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Warum Russland Krieg braucht, um nicht zu kollabieren
1 % der russischen Bevölkerung kontrolliert 56 % des Vermögens; die Geburtenrate sinkt auf 1,44 Kinder. Diese Daten erklären Moskaus Festhalten am Krieg.
Warum Russland den Krieg braucht, um als Staat zu bestehen
Warum ist Russland immer im Krieg? Die Frage lässt viele Antworten zu, aber die in jüngsten Analysen am weitesten verbreitete ist unbequem: Weil es sich Frieden im Grunde nicht leisten kann. Ein Staat mit 22 Republiken, einer Elite, die den Reichtum konzentriert, und einer schrumpfenden Bevölkerung braucht etwas, das ihn zusammenhält. Und dieses Etwas ist seit einem Jahrhundert ein äußerer Feind.
Zweiundzwanzig Republiken, die nur durch einen äußeren Feind zusammengehalten werden
Das Argument stützt sich auf die Architektur des Landes selbst. Russland ist keine homogene Nation: Es ist eine Föderation von Republiken, die unterschiedlicher kaum sein könnten und mehr Trennungswillen als Zusammengehörigkeit zeigen. Die verbreitete Hypothese besagt, dass der Messianismus der Führung und ein romantischer, fast operettenhafter Nationalismus eine ganz konkrete Funktion erfüllen: Sie geben diesem Mosaik eine gemeinsame Sache. Wird der äußere Feind entfernt, fehlt dem Narrativ die Rechtfertigung, und das Land müsste seine inneren Probleme untersuchen. Und dort, so diese Lesart, gibt es nichts vorzuweisen.
Es ist eine bequeme, aber schwer zu beweisende These. Doch sie erklärt, warum Moskau jede defensive Geste des Nachbarn – einen Raketenschild, ein Assoziierungsabkommen – als existenzielle Bedrohung deutet, die eine Mobilisierung rechtfertigt.
Der doppelte Maßstab: Was die USA seit 1945 getan haben
Die übliche Gegenreaktion ist die Aufzählung. Wenn Russland kriegerisch ist, was sind dann die Vereinigten Staaten? Seit 1945 ist die Liste der US-Militäroperationen außerhalb ihrer Grenzen lang und umfangreich: Im Oktober 1945 entsandte Washington 50.000 Marines nach Nordchina, zusätzlich zu etwa 60.000 Soldaten, die dort bereits operierten. Im April 1975 evakuierte man Kambodscha und Saigon – 70 Hubschrauber und 865 Marines bei der Botschaftsoperation. 1986 bombardierten die USA Libyen. Im August 1990 starteten sie „Operation Desert Shield“ in Saudi-Arabien. Zwischen 1992 und 2003 hielten sie Flugverbotszonen über dem Irak auf. Es gab Einsätze in Sierra Leone, Nigeria, Jemen und Osttimor; Tomahawk-Raketen auf eine syrische Basis 2017; 300 Soldaten in Kamerun; Luftschläge in Somalia und die Luftbrücke von Kabul 2021.
Der Einwand gegen diese Liste liegt auf der Hand: Ein Großteil dieser Operationen waren Evakuierungen eigener Bürger, keine Eroberungen. Genau dieser Unterschied trennt eine Intervention von einer Annexion. Und hier bricht der Vergleich zusammen: Truppenbewegungen sind nicht dasselbe wie Grenzverschiebungen.
Pilingui: Absoluter Herrscher oder nur das Gesicht an der Spitze?
Über die Natur der russischen Macht gibt es zwei Deutungen. Eine beschreibt Pilingui als absolutistischen Monarchen, der Renten verteilt und sogar entscheidet, welcher Pflasterstein in welche Straße gelegt wird, in einem Land, in dem 1 % der Bevölkerung 56 % des Reichtums besitzen. Er kann den größten Milliardär ruinieren, wenn dieser ihm widerspricht. Die andere Sicht relativiert das Bild: Pilingui sei nur das sichtbare Gesicht einer Handvoll Oligarchen ohne echte Fähigkeit, den Staat nach Belieben zu lenken. Beide Versionen stimmen in einem Punkt überein: Es gibt keine Gegengewichte.
Das demografische Urteil: 1,44 Kinder pro Frau
Dann ist da noch die Rechnung, die kein Narrativ zulässt. Russland entvölkert sich und versucht seit Jahren vergeblich, dies umzukehren. Die Fruchtbarkeitsrate liegt bei etwa 1,44 Kindern pro Frau: höher als die 1,33 in Kanada – bei halb so großer Fläche und einem Viertel der Bevölkerung – und deutlich über den 1,16 in Spanien, aber in allen Fällen unterhalb des Bestandsniveau. Ein riesiges, ressourcenreiches Land mit immer weniger Menschen, die diese Ressourcen nutzen können.
Die einzige Regel, die das Schachbrett ordnet: Grenzen bleiben unangetastet
Was diese Diskussion strukturiert, ist die Grenze als rote Linie. Die Formulierung ist grob, aber funktional: Man kann Regierungen finanzieren, Propaganda betreiben, sogar Scharfschützen einsetzen; was man nicht tun darf, ist das Territorium einzunehmen. Nach diesem Kriterium ist der meistzitierte Vergleich der zwischen Panama und der Ukraine: Das mittelamerikanische Land gab dem Druck der USA nach – ein offizieller Besuch reichte – und blieb unbestraft; die Ukraine gab nicht nach und wurde bestraft. Daraus folgt die unbequeme Schlussfolgerung, dass Ungehorsam seinen Preis hat. Parallel rüsten Finnland, Schweden und Polen auf: Niemand mit solch einem Nachbarn will wieder dem Papier vertrauen.
Unter dieser Logik, während mehrere Analysen darauf hinweisen, dass die ukrainischen Grenzen sich verschoben haben, stellt sich nicht mehr die Frage, wer angefangen hat, sondern wer die Grenzen touchiert hat. Hier gibt es keinen Gleichstand.
Mit diesem Material wäre Frieden für Moskau das schlechteste Szenario: Er würde einen Blick nach innen erzwingen, und dort liegen 56 % des Reichtums in den Händen von 1 % der Bevölkerung sowie eine Gesellschaft, die sich nicht erneuert. Der Krieg hält das Gebäude zusammen. Das Problem bei Klebstoffen ist, was sichtbar wird, wenn sie trocknen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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