Casanova und das Kino, das niemand sieht: 381 Tickets in 79 Sälen
Eduardo Casanova hat erneut den Fokus auf sich gezogen, diesmal wegen Aussagen, in denen er darum bittet, dass Wähler der Partei VOX ihn auf der Straße nicht grüßen sollen. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten und führte zu einer unbequemen Frage: Wer bezahlt den Film, den er macht? Die Zahlen, mit denen die Branche selbst hantiert, sind stur. Sein Dokumentarfilm Enferma, der in 79 Kinos anlief, verzeichnete laut kursierenden Daten insgesamt etwa 381 Zuschauer und einen Umsatz von knapp 2.900 Euro. Sein vorheriger Spielfilm, La piedad (2023), blieb bei rund 2.800 Zuschauern stehen. Mit diesen Zahlen deckt die Kinokasse nicht einmal eine Wochenlohnabrechnung.
Worüber wirklich diskutiert wird
Der Auslöser war ein Tweet mit einem Screenshot der Aussagen des Schauspielers und Regisseurs, in denen er Abstand zu VOX-Wählern nimmt. Von da an wandelt sich die Angelegenheit. Sie hört auf, eine Social-Media-Kontroverse zu sein, und wird zur Abrechnung mit dem Finanzierungsmodell des spanischen Films. Denn die Zahl, die über der gesamten Konversation schwebt, ist, dass Casanovas Filme sich nicht durch verkaufte Tickets tragen, sondern durch öffentliches Geld. Der übliche Mechanismus: direkte Subventionen und vor allem steuerliche Abschreibungen, die Produktionsfirmen an Unternehmen verkaufen, damit diese ihre Steuerlast beim Finanzamt (Hacienda) senken. Geld, das, wie argumentiert wird, nicht mehr in die Staatskasse fließt, um Straßen, Gesundheitswesen oder andere Dinge zu finanzieren.
Es gibt eine Zahl, die die Absurdität zusammenfasst. Fünf Zuschauer pro Saal und Vorstellung. Der Vorführer, der Kassierer, der Popcorn-Verkäufer und zwei weitere. Der wiederkehrende Scherz besagt, dass selbst wenn man während der Arbeitszeit den Arbeitsplatz verlässt, die Kapazität besser erklärt wird.
Das Argument der Freiheit und das des Geldbeutels
Die am häufigsten wiederholte Linie ist die der Inkonsistenz: Meinungsfreiheit fordern und gleichzeitig verlangen, dass einen nicht grüßt, wer anders wählt. Ein anderes Argument ist profaner. Wenn der Film durch die Steuern aller finanziert wird, einschließlich derer, die VOX wählen, verdient der Schöpfer Geld an Menschen, die er beleidigt. Die Schlussfolgerung, die viele ziehen: Subventionen sollten auf linke Wähler beschränkt werden, da sie die einzigen sind, die laut dieser Erzählung das Produkt konsumieren würden.
Dem gegenüber steht das klassische Gegenargument: Kultur wird nicht an der Kinokasse gemessen und Autorenfilme brauchen öffentliche Unterstützung, um zu existieren. Das ist eine legitime Position, aber sie kollidiert mit einem Detail. Wenn das Produkt keine Zuschauer findet, nicht einmal in seiner eigenen Nische, gerät die Verteidigung ins Wanken.
Medizinische Behandlung als Metapher für alles
Eine der ätzendsten Wendungen der Angelegenheit ist die gesundheitliche. Mehrere Nachrichten berechnen, dass die antiretrovirale Behandlung, Konsultationen und Tests etwa 800 Euro monatlich pro Patient kosten. Die Ironie ist offensichtlich: Seine Filme erwirtschaften nicht einmal genug, um diese Ausgabe zu decken. So mischt sich die Kritik am Subventionsmodell mit den Gesundheitskosten einer chronischen Krankheit, in einem Ton, der an persönliche Abrechnung grenzt.
Hier sollte man vorsichtig sein. Die Zahl von 800 Euro ist eine kursierende Berechnung, kein offizieller Wert. Und die Gesundheit einer bestimmten Person ist kein Stoff für Schlagzeilen. Was journalistisch relevant ist, ist die Grundfrage: Wie viel kostet es, ein kulturelles Modell aufrechtzuerhalten, das Filme ohne Publikum produziert?
Die Karriere: von Aída zum BOE
Casanova wurde 2005 durch die Serie Aída bekannt, in der er einen nerdigen Teenager spielte, der später sein Coming-out hatte. Seitdem entwickelte sich seine Karriere in Richtung Regie und Produktion. Seine Spielfilme haben kein Massenpublikum gefunden und laut der wiederkehrenden Erzählung hängt ihre Finanzierung vom BOE (Staatsanzeiger) ab, also von öffentlichen Geldern. Die schwebende Frage: Wer legt weiterhin das Geld für seine Filme hin?
Der Hintergrund: ein Modell, das nicht passt
Der spanische Film wird größtenteils dadurch finanziert, dass Körperschaftsteuerabschreibungen an Unternehmen verkauft werden. Es ist ein intransparentes System für den durchschnittlichen Steuerzahler, der sieht, wie sein Geld Produkte unterstützt, die er nicht konsumiert. Die Casanova-Kontroverse ist nur die Spitze des Eisbergs einer breiteren Debatte über öffentliche Ausgaben für Kultur und deren tatsächliche Rendite.
Mit diesen Bausteinen lautet die Frage nicht, ob Casanova das Recht hat, das zu sagen, was er sagt. Die Frage ist, wie lange ein Modell aufrechterhalten werden kann, in dem der Schöpfer einen Teil derer beleidigt, die ihn bezahlen. Dort bleibt die Blockade bestehen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (74 Antworten).