Warum Küchen in neuen spanischen Wohnungen schrumpfen

Spanische Bauträger opfern funktionale Küchen für zusätzliche Schlafzimmer, um die Anzahl der verkäuflichen Einheiten zu maximieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum Küchen in neuen spanischen Wohnungen schrumpfen
Die spanische Wohnung schrumpft: Die Küche ist kein Esszimmer mehr

Warum werden die Küchen in neuen Wohnungen immer kleiner? Die kurze Antwort: Jeder Quadratmeter, den die Küche einnimmt, ist einer, der nicht in ein Schlafzimmer umgewandelt wird, und Schlafzimmer verkaufen sich besser. In einer 90 m² großen Neubauwohnung wird die Küche zu einem einen Meter breiten Gang zwischen Spüle und Kochfeld. Ein großer Tisch passt nicht hinein. Eine Familie passt nicht hinein. Kaum eine Person kann seitlich kochend stehen.

Das Ergebnis ist ein Widerspruch, den jeder erkennt, der in den letzten Jahren nach Wohnraum gesucht hat: Man besichtigt Dutzende von Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen, und die Küche bleibt eine Kabine. Es ist kein Problem des verfügbaren Platzes. Es ist ein Verteilungsproblem. Der Bauträger bevorzugt drei Spielzeug-Schlafzimmer vor einer 16 m² großen Wohnküche, weil das Schlafzimmer verkaufbare Einheiten erhöht, während die Küche nur Quadratmeter hinzufügt, die nicht separat berechnet werden.

Immobilien-Geschäft: Mehr Schlafzimmer, weniger Küche

Die Logik des Bauträgers ist einfach und rücksichtslos. Auf einem bestimmten Grundstück besteht das Ziel darin, die Anzahl der Einheiten zu maximieren. Eine 20 m² große Wohnküche ist ein Schlafzimmer, das sich nicht verkauft. Also wird das Programm gestrafft: Wohn-Esszimmer, zwei oder drei Zimmer, ein Bad und eine Küche, die gerade so den Anforderungen entspricht. Oft sogar weniger: Die Küche wird ins Wohnzimmer integriert, um Platz zu sparen, und als Modernität verkauft.

Einige behaupten, das Problem seien die Bodenpreise und die Notwendigkeit, das Produkt in ein zunehmend knappes Kaufbudget einzupassen. Würden größere Küchen und Bäder gebaut, stiegen die Baukosten und damit auch die Verkaufspreise. Der typische Käufer kann nicht mehr zahlen, also bekommt er weniger. Dieses Argument hat seine Logik, erklärt aber nicht, warum die Küche stets das erste Opfer der Anpassung ist.

Die Antwort liegt in der Prioritätenhierarchie des durchschnittlichen Käufers: Erst Schlafzimmer, dann Wohnzimmer, dann Bad und zuletzt die Küche. Die Küche ist zu einem repräsentativen Element geworden, etwas, das man Besuchern zeigt, nicht ein Ort zum Nutzen. Großformatige Fliesen, Holzmöbel, eine zentrale Insel, die sehr modern aussieht, aber verhindert, dass man einen Stuhl heranrückt. Die Magazin-Küche, ohne Fett, Gerüche oder Leben.

Offene Küche: Weniger Quadratmeter, mehr Rauch im Wohnzimmer

Die Mode, die Küche ins Wohnzimmer zu integrieren, scheint das Platzproblem zu lösen... auf dem Papier. In der Praxis verwandelt sie das Wohnzimmer in eine Verlängerung der Küche. Wenn man Fisch brät, riecht das Sofa stundenlang nach Frittiertem. Stoffe nehmen Gerüche auf. Und wer kocht, unterbricht den, der fernsieht. Es gibt keine Trennung zwischen Entspannungs- und Arbeitszone.

Befürworter der Integration argumentieren, dass man optische Weite gewinnt und das Licht besser nutzt. Das stimmt auf Fotos. Im Alltag wiegen das Klirren der Teller, das schwebende Fett und die Unmöglichkeit, einen großen Tisch für Familienessen zu haben, schwerer. Die offene Küche ist eine Vitrine, keine Lösung.

Wohnmodell: Kleine Wohnungen für Familien, die nicht passen

Das Grundproblem ist nicht nur die Küche. Es ist das Wohnmodell. In Spanien hat sich das Leben in kleinen Wohnungen, oft mit 60 oder 70 m² Nutzfläche, für Familien mit drei oder vier Mitgliedern normalisiert. In anderen entwickelten Ländern ist die Wohnung eine temporäre Lösung, während man für ein Haus spart. Hier ist es die endgültige Lösung.

Die Konsequenz ist eine Enge, die in jedem Raum spürbar ist. Schlafzimmer, die keinen Schrank und ein Bett zulassen, ohne dass der Bewegungsfreiraum fehlt. Sechs Quadratmeter große Bäder mit Badewanne, Waschbecken, Toilette und Bidet, eine Absurdität. Und Küchen, die keinen Platz für einen Tisch bieten, an dem vier Personen essen können. Die spanische Wohnung wurde miniaturisiert, und die Küche war das erste Opfer.

Einige weisen darauf hin, dass die Lösung darin bestünde, pro Etage weniger, dafür größere Einheiten zu bauen, mit Küchen von 12 bis 16 m², Wohnzimmern von 25 bis 30 m² und rechteckigen Schlafzimmern, die keine Verstecke sind. Aber dies kollidiert mit der Gewinnrechnung des Bauträgers. Solange der Boden teuer bleibt und die Nachfrage bereit ist, alles zu kaufen, um nicht mieten zu müssen, bleibt der perverse Anreiz bestehen.

Die Küche als sozialer Thermometer

Eine große Küche ist kein Luxus. Sie ist ein Indikator dafür, wie wir leben. In Häusern im Norden war die Küche der einzige beheizte Ort, wo das Leben stattfand. In galizischen Häusern: der vier Meter lange Eisenofen, der 4x2-Tisch mit Bänken, der Fernseher auf einem hohen Regal. Dort wurde gegessen, geredet, ferngesehen. Die Küche war das Zentrum des Hauses.

Heute ist die Küche ein Durchgangsort. Man steht beim Kochen, isst im Wohnzimmer, räumt die Teller in mehreren Gängen weg. Das Hin- und Herpendeln zwischen Küche und Esszimmer ist zur Routine bei jedem Essen geworden. Und es ist nicht nur eine Frage des Komforts: Es ist eine Frage der Würde. In der Küche zu essen, mit dem gedeckten Tisch neben dem Herd, ist effizienter und sauberer. Nur ein Raum wird verschmutzt. Nur ein Ort muss aufgeräumt werden.

Die Frage ist nicht, warum keine großen Küchen gebaut werden. Die Frage ist, warum wir weiterhin Wohnungen kaufen, in denen die Küche kaum erlaubt, Kartoffeln bequem zu schälen. Und die Antwort liegt, wie fast immer, im Preis pro Quadratmeter und in der Gewinnmarge des Verkäufers.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

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