Wahldienst in Spanien: 70 Euro für 16 Stunden unter Mindestlohn

In Spanien erhalten Wahlhelfer 70 Euro für bis zu 16 Stunden Pflichtdienst. Das entspricht 4,37 Euro pro Stunde – unter dem gesetzlichen Mindestlohn und bei Verweigerung strafbar.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wahldienst in Spanien: 70 Euro für 16 Stunden unter Mindestlohn
Wahlvorstand in Spanien: 70 Euro für einen Tag mit bis zu 16 Stunden

Ein heißer Sonntag in einer Sporthalle, ein Klappstuhl, ein nicht regulierbarer Luftzug und eine Aufwandsentschädigung von 70 Euro für einen Arbeitstag, der sich auf sechzehn Stunden ausdehnt. So stellt man sich die Pflicht vor, Teil eines Wahlvorstands (mesa electoral) zu sein, geregelt im Organgesetz 5/1985 über das allgemeine Wahlregime. Artikel 143 dieses Gesetzes sieht für jene, die ohne gerechtfertigten Grund nicht erscheinen, den Posten verlassen oder ihre Abwesenheit nicht entschuldigen, drei Monate bis ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe von sechs bis vierundzwanzig Monaten vor. Der eigentliche Kritikpunkt ist nicht nur das Geld: Es ist das Fehlen eines echten Weges, sich zu weigern.

Wie viel wird für den Dienst im Wahlvorstand gezahlt?

Die kursierende Zahl beträgt für diese Wahlen 70 Euro, gegenüber den zuvor gezahlten 60 Euro. Die oft wiederholte Berechnung ist erschütternd: 70 Euro geteilt durch 16 Stunden ergeben 4,37 Euro pro Stunde, was unter dem Mindestlohn liegt, den die Verwaltung selbst von jedem Unternehmen verlangt. Manche erinnern daran, dass der Tag noch länger dauern kann und die Zahlung brutto erfolgt, da die Tätigkeit nicht als Arbeitsverhältnis gilt.

Das ist der juristische Kern des Problems. Es ist kein Vertrag: Es ist eine obligatorische persönliche Leistung. Da es keine Arbeit ist, fallen Garantien zur Risikoprävention, Temperaturgrenzen, Pausen und jegliche Beschwerde über die Räumlichkeiten weg. Wer dies so darstellt, fasst es in einem Wort zusammen: Sklaverei. Und wer es bestreitet, antwortet mit einem anderen: So ist es nun mal.

Regierungsvertreter verdienen mehr und arbeiten weniger

Der Vergleich, der am meisten ärgert, ist intern im System selbst. Die Regierungsvertreter (representantes de la Administración), die den Tag überwachen, erhalten nach übereinstimmenden Berichten zwischen 150 und 200 Euro und müssen nicht den ganzen Tag im Wahllokal bleiben. In Katalonien erwähnte ein Nachrichtentext aus dem Jahr 2021, der in der Diskussion zitiert wurde, eine Vergütung von 152 Euro für Beamte, die das Wahlgerät betreuten. Für viele ist die Lücke zwischen dem, der den Vorstand hält, und dem, der kurz die Konstitution überprüft, der Beweis, dass das Problem nicht das Budget ist.

Die Aufgabenteilung zwischen den Behörden erzeugt zusätzliches Chaos. Manche beschreiben widersprüchliche Befehle: Autonome Kräfte sollten den Vorständen helfen, während staatliche nur Daten erheben sollten, mit kurzen Besuchen und falsch geparkten Autos. Bei allgemeinen Wahlen, mit nur einer eingesetzten Einheit, lastet die gesamte Verantwortung auf derselben Seite.

Warum werden Beamte nicht vom Wahldienst befreit?

Dies ist eine der am häufigsten gestellten Fragen: Wenn sie Staatsangestellte sind, warum besetzen sie dann nicht die Vorstände? Die in der Diskussion gegebene Antwort lautet, dass Parteimitglieder privilegiert sind und nicht ausgewählt werden können, während normale Bürger sehr wohl. Vorschläge für Freiwilligenlisten, wie sie in anderen Ländern üblich sind, stoßen auf Angst vor Betrug: Wenn sich die Mitglieder des Vorstands aufgrund von Sympathie anmelden, liegt die Auszählung in interessierten Händen.

Daraus ergibt sich der einzige Ausweg, den manche als kohärent betrachten: Das Wahlrecht an die Pflicht zum Vorstandsdienst zu binden. Nur wer sich vorher freiwillig ins Wählerverzeichnis eingetragen hat, könnte bestimmt werden; wer sich nicht einträgt, darf weder wählen noch muss dienen. Die Logik ist tadellos. Niemand hat dies ins BOE (Staatsanzeiger) gebracht.

Entschuldigung, Attest und der Tag, an dem niemand Anzeige erstattet

Der praktische Weg, der geteilt wird, ist das ärztliche Attest: Tage zuvor ins Gesundheitszentrum gehen, das Dokument holen und nicht erscheinen. Es wird auch angemerkt, dass Abwesenheiten faktisch nicht angezeigt werden, weil der Vorsitzende des Vorstands vor Gericht erscheinen müsste und dies normalerweise nicht tut. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Stellvertreter ebenfalls ausfallen, wird bei Annahme einer Erfüllungsrate von 75 % auf 6,25 % geschätzt – ein Prozentsatz, der dazu einlädt, sein Glück zu versuchen.

Die Konsequenzen, wenn man dient, werden aus erster Hand erzählt: Ein Tag unter eisigem Zug neben einem Fenster, das nicht schließen ließ, drei kranke Vorstandsmitglieder eine Woche später, Fieber, Krankmeldungen, ein Taxi aus eigener Tasche bezahlt, um die Unterlagen ans Gericht zu bringen, und eine Ermahnung des Richters wegen der Beschwerde über die Bedingungen. Die Wahlen kamen demjenigen teuer zu stehen, der sie abdeckte.

Profil der Ausgewählten und die Erzählung der Bürgerpflicht

Gegen das Bild des vorbildlichen Bürgers skizziert die Diskussion ein anderes Profil: Rentner, die früh aufstehen, um zuerst zu wählen, Arbeitslose und Empfänger von Sozialleistungen, für die 70 Euro eine Aushilfe sind, und Menschen ohne höhere Bildung, die aus statistischen Gründen öfter auf den Listen auftauchen. Die Idee, dass sich die Mehrheit für einen Tag wichtig fühlt, kreuzt sich mit der Ansicht, dass die Verbindlichkeit an sich die Demütigung ist.

Den Abschluss bildet ein unbequemes Datum: Der Wahltag ist länger als jeder gesetzliche Arbeitstag, die Bezahlung liegt unter dem Mindestlohn und keine Partei hat einen Finger gerührt, um dies zu ändern. Um ihr eigenes Gehalt zu erhöhen, läuft die Gesetzgebungsmaschinerie dagegen auf Reiseflughöhe.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

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