Vox wirbt mit lateinamerikanischem Song um Latinos

Vox veröffentlicht 'Latinos por Abascal', einen Song im lateinamerikanischen Rhythmus, um vor den Wahlen am 23. Juli in Spanien Stimmen zu gewinnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox macht einen lateinamerikanischen Song zur Wahlkampfwaffe mit 'Latinos por Abascal'

Ein eingängiger Refrain, Flaggen verschiedener Länder und eine Botschaft, die Arbeit, Sicherheit und Freiheit vermischt. Vox hat "Latinos por Abascal" uraufgeführt, den Soundtrack für seine Kundgebungen vor den Parlamentswahlen am 23. Juli. Die Partei verbreitete das Lied und ein Video über soziale Medien, mit Bildern von Menschen aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, und nutzt es als Hintergrundmusik bei Wahlkampfveranstaltungen, wie Daten der Agentur Europa Press zeigen. Der Refrain lässt keine Zweifel: "Latinos für Abascal, für ein großes Spanien werden wir wählen."

Der Text vervollständigt das ideologische Paket mit vier Achsen, die die Partei bei jedem Auftritt wiederholt: "Für Arbeit, für Sicherheit, für das, was zählt, für Freiheit." Dies ist keine unschuldige ästhetische Entscheidung. Es ist ein erklärter Versuch, die Stimmen einer Gruppe zu gewinnen, die laut der Partei selbst zum Schlüssel für den Einzug in den Palacio de la Moncloa geworden ist.

Die Verschiebung der lateinamerikanischen Stimmen hin zu Vox

Die Wette hat ihre innere Logik. Manche behaupten, dass ein großer Teil der in Spanien lebenden lateinamerikanischen Migranten Vox wählt oder wählen würde, da viele vor sozialistischen Regierungen aus ihren Ländern geflohen sind. "Die Einwanderer, die ich kenne, sind rechter als ich; fast alle sind dem Sozialismus entkommen", fasst eines der häufigsten Argumente in der Analyse dieser Strategie zusammen.

Diese These kollidiert mit der traditionellen Migrationsrhetorik der Partei. Jahrelang baute Vox Teile seiner Wahlkampferzählung auf Kritik an der massiven Ankunft von Ausländern auf. Nun bittet sie dieselbe Gruppe mit einem spanischsprachigen Song, lateinamerikanischem Rhythmus und Flaggen von Peru, Mexiko oder Chile neben der spanischen Flagge um Stimmen. Der Widerspruch bleibt nicht unbemerkt: Manche ironisieren, dass die Partei Migranten erst verunglimpfte und dann als "Amerikanische Spanier" bezeichnete, sobald sie begriff, dass deren Stimmen nötig sind.

Die demografische Rechnung liegt auf dem Tisch. Damit Vox ein massives Ergebnis erzielt, müssten Millionen Lateinamerikaner die Partei wählen, was bedeutet, dass die Partei mehr Zuzug aus diesen Ländern befürwortet. Dies ist das Paradoxon, das mehrere Analysen hervorheben: Eine Partei, die harte Maßnahmen gegen illegale Migration verspricht, braucht legale Zuwanderung, um ihre Wählerbasis zu vergrößern.

Warum setzt Vox nicht voll auf Geburtenraten?

Die häufigste Kritik an der Strategie betrifft nicht das Lied, sondern was darin fehlt. Im Programm gibt es keine konkreten Maßnahmen zur Förderung der lokalen Geburtenrate, und mehrere Analysen deuten darauf hin, dass ohne wirtschaftliche Freiheit und industrielle Prosperität die Ankunft gering qualifizierter Arbeitskräfte der unvermeidliche Weg sein wird, den Arbeitsmarkt zu stützen. Die dahinterliegende Frage ist einfach: Wenn das Ziel ist, die genehme Wählerschaft zu vergrößern, warum dann nicht die Geburtenraten der bereits hier Lebenden fördern?

Manche antworten, dass Wahlzeiten nicht auf eine Generation warten. Ein Babybonus braucht zwanzig Jahre, bis daraus ein Wähler wird. Ein heute ankommender Migrant kann bei der nächsten Wahl abstimmen. Die Arithmetik ist brutal und erklärt, warum die Partei sich entschied, ihrem Salsa-Rhythmus zu geben.

Der Kampf um Algorithmus und Erzählung

Der Wahlkampf findet auch im digitalen Raum statt. Mehrere Analysen weisen darauf hin, dass das Video "Latinos por Abascal" in den Suchergebnissen der großen Plattformen schwer zu finden ist, während kritische Inhalte leicht auftauchen. Beschwerden über die Funktionsweise der Algorithmen ziehen sich durch das Thema: Es wird argumentiert, dass Plattformen negative Inhalte über die Partei priorisieren, was die Verbreitung der offiziellen Botschaft behindert.

Das Kernproblem ist ein anderes. Vox sucht nicht nur lateinamerikanische Stimmen, sondern will die Idee verankern, dass es eine hispanoamerikanische Gemeinschaft gibt, die Werte mit der spanischen Rechten teilt und den sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts ablehnt. Diese Erzählung konkurriert direkt mit jener, die die Linke über Solidarität und geteiltes historisches Gedächtnis aufgebaut hat.

Das Ende: Ein Sommerhit mit Verfallsdatum

Es bleibt abzuwarten, ob der Refrain an der Urne funktioniert oder eine Wahlkampf-Anekdote bleibt. Klar ist, dass Vox beschlossen hat, dass ihr Soundtrack kein feierlicher Hymnus oder Marsch sein soll, sondern ein lateinamerikanischer Song, der auf jedem Straßenfest getanzt wird. Die spanische Politik hat nun ihren Sommerhit. Nur muss noch geklärt werden, ob ihn jemand in der Moncloa tanzen wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (109 Antworten).

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