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Warum der Mensch Gott sucht: angeboren, gelernt oder Geschäft
Das Argument des Schamanen: Ein isolierter Stamm würde vieles nicht kennen, hätte aber eine Religion. Ist der Wunsch nach Gott angeboren oder ein Geschäft?
Der Wunsch nach Gott: für die einen angeboren, für die anderen ein Geschäft
Keine bekannte Zivilisation des Homo sapiens war je atheistisch. Das ist die These eines Teilnehmers, der sie auf Benedikt XVI. zurückführt, um zu erklären, warum der Mensch nach etwas Höherem sucht, selbst wenn er glaubt, es nicht zu brauchen. Daraus leitet er das auffälligste Argument ab, das ein anderer Nutzer anführt: Würde ein verlorener Stamm ohne Kontakt zur Zivilisation auftauchen, würde er vieles nicht kennen – aber er hätte seinen Schamanen. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist unbequem: Die Vorstellung von „irgendetwas mehr“ wird nicht gelernt, sie ist ab Werk mit dabei.
Warum Religiosität als angeboren gilt
Wer diese These vertritt, fügt einen weiteren Punkt hinzu: Atheismus ist ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, keine historische Konstante. Derselbe Teilnehmer ordnet das einer konkreten religiösen Warnung zu: jener der Gottesmutter, die 1917 in Fátima bereits vor der sogenannten Großen Apostasie gewarnt haben soll. Das Argument hat ein klassisches Problem: Die Universalität eines Glaubens beweist nur, dass er verbreitet ist – nicht, dass er wahr ist.
Der Wunsch nach Gott als Zuflucht und als Geschäft
Die gegenteilige Lesart bestreitet nicht den Wunsch, sondern sein Ziel. Wie ein anderer Teilnehmer betont, entstehen Glaubensvorstellungen aus dem Bedürfnis, einer zwecklosen Existenz Sinn zu geben – und über diese Lücke bauen sich Trostangebote. Dazu kommt ein Verdacht, den ein weiterer Teilnehmer äußert: Niemand hat je direkten Kontakt mit Gott gehabt, aber viele bereichern sich an dem Glaubensbedürfnis anderer. Dass der Wunsch existiert, bedeutet nicht, dass das ersehnte Objekt existiert.
Von der traditionellen Religion zu den digitalen Quasi-Religionen
Wenn der klassische Rahmen schwächer wird, bleibt die Lücke nicht leer. Wie ein katholischer Teilnehmer beschreibt, füllen sie Sekten, Gruppen aus dem New-Age-Umfeld und Gemeinschaften, die behaupten, über Telegram, Discord oder YouTube Botschaften von angeblichen Außerirdischen zu empfangen. Das Phänomen wechselt die Form, nicht die Funktion: Gemeinschaft, Sinn und jemand an der Spitze mit Antworten.
Bei intaktem Wunsch bleibt die offene Frage, was genau diesen Raum füllt – und ob der Ersatz dieselbe Arbeit leistet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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