Warum es keinen Covid-Film gibt, aber sonst Filme zu allem

Eine Forumsdebatte über das Fehlen großer Spielfilme über Covid und die Gründe, die die Teilnehmer anführen – darunter fehlende Finanzierung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum es keinen Covid-Film gibt, aber sonst Filme zu allem
Warum es nie einen Film über Elbichito geben wird

2020 sperrte sich die ganze Welt zu Hause ein, doch sechs Jahre später gibt es keinen einzigen Blockbuster, der erzählt, was passiert ist. Es gibt Filme über den 11. September, über die Krise von 2008, über den Spanischen Bürgerkrieg und sogar über die Grippe von 1918. Über Elbichito: nichts. Der Grund ist kein künstlerischer. Er ist wirtschaftlich und politisch: Wie mehrere Teilnehmer der Debatte meinen, steckt niemand Geld in eine Erzählung, die nicht die offizielle ist – und die offizielle steht noch nicht fest. Derweil füllt sich das kollektive Gedächtnis mit Bildern, die die Fiktion nie berührt: Fassaden, die mit Chlor besprüht wurden, Nachbarn mit Maske am Strand, Supermarktschlangen in Nitrilhandschuhen. All das gab es. Und es ist auf keiner Leinwand zu sehen.

Das Problem sind nicht die Regisseure, sondern die Finanzierung

Die erste Antwort von jedem, der in der Filmproduktion gearbeitet hat, ist immer dieselbe: Ein Drehbuch über den Lockdown kommt bei keiner Streamingplattform durch den Filter. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil das Thema immer noch radioaktiv ist. Die Plattformen leben von Abonnenten aller politischen Farben, und keine will eine kulturelle Front eröffnen, die sie Verluste kostet. Es gibt Ausnahmen, natürlich: Songbird, Locked Down, The Bubble, Infiesto, Sick oder La cascada erwähnen Elbichito nur am Rande. Das sind kleinere Titel, meist mit ironischer Distanz gedreht oder schlicht als B-Movie. Keiner ist der Film, den das Thema verlangt.

Manche halten dagegen, das Problem liege woanders: Das Drehbuch existiere nicht, weil das echte Material zu lächerlich ist, um ein Drama zu tragen. Ein Autor, der eine ernste Szene über einen Arbeiter schreiben will, der die Fassade eines Wohnblocks mit einer Chlorspritze desinfiziert, merkt, dass die Szene unfreiwillig komisch ist. Schreibt man sie ernst, lacht das Publikum. Schreibt man sie als Witz, wird man der Leugnung bezichtigt.

Was die Fiktion nicht erzählen kann, ohne schlecht dazustehen

Das zweite Hindernis ist die Perspektive. Jeder Film braucht einen Protagonisten, mit dem man mitfühlt, und einen klaren Antagonisten. Bei Elbichito war der Antagonist ein unsichtbares Bicho, und der Protagonist war alle gleichzeitig. Das funktioniert auf der Leinwand nicht. Die bisherigen Versuche nahmen den einfachen Weg: missverstandene Wissenschaftler, die warnen, und niemand hört zu. Das ist das Muster von Don't Look Up, das ursprünglich vom Klimawandel handelte und Premiere hatte, als es perfekt als Pandemie-Parabel passte. Arme Wissenschaftler, alle geopfert, alle ignoriert. Die Schablone ist abgenutzt.

Der andere Weg wäre, die Geschichte von unten zu erzählen: die Pflegeheime, die Kurzarbeit, die Schlangen vor den Arbeitsämtern, die Familien, die ihre Toten nicht beerdigen durften. Diese Erzählung hätte Material. Aber genau die will keine Produktionsfirma anfassen, weil sie zu konkreten politischen Entscheidungen Stellung verlangt, die bis heute offen sind. Wer würde ein Drehbuch finanzieren, in dem Heimleitungen als fahrlässige Verwalter dastehen? Und eines, in dem sie als Helden erscheinen? Beides ist möglich. Keines ist rentabel.

Warum die offizielle Erzählung noch immer nicht geschrieben wurde

Der dritte Grund ist der Kalender. Große historische Erzählungen werden verfilmt, wenn der Konsens schon hergestellt ist. Über den Spanischen Bürgerkrieg gibt es seit Jahrzehnten einen akzeptierten Rahmen. Über Elbichito nicht. Der Kulturkampf tobt weiter: Impfungen, Masken, Lockdowns, Elbichito-Pässe. Jede dieser Fronten hat ihren eigenen Stamm, und keiner hat völlig gesiegt. Jetzt zu drehen hieße Position beziehen. Und jetzt Position beziehen kostet Geld.

Die wahrscheinlichste Wette, falls sie je eingelöst wird, ist die, die man bereits in Schulbüchern erprobt: ein Film in fünf oder zehn Jahren, wenn die Generation, die ihn als Erwachsene erlebt hat, demografisch an Gewicht verloren hat und die, die ihn als Kind erlebte, sich nur noch an die Erzählung erinnert, die man ihr beigebracht hat. Dann ja. Dann wird es einen Film, eine Serie und eine Dokumentation geben. Und sie werden erzählen, dass wir gestärkt daraus hervorgegangen sind.

In der Zwischenzeit ist der einzige existierende Film der, den wir alle ohne Gage gedreht haben. Manche bezahlten mit ihrer Gesundheit. Andere mit ihrem Geschäft. Und ein paar – diejenigen, die in Mexiko feiern gingen, während hierzulande Ausgangssperre herrschte – mit einem ruhigen Gewissen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (39 Antworten).

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