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Warum der australische Föderalismus besser funktioniert als der spanische
Das australische Wahlsystem stärkt den einzelnen Abgeordneten gegenüber der Partei und damit Föderalismus und Parlamentarismus. Die wichtigsten Unterschiede zu Spanien.
Der australische Föderalismus funktioniert besser als der spanische, weil das Wahlsystem den einzelnen Abgeordneten gegenüber der Partei stärkt und damit das Parlament sowie das Verhältnis zwischen Zentralstaat und Gebietskörperschaften festigt.
Das australische parlamentarische System verdient diesen Namen noch. Das Parlament bewahrt eine Macht, die in Spanien verwässert wurde, insbesondere indem es das Monopol behält, Normen mit Gesetzeskraft zu verabschieden. Ein der spanischen decreto-ley (Notverordnung) ähnliches Instrument gibt es dort nicht. Am nächsten kommen noch Rahmengesetze und delegierte Gesetzgebung, eine Technik, die in Spanien seit den achtziger Jahren kaum noch verwendet wird.
## Das australische Parlament, eine echte Macht
Das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung ist in Australien nicht so einseitig zugunsten der Regierung verschoben wie in Spanien. Das australische Parlament hat eine Stärke, die es ihm erlaubt, Gesetze zu verabschieden – etwas, das in Spanien gegenüber der Exekutive zunehmend an Boden verloren hat. Dieser Unterschied ist nicht gering, denn ein starkes Parlament ist die Grundlage einer gesunden Demokratie.
Die australische Verfassung von **1900** legte den Grundstein für einen dualen Föderalismus und räumte den Gebietsregierungen considerable Macht ein. Im Laufe der Zeit wurden jedoch die Kompetenzen des Bundes gestärkt. Dieser Prozess, gesellschaftlich akzeptiert trotz der Zurückhaltung der Bundesstaaten, entspricht dem Bedürfnis nach stärkerer Koordination in der modernen Welt. In Spanien folgt der Autonomiestaat einer deutlich zentrifugalen Dynamik, und wenn die regionalen Dienste versagen, fällt die Schuld auf die staatliche Finanzierung, oder man sucht Ausreden, um unauffällig zu rezentralisieren. Ein Beispiel dafür ist die Schaffung der Unidad Militar de Emergencias (UME, eine militärische Katastropheneinheit).
## Territoriale Auseinandersetzungen: Interessen vor Ideologie
Die Streitigkeiten zwischen Zentralregierung und Autonomen Gemeinschaften in Spanien sind meist von einem starken parteipolitischen Bias geprägt. Es ist üblich, dass von einer Partei regierte Regionen mit der von einer anderen geführten Zentralregierung aneinandergeraten. Diese Dynamik, die sich im Laufe der Zeit immer wieder abgewechselt hat, ist in Australien nicht in gleicher Deutlichkeit zu beobachten.
Auch wenn Ideologie in Australien eine Rolle spielt, haben territoriale Interessen Vorrang. In diesem Sommer schlug die Labour-Regierung von **Anthony Albanese** vor, den zusätzlichen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung für über 65-Jährige zu streichen, woraufhin mehrere Bundesstaaten Widerstand leisteten, darunter die Labour-Regierung von **New South Wales**. Gleichzeitig stellt die Regierung von **Victoria**, ebenfalls Labour, das aktuelle System der Verteilung der GST (das australische Äquivalent zur Mehrwertsteuer) unter den Bundesstaaten in Frage – ein System, das eine technische Kommission als unverhältnismäßig vorteilhaft für **Western Australia** bestätigt hat. Das wäre vergleichbar damit, dass ein spanischer Regionalchef öffentlich die baskischen und navarrischen Finanzquoten (cupos) kritisiert.
## Politische Kultur und Wahlsystem
Der große Unterschied im Funktionieren – über die Regeln hinaus – zwischen Australien und Spanien liegt in der politischen Kultur. Jahrzehnte der Praxis von Parlamentarismus und Föderalismus, bei der der Gehorsam gegenüber den Parteien in den Hintergrund trat, haben diesen Unterschied gefestigt. Meiner Ansicht nach wurde diese Kultur durch ein Wahlsystem gestärkt, das Politikern erlaubt, an das zu glauben, was sie sagen.
Ein Besuch im Parlament von **Queensland** ist eine aufschlussreiche Erfahrung. Hinter der Sicherheitskontrolle trifft man auf eine große Tafel mit den Fotos der 93 aktuellen Landesabgeordneten, darunter der Name jeweils den Wahlkreis, ohne Angabe der Partei. Auf den Fluren folgen die Fotos vergangener Legislaturperioden. Diese visuelle Präsenz der einzelnen Vertreter wiederholt sich in anderen Landesparlamenten und im Bundesparlament in **Canberra**. Die Botschaft ist klar: Die Institution besteht aus einzelnen Vertretern, nicht nur aus Parteien oder Führern.
In Spanien ist diese Sichtbarkeit des einzelnen Abgeordneten praktisch nicht vorhanden, abgesehen von den Porträtgalerien ehemaliger Präsidenten. Der Grund ist einfach: In Spanien überlassen die Parlamentarier das Rampenlicht den Fraktionen, während in Australien die Abgeordneten ein eigenes Gewicht haben.
## Der einzelne Abgeordnete gegen die geschlossene Liste
Die Hauptursache dieses Unterschieds liegt im Wahlsystem. Der spanische Congreso wird über geschlossene und starre Listen gewählt. Der Wähler wählt eine von der Partei aufgestellte Kandidatur, was bedeutet, dass der Abgeordnete einen Großteil seiner politischen Karriere denen verdankt, die diese Listen erstellen.
Australien folgt dagegen einem anderen System. Das Repräsentantenhaus wird in Einpersonenwahlkreisen gewählt. Die Bürger stimmen für konkrete Kandidaten mit Namen, auch wenn darunter die Partei steht, der sie angehören. Die Partei ist wichtig, ja, aber der Abgeordnete hat eine viel direktere Beziehung zu seinem Wahlkreis und zu den Wählern, die ihm bei jeder Wahl ihr Vertrauen erneuern. Das beseitigt die Parteidisziplin nicht, führt aber ein entscheidendes Element ein: die territoriale Loyalität. Der Abgeordnete weiß, dass er einen Wahlkreis vertritt und dass sein politisches Überleben nicht nur vom Wahlausschuss seiner Partei, sondern auch vom Urteil seiner Wähler abhängt. Wie **Ortega y Gasset** bereits **1929** feststellte: "Die Gesundheit der Demokratien, welchen Typs und Grades auch immer, hängt an einem elenden technischen Detail: dem Wahlverfahren. Alles andere ist sekundär."
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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