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Liturgie im Digitalen: Glaube im Zeitalter der Bildschirme
Evangeliumslesungen, responsorischer Psalm, Heiligenkalender und Rosenkranz in einem einzigen Thread. Die liturgische Tradition passt sich der digitalen Welt an, ohne ihre Substanz zu verlieren.
Die tägliche Liturgie überschreitet die digitale Grenze
Ein einziger Thread vereint den Paulusbrief an die Epheser, Psalm 116, die Predigt von Pater Santiago Martín und das Beten der Barmherzigkeitsrosenkranzes um drei Uhr nachmittags. Dazu ein abendlicher Rosenkranz und die heilige Messe um acht Uhr live. Die alte Praxis der Lesung des Tagesevangeliums hat ihren Weg in Foren und Messenger-Gruppen gefunden, wo Dutzende Gläubige die Lesungen und den Heiligenkalender mit fast liturgischer Pünktlichkeit erhalten.
Die Aufmerksamkeitsökonomie schont nicht einmal das Gebet. Den vollständigen Text der ersten Lesung, des responsorischen Psalms und der Predigt zu veröffentlichen ist eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass die Botschaft ohne Filter und Algorithmen ankommt. Anders als bei den offiziellen Apps des Vatikans ist hier der Vermittler ein Nutzer, der kopiert und einfügt und eine persönliche Begrüßung hinzufügt – „Buenos días nos dé Dios“ („Gott gebe uns einen guten Tag“) –, die die Botschaft menschlicher macht.
Zwischen den Erwähnungen Dutzender Nutzer und den Links zum Barmherzigkeitsrosenkranz bietet der Thread auch eine Rarität: die Apophthegmata Patrum (Sprüche der Wüstenväter), zusammengestellt vom Jesuiten Heribert Rosweyde im 17. Jahrhundert. Eine eremitische Tradition, die über die französische Übersetzung der Mönche von Solesmes zu uns kommt. Gelehrsamkeit verschmilzt mit Volksfrömmigkeit.
Inwieweit verändert die Technologie die religiöse Erfahrung – oder verlagert sie lediglich auf einen neuen Bildschirm?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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