Gastronomie in Großbritannien: Flache Löhne und einbehaltene Trinkgelder
Ein Mitarbeiter eines britischen Gastronomiebetriebs verbringt den halben Vormittag damit, einen Lieferwagen für eine Kundin aus einem Parkplatz zu fahren, die sich nicht traut, es selbst zu tun, schleppt Koffer in Stockwerke ohne Aufzug und verdient exakt dasselbe wie eine Kollegin, die diese Aufgaben nicht übernimmt. Niemand dankt ihm. Dieser Vorfall, der sich jede Woche wiederholt, fasst eine Spannung zusammen, die den Sektor durchzieht: Löhne, die sich nicht bewegen, ständig wechselnde Belegschaften und soziale Reibungen, die sich hinter der Theke ansammeln.
Dies erzählt jemand, der in Großbritannien arbeitet und dessen Beschwerde zu einer unfreiwilligen Bestandsaufnahme des britischen Arbeitsmarktes geworden ist. Es ist kein Einzelfall. Die Gastronomie gehört zu den Sektoren, die die Migrations- und Lohnpolitik des Landes in den letzten Jahren am stärksten unter Druck gesetzt haben, und die Kluft zwischen der offiziellen Rhetorik und der Realität der Frühschicht wird immer größer.
Warum steigen die Löhne in der britischen Gastronomie nach dem Brexit nicht?
Das vorherrschende Argument derer, die an vorderster Front arbeiten, ist, dass der Brexit nicht die versprochenen Lohnerhöhungen gebracht hat. Es wird behauptet, dass die Gehälter in Großbritannien stagnieren und die Unternehmen den Personalmangel dadurch ausgleichen, dass sie auf die Anwerbung aus dem Ausland setzen, etwa aus Ländern wie Indien. Die Logik ist simpel: Wenn eine Stelle besetzt werden kann, ohne die Lohnkosten zu erhöhen, steigen die Lohnkosten nicht.
Dem steht ein anderes Argument entgegen: Die britische Gastronomie war schon immer ein Sektor mit hoher Fluktuation und geringen Margen, und die Löhne sind seit Jahrzehnten am unteren Ende der Skala festgeschrieben. Der Migrationsdruck wäre in dieser Version der Beschleuniger des Problems, nicht dessen Ursache. Was beide Strömungen eint, ist die grundlegende Diagnose: Arbeitsplätze werden besetzt, aber die Qualität der Beschäftigung verbessert sich nicht.
Ein Vergleich mit den nordischen Ländern wird oft gezogen. Es wird angemerkt, dass Norwegen oder Schweden Vollbeschäftigung und hohe Löhne bei hoher Englischkenntnis aufweisen, was erklären würde, warum deren Arbeiter die Migration nach Nordamerika oder Island nicht als Bedrohung sehen. Dieser Kontrast verstärkt den Verdacht, dass das Problem nicht der Mangel an Menschen ist, sondern der Preis, den man bereit ist, ihnen zu zahlen.
Geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung: Eine Debatte im Team
Ein weiterer Teil der Unzufriedenheit richtet sich gegen die Verteilung körperlicher Arbeit. Einige argumentieren, dass sich die Beschwerde nicht gegen bestimmte Personen richte, sondern gegen eine Organisation, die Arbeiterinnen in Funktionen setzt, die körperliche Kraft erfordern, und dann erwartet, dass andere die schwere Arbeit erledigen. Dieses Argument vermischt sich mit der Frage der Lohngerechtigkeit: Wer mehr körperliche Arbeit leistet, verdient dasselbe, was zu einem Gefühl der Ungerechtigkeit führt.
Demgegenüber steht eine unbequemere Sichtweise: Die These, dass bestimmte Stellen nicht von Frauen besetzt werden sollten, ist eine Meinung und kein bewiesener Fakt, und die Verwechslung von Unternehmenschaos mit einer vermeintlichen kollektiven Unfähigkeit ist ein schwerer Fehler. Was die Unzufriedenheit jedoch widerspiegelt, ist ein Personalmanagement, das den Parkplatz stundenlang unbeaufsichtigt lässt und dann über das Ergebnis erstaunt ist.
Trinkgelder: Vom freiwilligen Gestus zum einbehaltenen Geld des Unternehmens
Das US-System ist ein Hauptgrund für die Empörung. Es wird daran erinnert, dass die Gesetzgebung in den USA es erlaubt, dass der Grundlohn von Kellnern bei 3 Dollar pro Stunde liegt und alles andere von den Trinkgeldern der Kunden abhängt. In Großbritannien war das Modell bisher freiwillig, aber die Kartenzahlung hat alles verändert: Das Trinkgeld läuft über die Kasse und in der Praxis entscheidet das Unternehmen, was es damit macht.
Die britische Regierung hat die Absicht gezeigt, die Verteilung zu regulieren, um zu verhindern, dass diese Beträge in der Tasche des Betriebs bleiben – genau das fordert der Sektor. Das zugrunde liegende Argument ist dasselbe wie bei der restlichen Unzufriedenheit: Das Unternehmen soll den Lohn zahlen, nicht der Kunde, und die Person, die den Tisch bedient, sollte nicht jedes Mal über ihren realen Lohn verhandeln müssen, wenn jemand die Karte hinhält.
Soziale Erschöpfung als wirtschaftliche Variable
Es gibt einen unsichtbaren Faden, der einbehaltene Trinkgelder, stagnierende Löhne und Gespräche hinter der Theke verbindet: den Umgang miteinander. Mehrere Berichte betonen, dass die Reibung nicht mit bestimmten Gruppen besteht, sondern mit dem Gefühl, dass eine grundlegende Gegenseitigkeit verloren gegangen ist. Wer Gepäck schleppt, ohne darum gebeten zu werden, und keine Anerkennung erhält, sieht den Sinn der Anstrengung nicht mehr. Das ist zwar Arbeitspsychologie, aber es ist auch ein Arbeitskostenfaktor: Fluktuation und Demotivation kosten Geld.
Es wird beiläufig das Beispiel eines berühmten Gastronomen erwähnt, der durch lautstarken Erfolg groß wurde, und das eines anderen, der sich trotz seines freundlichen Wesens das Leben nahm, um zu unterstreichen, dass Freundlichkeit und Erfolg nicht immer Hand in Hand gehen. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist weniger heroisch: Das Problem ist nicht der unzufriedene Kunde, sondern derjenige, der sein Ego als Beschwerdeform nutzt.
Die Zahl, die nicht passt
Und hier erscheint die Zahl, die verwirrt. Ein Rückblick auf die Lesegewohnheiten zeigt, dass der Anteil der Frauen unter den Käufern von Ratgebern bei etwa 62,5% liegt — 2 von 3 Lesern — im Vergleich zu den 74%, die ein Artikel von Forbes aus dem Jahr 2009 angab. In diesem Genre ist das dominierende Konzept in Titeln für Männer laut häufiger Beobachtung „du musst“; in denen für Frauen „du verdienst“. Das erklärt weder Schichtarbeit noch einbehaltene Trinkgelder, aber es passt verdammt gut zum Rest.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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