Was der Krieg mit einem Menschen macht, laut der Wissenschaft

Die PTBS wurde 1980 in das DSM-III aufgenommen. Amygdala und Hippocampus verändern sich durch Trauma, und bei Nachkommen von Holocaust-Überlebenden wurden epigenetische Spuren gefunden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Was der Krieg mit einem Menschen macht, laut der Wissenschaft
Der Krieg verändert die Amygdala und den Hippocampus derer, die ihn erleben, und kann messbare epigenetische Spuren bei ihren Nachkommen hinterlassen. Die PTBS wurde erst 1980, nach Vietnam, als offizielle Diagnose anerkannt.

Es gibt ein Versprechen, das der Krieg Jahrhundert für Jahrhundert wiederholt: Sicherheit, Freiheit, Frieden. Selten wird es ohne Kosten eingehalten, die noch lange nach jeder Vertragsunterzeichnung bestehen bleiben. Denn der Krieg verschiebt nicht nur Grenzen. Er verändert Körper, beeinflusst Gehirne und hinterlässt Spuren, die die neueste wissenschaftliche Evidenz mit Generationen verbindet, die nie ein Schlachtfeld betreten haben.

Der Stress beginnt nicht mit dem ersten Schuss. Er beginnt, wenn die Einberufungsnachricht kommt, wenn das Nervensystem bereits reagiert, als wäre die Gefahr unmittelbar. Der Soldat kann die äußere Schlacht überleben. Das garantiert nicht, dass er die innere gewinnt, die danach beginnt.

## Von "Shell Shock" zur PTBS: ein Jahrhundert, um ihr einen Namen zu geben

Im Ersten Weltkrieg dokumentierten Militärärzte Soldaten mit unkontrollierbarem Zittern, Stummheit und Lähmungen ohne sichtbare körperliche Verletzung. Zunächst wurde es als Feigheit abgetan. Später erkannte man es als Reaktion auf extremes Trauma an und nannte es "Shell Shock". Im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Konzept zur "Kampfmüdigkeit". Und nach dem Vietnamkrieg fand die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) 1980 offiziell Eingang in das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen, das **DSM-III**, im Jahr **1980**. Damit war ihre Anerkennung als klinisches Krankheitsbild mit dokumentierter neurobiologischer Grundlage gefestigt – nicht als Charakterschwäche.

Der Wandel war nicht nur ein sprachlicher. Es war ein Wechsel des Rahmens: vom sarracena Verdacht gegen den zusammenbrechenden Soldaten zur Erkenntnis, dass extremes Trauma eine messbare physiologische Reaktion hervorruft. Was heute als posttraumatische Belastung理解为 wird, war nicht immer eine legitime medizinische Erkrankung, und dieser Weg erklärt, warum die Erforschung ihrer Mechanismen erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wirklich an Fahrt aufnahm.

## Die Amygdala, die nicht abschaltet, und der Hippocampus, der nicht ordnet

Die bildgebenden Studien von **Roger Pitman** an Veteranen mit PTBS dokumentierten ein konkretes Muster: eine Amygdala mit erhöhter Aktivität bei traumabezogenen Reizen, zusammen mit einem kleineren Hippocampus mit gestörter Funktion. Amygdala und Hippocampus zeigen bei Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung messbare funktionelle Veränderungen.

Der Hippocampus ist die Struktur, die hilft, Erinnerungen zeitlich einzuordnen. Funktioniert er schlecht, ist die traumatische Erinnerung nicht mehr klar in der Vergangenheit verortet. Betroffene erleben sie, als geschähe sie in der Gegenwart. Das ist die neurobiologische Erklärung dafür, warum eine traumatische Erinnerung unmöglich "abzuschalten" ist: Es fehlt nicht der Wille, es ist ein Schaltkreis, der reagiert, als stünde die Gefahr noch direkt vor einem.

