Warum starker Regen Spaniens Talsperren nicht füllt

Trotz heftiger Regenfälle bleiben die Wasserstände in spanischen Stauseen niedrig, während über Entwaldung, Verdunstung und verdeckte Wasserverlagerungen diskutiert wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum starker Regen Spaniens Talsperren nicht füllt
Die Debatte um Regen, der die Stauseen nicht füllt

Wie lässt sich erklären, dass wochenlang Wasser fällt, während die Stauseen kaum steigen? Diese Frage kursiert seit Längerem, und die Antworten passen nicht ganz zusammen. Ein Video versucht dies mit Infografiken und Zeichnungen zu klären und konzentriert sich auf den Weg des Regens bis zum Meer: Die Schlussfolgerung ist unbequem, denn ein großer Teil dieses Wassers erreicht nie die Speicherbecken.

Die häufigste Erklärung verweist auf die Entwaldung. Befürworter argumentieren, dass ohne Vegetation, die den Oberflächenabfluss bremst, das Wasser über den Boden gleitet, sich in Schluchten sammelt und ins Meer fließt, ohne Flüsse oder Grundwasserleiter aufzufüllen. Je degradiertes das Gelände, desto geringer die Versickerung. Dieses Argument wird als hydrologisch dargestellt und ist zugleich der Punkt, an dem sich sonst sehr unterschiedliche Positionen treffen.

Warum füllt Starkregen die Stauseen nicht?

Nach dieser Lesart sickert der in Strömen fallende Regen nicht ein: Er läuft schnell ins Meer ab, und die Stauseen halten nur das zurück, was über die Flussläufe ankommt. Es liegt nicht an Lecks in den Dämmen, sondern daran, dass der Regen dort eindringt, wo er nicht hingehört. Deshalb regnet es stark, während die Reserven nur tropfenweise wachsen.

Eine spöttischer verbreitete Version besagt, dass die Starkregenfälle im Zentrum Spaniens "vom wechselhaften Klima verdampft werden". Das Wort "wechselhaft" ist ein Tippfehler des Autors, kein meteorologisches Faktum. Die Idee hat jedoch Anhänger: Wenn das Wasser vor dem Staudamm verschwindet, spielt die Menge keine Rolle.

Verdunstung, Umleitungen und andere Theorien vom verschwindenden Wasser

Zur Verdunstung gesellt sich ein weiterer Verdacht: dass Wasser zwischen Becken bewegt wird, ohne dass es öffentlich bekannt gegeben wird. Als Beispiel dienen zwei Stauseen derselben Region, die sich gegenläufig entwickeln – einer war vor wenigen Wochen voll, der andere sah im April erbärmlich aus –, woraus die Hypothese einer verdeckten Umleitung in andere Regionen abgeleitet wird. Es gibt keinen Beweis dafür; es bleibt eine Vermutung.

Auf dieser Liste steht auch die Idee, dass Stauseen absichtlich geleert werden, dass Schleusen geöffnet werden, um Wasser für bestimmte Nutzungen zu reservieren, oder dass der aktuelle Regen "asymptomatisch" sei: Er fällt, füllt aber nicht, löst gleichzeitig aber Handy-Alarme aus. Wer diese Paradoxie verteidigt, nennt es Doppeldenk; andere entgegnen, dass das Wasser einfach seinem natürlichen Lauf folgt.

Manche gehen weiter und behaupten, Süßwasser sei in die Finanzmärkte eingetreten und Knappheit nütze denen, die damit handeln. Von hier bis zur nächsten Blase – schlimmer, sagen sie, als die bei Olivenöl – ist es nur ein Schritt.

Was die Daten sagen: Reserven steigen über Niveaus von 2021 und 2022

Den Theorien gegenüber steht ein täglich konsultierbares öffentliches Protokoll: die Veränderung des gespeicherten Wassers nach Einzugsgebieten. Hier taucht ein Datum auf, das die halbe Diskussion widerspricht. Laut Beobachtern dieses Protokolls steigen die Reserven weiterhin und liegen über den Werten von 2021 und 2022. Würden sich die Stauseen von selbst leeren, würden diese Zahlen nicht stimmen.

Ein kniffliges Detail: Laut einem Teilnehmer werden die Informationen dienstags aktualisiert. Wer das Panel am Mittwoch oder Donnerstag prüft, sieht noch die Momentaufnahme der Vorwoche und könnte Dürre verkünden, obwohl dies für ein paar Tage falsch ist. Der Kalenderverzug erklärt viele hitzige Debatten.

Das Gegenargument durch Daten: doppelt so viel Waldfläche

Wäre Entwaldung die einzige Ursache, würde dies mit einer unbequemen Zahl kollidieren, die in der Debatte genannt wird: Spanien habe doppelt so viel Waldfläche wie vor 100 Jahren. Das heißt, das Land hat heute mehr Bäume als zu Beginn des letzten Jahrhunderts, nicht weniger. Dies widerlegt den Oberflächenabfluss nicht, macht es aber schwierig, das Problem allein auf fehlenden Wald zu schieben.

Im Thread werden beide Aussagen gleichzeitig akzeptiert, ohne sie zu versöhnen.

Grundwasser und Fluten: Berichte aus der Praxis

Wo Modelle versagen, sprechen die Anwohner. Im Henares-Korridor, einer Zone mit Grundwasserleitern, die mehrere Ortschaften umfasst, behauptet ein Teilnehmer, dass Bäche, die früher in zwei oder drei Tagen austrockneten, nun seit sechs Wochen nicht trockenfallen. Er berichtet, dass Pumpen weiterhin Wasser fördern, selbst ohne Regen, da es aus dem Untergrund sickert – etwas, das dort zuvor nie beobachtet wurde.

Die Verteilung des Regens ist ungleichmäßig: Galizien und Kastilien-León erhalten den Großteil, während im Südwesten kaum etwas fällt, wobei sich die Lage in der Sierra del Segura, wo Nebenflüsse entspringen, verbessert. Das Bild ändert sich je nach Standort auf der Karte. Damit auch das Gefühl, dass das Wasser tut, was es will.

Wenn Wasser beim Fallen verdampft und gleichzeitig Handy-Alarme auslöst, muss jemand erklären, wie beides unter denselben Himmel passt. Während dies geklärt wird, steigen die Stauseen weiter. Und kurioserweise hat auch dies die Debatte nicht beendet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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