Was Sánchez mit „Deep State“ wirklich meint

Spaniens Ministerpräsident **Pedro Sánchez** wird beschuldigt, den Begriff „Deep State“ zu benutzen, um Kritiker zu diskreditieren. Eine Analyse des Konzepts und seiner Anwendung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Verwendung des Begriffs „Deep State“ durch den Ministerpräsidenten **Pedro Sánchez** wird als Strategie dargestellt, von Ermittlungen und Kritik abzulenken – verglichen mit historischen Taktiken von Führern, die ihre Macht festigen wollen.

Die politische Rhetorik greift oft auf aufgeladene Konzepte zurück, um Unterstützung zu mobilisieren oder Gegner zu delegitimieren. Eines dieser Konzepte, das eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, ist das des „Deep State“. Wenn diese Idee im Kontext der spanischen Politik beschworen wird – insbesondere in Bezug auf Ministerpräsident **Pedro Sánchez** –, stellt sich die Frage, was eigentlich gemeint ist und zu welchem Zweck. Die Vorstellung eines „Deep State“ evoziert das Bild eines verborgenen Machtgefüges aus Beamten, Geheimdiensten oder Eliten, die im Verborgenen arbeiten, um Regierungsentscheidungen zu beeinflussen oder zu kontrollieren – oft gegen den Willen des gewählten Führers oder der öffentlichen Meinung.

## Der Vorwurf einer „gescheiterten Regierung“

In der öffentlichen Debatte wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwörung des „Deep State“ durch **Pedro Sánchez** ein Manöver sein könnte, um von internen Problemen und Ermittlungen abzulenken, die seine Regierung betreffen. Die dahinterstehende Idee: Angesichts einer schwierigen Lage soll die Wahrnehmung eines äußeren Feindes oder einer Verschwörung erzeugt werden, die die Regierungsarbeit blockiert. Statt sich den Kernfragen zu stellen, werde auf die Figur des „Sie sind hinter uns her“ zurückgegriffen, um sich als Opfer einer angeblichen Konspiration darzustellen.

Diese Taktik, so heißt es, zielt darauf ab, all jene zu diskreditieren, die das Handeln der Regierung hinterfragen oder untersuchen – einschließlich der Institutionen, die eigentlich den Rechtsstaat schützen sollen. Die Strategie wird mit der eines „Betrügers“ verglichen, der, in Schwierigkeiten geraten, eine „Opfermaske“ aufsetzt, um anderen die Verantwortung zuzuschieben. Die Blockierung bestimmter Gesetzgebungsinitiativen wie der Änderung des Wählerverzeichnisses oder laufende Gerichtsverfahren werden als Beispiele für Zusammenstöße mit diesen angeblichen Kräften präsentiert, die die Agenda der Regierung behindern wollen.

## Der Präzedenzfall Donald Trump und die „Resistance“

Das Konzept des „Deep State“ ist nicht auf die spanische Politik beschränkt. Es wurde insbesondere in den USA während der Präsidentschaft von **Donald Trump** populär. Er benutzte den Ausdruck für ein Netzwerk von Beamten und Behörden, das seiner Ansicht nach Informationen weitergab und seine Politik blockierte. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die amerikanische Presse einen anonymen Artikel im **The New York Times** mit dem Titel „I Am Part of the Resistance Inside the Trump Administration“, in dem die Existenz von „Erwachsenen im Regierungsraum“ beschrieben wurde, die die Ausschreitungen des Präsidenten einzudämmen versuchten. Diese Personen arbeiteten zwar für **Trump**, waren aber nicht bereit, bestimmte Grenzen zu überschreiten, die sie als gefährlich für die Nation ansahen.

Der Rückgriff auf den „Deep State“ hat Vorläufer in Ländern wie der Türkei oder Ägypten, wo er Machtstrukturen beschrieb, die außerhalb der formellen demokratischen Kontrolle operieren. In Spanien wurde darauf hingewiesen, dass diese Rhetorik auch von anderen politischen Akteuren verwendet wurde, etwa von **Sánchez**' unabhängigistischen Koalitionspartnern, um die spanische Demokratie und die öffentlichen Bediensteten zu „verteufeln“, die die Unabhängigkeit Kataloniens im **Oktober 2017** verhinderten. Die spätere Gewährung von Begnadigungen und Amnestien durch **Sánchez** wird aus dieser Perspektive als Zug gedeutet, um seine eigene politische Position zu sichern.

