im Nahen Osten eröffnet. Die russische Kalkulation ist, dass der Westen zuerst ermüdet.

Der Trump-Faktor und der Wahlkalender

Ein Teil der Analyse sieht im Timing keinen Zufall. Die Genehmigung kommt in einem Kontext maximaler politischer Spannung in den USA. Manche lesen die Entscheidung als Versuch, die Unterstützung für die Ukraine vor einem möglichen Regierungswechsel zu festigen. Andere sehen darin einen Druckmittel gegen Moskau, bevor das Zeitfenster schließt.

Tatsächlich wurde die Entscheidung in einer Phase interner politischer Schwäche Präsident Bidens getroffen. Außenpolitische Entscheidungen im Wahlkontext wecken immer Misstrauen. Nicht immer sind sie klug.

Was die Beobachter nach zwei Jahren sagen

Der breitere Konsens unter Analysten, die den Konflikt täglich verfolgen, ist, dass dies kein Wendepunkt ist, sondern die Korrektur einer Anomalie. Monate lang kämpfte die Ukraine mit einer gebundenen Hand: Sie durfte Waffen empfangen, aber nicht gegen das Territorium einsetzen, von dem sie beschossen wurde. Diese Widersprüchlichkeit war militärisch unhaltbar.

Die weniger optimistische Lesart ist, dass der Westen spät und mit weniger als versprochen liefert. Raketen kommen nur tröpfchenweise. Geografische Beschränkungen bleiben streng. Und die europäische Rüstungsindustrie hat nicht die Produktionskapazität, um jahrelang ein hohes Kriegstempo aufrechtzuerhalten.

Was jetzt passieren kann

Das wahrscheinlichste kurzfristige Szenario ist eine Zunahme ukrainischer Angriffe auf Truppenkonzentrationen und Munitionsdepots an der Grenze. Das extremste Szenario wäre ein Tiefschlag gegen eine strategische russische Luftbasis. Das wäre der Punkt ohne Wiederkehr.

Russland kann auf vielfältige Weise reagieren: Cyberangriffe, Sabotage in Europa, Bewaffnung Dritter. Die Frage ist, ob es bereit ist, die Kosten zu tragen. Bisher war seine Strategie Geduld: Den Westen sich selbst erschöpfen lassen. Die Genehmigung von Angriffen auf russischem Boden kann diesen Verschleiß beschleunigen oder brechen. Niemand weiß es.

Sicher ist nur, dass die Linie, die den Krieg der Ukraine vom Krieg des Westens gegen Russland trennte, weiter verschwimmt. Und jene, die seit zwei Jahren sagten, es würde so enden, haben heute weniger Grund zu schweigen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (141 Antworten).

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