Kollaps hebt nicht auf: Man bleibt am untersten Rand

Ein Kollaps verteilt keine neuen Chancen, sondern nur weniger Ressourcen. Analysen zeigen: Wer den Systemzusammenbruch will, fällt zuerst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Welt brennen sehen hebt dich nicht auf

Wer die Welt in Flammen sehen will, stünde in einer solchen Welt ganz oben auf der Liste der Opfer, so das Fazit dieser Analyse. Die Paradoxie ist keine rhetorische Floskel, sondern die These mehrerer Teilnehmer des Threads. Die Logik ist einfach und fast brutal. In jeder bekannten sozialen Ordnung – griechische Polis, Imperium, Feudalismus oder Diktatur des letzten Jahrhunderts – besetzt das Profil ohne Beruf, ohne Ausbildung und ohne familiäres Netz den letzten Rang. Der Kollaps verteilt keine neuen Karten: Er verteilt dieselben mit weniger Brot.

Dahinter steckt eine unbequeme Rechnung. Die Zivilisation, die ein Teil der Diskussion verabscheut, ist genau die, die den Lebensstandard der Nicht-Produzierenden aufrechterhält. Die aktuelle verfassungsrechtliche Ordnung wird als die einzige historische Lösung beschrieben, die nicht beitragende Bevölkerungssätze am Leben erhält.

Die Ordnung, die Nicht-Zahler trägt

Manche treiben das Argument weiter: Die Existenz selbst von unproduktiven, überfütterten Profilen ohne praktische Fähigkeiten wäre ein Zeichen für Überfluss im besten Moment der Geschichte. Der Vergleich zieht kleine Hunde heran, die ihre Besitzer im Rucksack tragen, weil sie nicht allein laufen können. Das ist abwertend, aber es ist Basisökonomie: Nur eine sehr reiche Gesellschaft kann es sich leisten, jene zu erhalten, die nichts beitragen.

Daraus folgt die zentrale Warnung. In einem Szenario der Knappheit würde dieses Profil keine Woche überleben, denn niemand schuldet jemandem etwas. Die Fantasie vom Kollaps als sozialer Aufstieg basiert auf der Idee, dass nach dem Fall des Systems jener, der heute nichts hat, bald befiehlt. Die Gegenposition lautet: Hierarchie verschwindet nicht durch Knappheit; sie härtet sich ab.

Im Kern geht es darum, wer die Rechnung zahlt. Es wird argumentiert, dass in einer tiefen Krise die Häuser der Schwächsten als erste geplündert würden und ihre Bewohner als erste jede Verhandlungsmacht verlören.

Es gibt auch Stimmen, die eine halbe Krise ablehnen. Gefordert wird ein echter Kollaps, der sowohl den Pool-Besitzer als auch den trifft, der nie aus seinem Viertel kam. Gleichmacherei nach unten erscheint so als die einzig akzeptable Verteilung.

Warum Arbeit nicht mehr aus der Armut führt?

Hier ändert sich der Ton und die unbequeme Zahl taucht auf. In Spanien, und zunehmend in anderen westlichen Ländern, verringert sich die Differenz zwischen Arbeiten und Nicht-Arbeiten durch Subventionen. Es wird behauptet, dass Arbeit nicht aus der Armut führt: Sie stellt einen nur eine Stufe höher als den Empfänger von Arbeitslosengeld.

Die Konsequenz wäre, dass ohne Subventionen die Verhältnisse vor dem Zweiten Weltkrieg zurückkehren würden, mit massiven Blöcken absoluter Armut unter Arbeitern. Und dass der soziale Aufsteiger seit Jahrzehnten klemmt. Auf der Gegenseite steht der Fall eines Mannes, der jahrelang bei derselben Firma war, Arbeitslosengeld bezieht und gerade eine Abfindung wegen unrechtmäßiger Entlassung erhalten hat. Mit diesen Bausteinen hat die Sarracena der Anstrengung wenig Spielraum.

Gesetz gegen Vagabunden und Alarmanlagen ab 30

Die schärfste Gegenreaktion fordert administrative Kontrolle: Wenn man mit 30 Jahren ohne Studium und ohne einen einzigen Tag Beitragszahlung dasteht, sollen Alarmglocken bei der öffentlichen Verwaltung läuten und Interventionsmechanismen aktiviert werden. Der explizite Bezug ist das Ley de Vagos y Maleantes (Gesetz gegen Vagabunden und Übeltäter), eine historische Norm des 20. Jahrhunderts, die hier als Disziplinierungsinstrument wiederbelebt wird.

Das Argument hat seine buchhalterische Logik – jede Person, die ohne Gegenleistung erhalten wird, ist eine Kostenlast für den Rest – und eine offensichtliche dunkle Zone. Wo liegt die Grenze zwischen Aufsicht und Bestrafung der Armut? Niemand definiert sie in diesem Ansatz.

NATO, Russland und Deutschland: Der andere Ärger

Der Fokus verschiebt sich auf die Geopolitik. Eine klassische Idee wird wiederholt: Dass die NATO gegründet wurde, um die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten, ein Satz, der dem ersten Generalsekretär des Bündnisses zugeschrieben wird. Von dort aus wird die Schuld an der eigenen Misere auf Militärblöcke, Investmentfonds und internationale Organisationen verteilt.

In diesem Abschnitt taucht der einzige Block vergleichender Zahlen auf: China habe 500 Millionen Menschen aus der Armut geholt, während die USA 100 Millionen in die Armut gestürzt hätten. Diese Zahlen stammen von einem Thread-Teilnehmer, ohne belegbare Quelle. Es gibt auch eine gemäßigtere Haltung: Ein Bündnis, sei es auch nur kommerziell, zwischen Europa und Russland wäre nachhaltiger für Europa und europäischer für Russland.

Der Tag danach hat keinen Plan

Es bleibt das Wesentliche. Wenn das System, das man verachtet, dasselbe ist, das die Rechnung bezahlt, was bleibt dann vom Wunsch, es brennen zu sehen? Niemand hat die Kosten des Tages danach auf den Tisch gelegt. Solange diese Zahl nicht existiert, wird Wut billiger bleiben als die Alternative.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (182 Antworten).

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