## Die „sanchistische Kloake“ und die Regierungsparanoia

Der Erzählung vom „Deep State“ als äußerer Bedrohung wird die Existenz einer inneren „sanchistischen Kloake“ entgegengehalten – eines Netzwerks von Operationen, das unter Druck reaktiviert worden sein soll. Verwiesen wird auf laufende journalistische und gerichtliche Ermittlungen, die auf eine Machtstruktur innerhalb der Regierung selbst hindeuten, insbesondere nach den Untersuchungen zum sogenannten „**Begoñagate**“. In diesem Szenario ähnelte die Regierungsparanoia der Handlung des Romans „Der Mann, der Donnerstag war“ von **G.K. Chesterton** – nur ohne dessen Humor und Intelligenz. Bei Chesterton entpuppten sich die angeblichen Verschwörer als eingeschleuste Polizeiangentren. Hier wird suggeriert, der „Deep State“ sei in Wirklichkeit die verborgene Seite der eigenen Regierung, die Aktionen orchestriert, um Institutionen zu destabilisieren und ihre Kontrolle zu sichern.

Die Strategie des „Sie sind hinter uns her“ gilt als wiederkehrende Taktik, um den Rechtsstaat auszuhöhlen – mit dem Ziel, dass die Bürger ihre Regierung nicht frei wählen können und Straftaten ungestraft bleiben. Erinnert wird an **Santos Cerdán**, der im **Dezember 2025** in einem Senatsausschuss verkündet haben soll, der „Deep State“ verschwöre sich gegen ihn – trotz der Anschuldigungen wegen Plünderung und Korruption. Diese Rhetorik, so das Argument, solle ein Klima der Verwirrung und des Misstrauens gegenüber den Institutionen schaffen.

## Das Risiko eines „autoritären Staates“

Angesichts dieser rhetorischen Konfrontation wird gewarnt, dass die spanische Demokratie sich in einer heiklen Lage befinde, vergleichbar mit der, die die Professoren **Daron Acemoğlu** und **James A. Robinson** in ihrem Buch „Warum Nationen scheitern“ beschreiben. Die Autoren unterscheiden zwischen abwesenden, despotischen und eingebundenen Staaten – letztere sind jene, die Freiheit schützen. Die Sorge ist, dass Spanien auf dem Weg zu einem „autoritären Staat“ sei, einem entfesselten „Leviathan“ ohne effektive Kontrolle durch die Bürger. Zitiert wird **Thomas Jefferson**, der davor warnte, das Volk müsse seinen Herrschern ins Gedächtnis rufen, dass es den „Geist des Widerstands“ bewahrt.

Die Geschichte liefert Beispiele dafür, wie Macht manipuliert werden kann. Die Figur des **Peisistratos** im Athen des **Solon** wird als Fall präsentiert, wie ein Anführer sich durch List die absolute Macht verschaffen kann. **Peisistratos** verletzte sich selbst, um die Sympathie des Volkes zu gewinnen und eine Leibgarde zu erhalten, die er später für einen Staatsstreich nutzte. Nach seiner Absetzung kehrte er mit einer theatralischen Inszenierung nach Athen zurück, die eine göttliche Intervention vortäuschte, um seine Rückkehr zu legitimieren.

Eine Verfassung allein garantiert keine Wahlen genügt nicht, wenn die Macht außer Kontrolle gerät und sich die Gesellschaft nicht für die Rechtsstaatlichkeit mobilisiert. Die abschließende Warnung ist deutlich: Man muss wachsam bleiben gegenüber denen, die ihre Macht auf Kosten der demokratischen Institutionen festigen wollen. Der Vorwurf eines „Deep State“ wird so zum Nebelkerzenwerfen, um einen „Selbstputsch“ zu rechtfertigen – also den Abbau der Garantien des Rechtsstaats von innen. Auf dem Spiel stehe, so das Fazit, nicht die Existenz eines verborgenen „Deep State“, sondern die Gesundheit des Rechtsstaats selbst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (0 Antworten).

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