Llérida oder Lérida: Der Ortsname, den das TV unterschiedlich ausspricht
Warum sagen Nachrichtensendungen „Llérida“ und nicht „Lérida“? Die kurze Antwort lautet, dass niemand eine entsprechende Anordnung unterzeichnet hat. Die lange Erklärung führt zum BOE, zu den Schildern der A-3 und zu einem Namensstreit, den Spanien seit 1714 mit sich trägt. Innerhalb weniger Wochen ist der zusätzliche Buchstabe in mehreren Nachrichtenblöcken aufgetaucht, zur gleichen Sendezeit und mit derselben künstlichen Betonung. Dies sei kein Versprecher, sondern ein redaktioneller Standard, so Kritiker.
Was ist „Llérida“ und warum ist es weder Lérida noch Lleida
Lleida ist der katalanische Ortsname. Lérida ist die kastilische Form, die seit Jahrhunderten lebt. Llérida ist keines von beidem: Es ist eine phonetische Anpassung, die das katalanische „ll“ ins Spanische überträgt und ein „e“ hinzufügt, das im Original nicht existiert. Es klingt nach einer Hybridform – und ist auch eine.
Befürworter stellen es als das kleinere Übel dar: Man respektiere die offizielle Schreibweise, ohne vom Moderator zu verlangen, ein „ll“ auszusprechen, für das es im Kastilischen kein Äquivalent gibt – was man beim Versuch deutlich merkt. Das Ergebnis ist dieses Llerida, das in der verbalen Signalisierung einiger Nachrichtensendungen auftaucht. Auf den realen Schildern ist das Durcheinander noch größer: Dasselbe Schild verkündet je nach Seite der Verwaltungsgrenze „Lleida, 10 km“ oder „Saragossa, 150 km“.
Was sagt das BOE zum offiziellen Stadtnamen
Das BOE (spanisches Amtsblatt) listet Lleida seit Jahrzehnten als offizielle Bezeichnung. Zuvor stand dort Lérida. Die Änderung war keine symbolische Geste: Sie legte den Namen fest, der in Dokumenten, Registern und einem Großteil der staatlichen Beschilderung erscheint. Was sie jedoch nicht tat, war das Verbot der kastilischen Form im Sprachgebrauch. Man kann „Lérida“ sagen, ohne gegen Gesetze zu verstoßen, wie in der Diskussion betont wird.
Dies ist die Paradoxie, die debattiert wird. Die offizielle Bezeichnung ist katalanisch, die kastilische Form bleibt gültig, und die Nachrichtensender haben einen Zwischenbegriff gewählt, der niemanden zufriedenstellt. Der Name hat römische Wurzeln —Ilerda— und von dort bis Lérida und Lleida führt ein Weg durch Jahrhunderte, den keine der beiden Seiten als abgeschlossen betrachtet.
Lérida, Gerona und La Coruña: Die Schilder, die ihren Namen änderten
Der Vergleich mit La Coruña ist der häufigste. Ende des letzten Jahrhunderts wechselten die Autobahnen nördlich von Madrid von der Beschriftung La Coruña zu A Coruña. Ähnliches geschah auf der A-3, wo die Schilder allmählich „Lérida“ durch „Lleida“ ersetzten. Kritiker weisen darauf hin, dass derselbe Staat in einem Fall eine Form fördert und sie im anderen bremst; diese Asymmetrie ärgert.
Die administrative Tradition verstärkt dieses Gefühl. Wie in der Debatte behauptet wird, musste für die Schiffsregistrierung eine spezifische Serie —GIR— für die maritime Provinz Palamós erfunden werden, obwohl das Register weiterhin von einer anderen abhing. Bürokratische Ingenieurskunst, um alle zufrieden zu stellen, ohne grundlegend etwas zu ändern.
London, München und das Argument der Doppelstandards
Das am häufigsten wiederholte Argument in der Diskussion ist die Übersetzung von Ortsnamen. Im Deutschen sagen wir London, nicht London; München, nicht München; New York, nicht New York. Wenn das für ausländische Hauptstädte gilt, warum dann nicht für Lérida?
Die Gegenargumentation besagt, dass Lleida nicht fremd sei: Es gehöre zum selben Staat, der seinen offiziellen Namen festlegt. Lérida mit London zu vergleichen würde bedeuten, Katalonien als separates Land zu behandeln – genau das steht zur Diskussion. Der Kreis schließt sich und kehrt zum Ausgangspunkt zurück.
Im Hintergrund bleibt eine oft erzählte Anekdote. Ein Anwoiner der katalanischen Küste hörte einen Touristen, der Lloret de Mar als „Loreto de Mar“ bezeichnete, und adoptierte diese Form dauerhaft. Der durch Bequemlichkeit deformierte Ortsname hat eine lange Geschichte. Das Neue ist nicht seine Existenz, sondern dass er nun zur Primetime ausgestrahlt wird.
Die künstliche Aussprache: „la yeneralitat“
Es gibt ein Detail, das über Ortsnamen hinausgeht. Wenn Nachrichtensendungen die Govern (katalanische Regierung) erwähnen, taucht ein „la yeneralitat“ mit dem katalanischen „g“ auf, das, wie kritisiert wird, bei der baskischen Regierung nicht angewendet wird. Die Aussprache wird zur Geste, und die Geste zur Botschaft.
Derselbe Reflex zeigt sich bei ausländischen Namen, die mit einer Betonung verlängert werden, die man niemals bei „Paris“ anwenden würde. Übertriebene Korrektheit wird zur Karikatur, und der Zuschauer bemerkt es. Er hört auf, eine Nachricht zu hören, und beginnt, eine Absicht zu hören.
Die redaktionelle Anweisung, die niemand unterzeichnet
Kritiker gehen davon aus, dass es eine interne Präferenz für offizielle Bezeichnungen gibt, einschließlich Lleida, Girona oder A Coruña, und dass diese Präferenz den Nachrichtensendern als Richtlinie zugegangen ist. Einige behaupten sogar, man müsse ihnen täglich Kommunikationsregeln vorgeben.
Die Frage ist, ob diese Präferenz zur internen Richtlinie geworden ist und warum sie plötzlich in mehreren Sendern gleichzeitig auftaucht.
Die zynischste Erklärung – und die am häufigsten wiederholte – ist politische Bequemlichkeit: Ein Publikum zufriedenstellen, ohne das andere völlig zu verärgern. Das Ergebnis, weder Lérida noch Lleida, ist das, was jeden Abend zu hören ist. Ein Ortsname, der laut dieser Kritik in keinem Wörterbuch steht und den halb Spanien bereits ohne mit der Wimper zu zucken ausspricht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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