## Mehr Suizide als Gefallene

Das Ausmaß der psychologischen Kosten geht über die direkten Opfer des Konflikts hinaus. Berichte des **US-Departments of Veterans Affairs** über Suizide unter Veteranen des Irak und Afghanistans dokumentierten, dass die kumulative Zahl der Suizide unter Veteranen die Zahl der amerikanischen Gefallenen in denselben Konflikten überstieg. Dieser Befund wird in der militärpsychiatrischen Forschung genau deshalb häufig zitiert: Die menschlichen Kosten des Krieges reichen weit über das Schlachtfeld und den Moment der Heimkehr hinaus.

Man sollte es nehmen, was es ist: eine Verlaufszahl über eine bestimmte Population in bestimmten Konflikten, kein universelles Gesetz. Aber die Richtung des Befunds ist schwer zu umgehen. Der Krieg tötet weiter, wenn es keinen Krieg mehr gibt.

## Frauen im Kampf: Was die Daten aus Israel sagen

Der historische Ausschluss von Frauen von direkten Kampfeinsätzen hatte mehr mit sozialen Strukturen und den technologischen Grenzen des Nahkampfs zu tun als mit einer allgemeinen biologischen Unfähigkeit, den Kampfstress zu ertragen. Moderne Armeen haben eine direkte Überprüfung ermöglicht.

Studien der **israelischen Verteidigungsstreitkräfte**, einer der Armeen mit der größten historischen Integration von Frauen in Kampffunktionen, dokumentierten, dass Frauen in gemischten Einheiten Indikatoren für Toleranz gegenüber langanhaltendem Stress und Kohäsion zeigen, die mit denen ihrer männlichen Kameraden vergleichbar sind. Bei bestimmten Metriken zu Disziplin und Präzision sogar überlegen. Die Schlussfolgerung, die diese Evidenz stützt: Der historische Ausschluss beruhte hauptsächlich auf sozialen und technologischen Faktoren, nicht auf einer weitverbreiteten biologischen Unfähigkeit.

## Das Trauma, das vererbt wird

Die Idee, dass extremer Stress biologische Spuren hinterlassen kann, die über die psychische oder kulturelle Weitergabe hinaus an die nächste Generation übertragbar sind, wurde speziell in der Epigenetik untersucht. Studien von **Rachel Yehuda** an Nachkommen von Holocaust-Überlebenden dokumentierten spezifische epigenetische Veränderungen in Genen, die mit der Cortisolregulation zusammenhängen, die bei Kontrollpopulationen ohne diese Familiengeschichte nicht in derselben Form beobachtet werden.

Es ist ein aktives Forschungsgebiet mit akademischer Debatte über die genauen Mechanismen. Aber Yehudas Forschung war bahnbrechend, um zu zeigen, dass extremes Trauma messbare biologische Spuren hinterlassen kann, die über die Generation hinausreichen, die es unmittelbar erlebt hat. Anders gesagt: Es gibt Enkel, die etwas mit sich tragen, was ihre Großeltern auf einem Schlachtfeld oder in einem Konzentrationslager erlebt haben.

Wenn die Wissenschaft so präzise dokumentiert, wie der Krieg Körper zerstört, Gehirne verändert und Spuren hinterlässt, die an Generationen weitergegeben werden, die nie an der Front waren, dann ist die unbequeme Frage, warum diese Evidenz bei der Entscheidung, einen neuen Krieg zu beginnen, selten genug wiegt. Der Krieg verspricht Sicherheit und Frieden. Die biologische und psychologische Evidenz von mehr als einem Jahrhundert deutet darauf hin, dass seine wahren Kosten weit über das hinausgehen, was ein Vertrag je besiegeln kann.

Dieser Artikel fasst veröffentlichte Forschungsergebnisse zusammen; er ersetzt keine Beurteilung durch eine Fachkraft für psychische Gesundheit. Wenn bei Ihnen oder jemandem in Ihrem Umfeld Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auftreten, empfiehlt es sich, eine Fachperson zu konsultieren.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (23 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver