Welt ohne USA: Debatte in geopolitischem Forum

In einem Forum wird diskutiert, ob die Welt ohne die USA besser wäre. Vorwürfe von Kriegen und Dollar-Kontrolle stehen historischen Sicherheitsargumenten gegenüber.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Welt ohne USA: Debatte in geopolitischem Forum
Welt ohne USA: Debatte in geopolitischem Forum

Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn die Vereinigten Staaten verschwänden? Diese Frage, gestellt in einem geopolitischen Forum, hat 135 Antworten und eine Reihe von gegenseitigen Vorwürfen ausgelöst. Vom anfänglichen "stehlen, Diktaturen schaffen, korrupt machen, bombardieren" bis zur Verteidigung, dass die US-Hegemonie "beispiellose Freiheit und Sicherheit in der spanischen Geschichte" gebracht habe, spiegelt der Austausch eine tiefe Spaltung wider. Es ist keine akademische Debatte: es ist ein Fiebermesser für den Unmut über die globale Ordnung.

Von Saddam bis zur FED: Die Argumente des Hasses

Die Eröffnungsnachricht zitiert Saddam Hussein —"den großen Satan"— um die Vereinigten Staaten zu beschreiben. Von dort aus entfaltet sich ein Katalog von Ungerechtigkeiten: militärische Interventionen, Staatsstreiche, Unterstützung von Diktaturen. Ein Teilnehmer stellt fest: "Sie sind in allen Kriegen. Und zwar als Initiator." Ein anderer fügt hinzu: "niemals auf eigenem Territorium oder an eigenen Grenzen", was darauf hindeutet, dass die menschlichen Kosten immer bei anderen liegen. Die Kritik erstreckt sich auf die Europäische Union, die als "Marionetten" beschrieben wird, die "verschwinden sollten".

Die Liste der konkreten Anschuldigungen umfasst die Unterstützung des Arabischen Frühlings, die Destabilisierung des Balkans und des Nahen Ostens, die Bewaffnung von Rebellen, die später zum IS wurden, die Invasionen in Afghanistan und dem Irak sowie die Provokation des Krieges in der Ukraine nach dem Euromaidan. All dies diene laut dieser Strömung dazu, "die eigene Rüstungsindustrie zu füttern und weiter Geld auf Kosten des Elends anderer zu drucken". Der Dollar, die FED und die "Five Eyes" (der Geheimdienstverbund aus Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und den USA) erscheinen als Instrumente der globalen Kontrolle.

Die Verteidigung: "Beispiellose Freiheit und Sicherheit"

Gegen diese Erzählung argumentiert ein anderer Teil des Forums, dass die Vereinigten Staaten ein notwendiges Übel waren. "Die USA haben uns eine Freiheit und Sicherheit gegeben, die in der spanischen Geschichte beispiellos sind", behauptet eine Nachricht, erkennt "ihre eigene Agenda" an, betont aber, dass "Spanien im globalen Maßstab seit Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg stark profitiert hat". Die Warnung ist deutlich: "Wenn diese naive Illusion einer multipolaren Welt, die heute von russisch-chinesischen Interessen verkauft wird, eintrifft... werdet ihr die vorangegangenen Jahrzehnte sehr vermissen."

Ein anderer Teilnehmer geht weiter: "Zwischen USA und China/Russland bevorzuge ich die USA milliardenfach." Und ein dritter wirft eine apokalyptische Prophezeiung auf: "Ihr werdet sehen, wie gut es den Anti-US-Leuten ergehen wird, wenn das anglo-amerikanische Gegenstück fällt und ihr von asiatischen Horden invadiert werdet." Der Schatten Chinas liegt über der Debatte: Manche glauben, der Fall der USA würde einem neuen asiatischen Orden freien Lauf lassen, der nicht wohlwollender wäre.

Die Rolle Spaniens: Von Kuba bis Marokko

Ein zentraler Punkt der Debatte ist der spezifische Schaden für Spanien. "Die Vereinigten Staaten haben Spanien viel geschadet (Kuba, Philippinen, Sahara...) und tun dies weiterhin über Marokko", heißt es in einer der am meisten bewerteten Nachrichten. Der Verlust der Kolonien, die Unterstützung der Unabhängigkeit der amerikanischen Republiken und die Rolle der USA in der Westsahara sind offene Wunden. "Erinnern wir uns nicht an Kuba, Puerto Rico und die Philippinen?", fragt ein anderer und erinnert auch an "unseren ersten Astronauten".

Aktuelle Einmischung konkretisiert sich in der Bewaffnung Marokkos und der Weigerung, Ceuta und Melilla unter das NATO-Schutzschild aufzunehmen. "Derzeit bewaffnet sie Marokko, das nicht zögern wird, Ceuta und Melilla zu invadieren", warnt eine Nachricht. Auch der Irakkrieg kommt zur Sprache: "Er zog uns in den Irakkrieg, der den Aufstieg Zapateros an die Macht und die gesamte Degeneration der spanischen Gesellschaft zur Folge hatte."

Strategische Debatte: Könnte sie verschwinden?

Über den Wunsch hinaus stellt sich die praktische Frage. "Es gibt ein logisches Problem; wenn die USA verschwänden... würde die Welt größtenteils mit ihnen verschwinden", argumentiert ein Teilnehmer, der die USA als "eine supranationale, durchdringende und globale Entität beschreibt, deren undefinierte Grenzen nicht abgegrenzt werden können". Die Schlussfolgerung lautet, dass "die USA begrenzt und damit eingeschränkt werden müssen, um ihre Widrigkeiten einzudämmen".

Andere bezweifeln, ob dies möglich oder wünschenswert ist. "Ich habe nichts gegen die Völker der Länder; es gibt alle Arten überall, also nein, ich möchte nicht, dass die USA oder ein anderes Volk der Welt verschwindet", schreibt ein Teilnehmer. Die Diskussion bewegt sich hin zur Machbarkeit einer Weltregierung ("unmöglich; eine kleine Gruppe zu kontrollieren ist schwierig... Milliarden zu kontrollieren") und zur Rolle von Bargeld und individueller Freiheit.

Historischer Hintergrund: Von Unschuld zu Gier

Das Gespräch blickt auch zurück. "Die Gründerväter warnten davor, sich in fremde Kriege einzumischen, außerhalb ihres Territoriums und in europäische Angelegenheiten. Aber sie scherten sich einen Dreck", erinnert eine Nachricht. "Anfangs ging es gut, aber sie wurden gierig, und das wird sowohl der Grund für ihren Aufstieg als auch für ihren spektakulären Fall sein." Die Idee, dass die USA mit einem aufgeklärten Versprechen geboren wurden —Verfassung, Menschenrechte, Dezentralisierung—, das dann durch gebrochene Verträge mit indigenen Völkern und ungerechte Kriege zur Expansion verraten wurde, ist wiederkehrend.

Vorläufig endet die Debatte mit einem Austausch von Vorwürfen darüber, wer mehr Tote auf dem Gewissen hat. "Sag das den Toten in ihren 'Freiheit verteidigenden' Interventionen", schnauzt ein Teilnehmer. Die Diskussion erreicht keinen Konsens. Wie in der realen Geopolitik verschanzt sich jede Seite in ihren Daten und Kränkungen. Die Ausgangsfrage —wäre eine Welt ohne die USA besser?— bleibt offen, mit mehr Fragen als Antworten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

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