Vox verstärkt Präsenz im spanischen Fernsehen

Vox erhöht seine Auftritte im Fernsehen, da sein YouTuber-Netzwerk die Wähler über 50 Jahre – die wichtigste demografische Gruppe – nicht erreicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox verstärkt Präsenz im spanischen Fernsehen
Vox verstärkt Präsenz im spanischen Fernsehen

Santiago Abascal trat bei Canal Sur und 7TV Andalucía auf. José Antonio Fúster war im „Diario de la noche“ von Telemadrid zu sehen. Javier Ortega Smith trat bei Cuatro auf. Hinter all diesen Schritten steht dieselbe unbequeme Frage: Warum widmet eine Partei, die mit „durchschnittlich 5.000 Aufrufen“ auf ihren offiziellen Kanälen prahlt, nun ihrer Arbeit Medien, die sie jahrelang als feindselig bezeichnet hat? Die Antwort, die unter jenen kursiert, die die Kommunikationsstrategie von Vox genau beobachten, ist ernüchternd: Weil die Wählergruppe der über 50-Jährigen – die demografische Mehrheit des Landes – weiterhin lineares Fernsehen schaut und nicht YouTube.

Die Diagnose ist nicht neu. Neu ist, dass man damit zu beginnen scheint, als wäre sie wahr.

Das Veto, das nicht nur ein Veto war

Jahrelang lautete die offizielle Erklärung aus den Reihen von Vox ein medialer Ausschluss. Dass die öffentlich-rechtlichen Sender, die mit Steuergeldern finanziert werden, der Partei aufgrund von Entscheidungen der PP (Volkspartei) und PSOE (Sozialistische Partei) die Tür verschlossen hätten. Das Argument hat eine Grundlage: Es gibt dokumentierte Fälle von längeren Abwesenheiten in bestimmten Programmen. Doch die vollständige Version enthält ein Detail, das unbequem ist: es wurden auch Interviews abgelehnt, weil der Sender oder der Journalist nicht dem Geschmack der Partei entsprachen. In einem Ökosystem mit den Fernsehern, die es gibt, und nicht mit denen, die man sich wünscht, ist das eine kostspielige Art der Politik.

Manche behaupten, dass vier oder fünf Stunden Fernsehpräsenz von Vox-Führern einem Gewinn von einer Million Stimmen gleichkommen. Und im Gegenzug einem Verlust von einer Million für ihre Konkurrenten. Wenn das auch nur ansatzweise stimmen würde, ließe sich der Preis von sechs Jahren bewusster Abwesenheit nicht in Einschaltquoten messen: sondern in Parlamentssitzen.

El Toro TV und das Problem der Reichweite

Eine eigene Alternative existiert. Sie heißt El Toro TV, und ihre Einschränkung ist geografisch: Sie wird in vier Provinzen – Madrid, Saragossa und etwas mehr – frei empfangen, nicht im ganzen Land. Für einen Wähler in Palencia oder Almería, der nicht sicher im Umgang mit YouTube ist, erreicht ihn das passende audiovisuelle Angebot einfach nicht. Und dieser Wähler ist in vielen Provinzen derjenige, der die Wahlen entscheidet.

Die Wette auf ein Netzwerk von befreundeten YouTubern – Raúl el Murciano, David Santos, Isaac Parejo – hat ihre Logik: teilbare Inhalte, jederzeit verfügbar, ohne Abhängigkeit von Sendeplänen. Aber sie hat auch ihre Achillesferse. Tweets können Monate später wieder aufgerufen werden; eine Nachrichtensendung nicht. Das Fernsehen setzt heute die Agenda und verschwindet morgen. Das Internet baut ein Archiv auf. Es sind zwei verschiedene Spiele, und Vox hat bisher nur eines gespielt.

Wie viel Gewicht hat das Fernsehen wirklich für die Wähler über 50?

Es wiegt so viel, wie die Demografie vorgibt. Die Gruppe der über 50-Jährigen ist in Spanien die Mehrheit, und ihr audiovisueller Konsum bleibt fest im linearen Fernsehen verankert. Das ist keine Intuition: Es ist der Grund, warum Parteien mit einer soliden territorialen Struktur um jeden Auftritt in einer regionalen Nachrichtensendung kämpfen. Wenn die Mehrheitswählerschaft dich nicht sieht, wählt sie dich nicht. Und wenn sie dich nur auf einem Kanal sieht, den sie nicht einschaltet, ebenfalls nicht.

Das Gegenargument hat seine Berechtigung: Die offiziellen Nachrichten verzerren die Darstellung, reißen Aussagen aus dem Kontext und machen jede Erklärung zu einer feindseligen Schlagzeile. Es ist ein Kampf, der im Voraus verloren scheint. Doch die Schlussfolgerung, die ein Teil der Wählerschaft daraus zieht – lieber gar nicht erst hinzugehen – kollidiert mit einer hartnäckigen Tatsache: Die regierenden Parteien haben nie auf das Fernsehen verzichtet, selbst nicht, als das Fernsehen ihnen gegenüber schlecht behandelte.

Die Wende der letzten Monate

Die Auftritte haben sich vervielfacht. Abascal bei Canal Sur, der zur Amnestie Stellung nimmt. Fúster bei Telemadrid und Cuatro, der das Narrativ über Sozialhilfen für irreguläre Migranten dekonstruiert. Ignacio Garriga, der verspricht, das Abtreibungsgesetz „in die Luft zu jagen“, falls Vox an die Regierung kommt. Die Partei, die jahrelang den alternativen Kreislauf kultivierte, klopft nun an die Türen des konventionellen Kreislaufs.

Und die Zahlen, mit denen die Partei arbeitet, stützen dies: Eine von Antena 3 veröffentlichte Umfrage schreibt Vox mehr als 20 % der Stimmenanteile und 74 Sitze zu. Wenn diese Zahl Bestand hat, geht es nicht mehr darum, ob das Fernsehen funktioniert, sondern darum, wie viel Zeit man durch das Vermeiden desselben verloren hat.

Was noch ungeklärt bleibt

Die Strategie enthält einen internen Widerspruch, den noch niemand aufgelöst hat. In Studios zu erscheinen, die man als feindselig betrachtet, legitimiert diese Studios. Und der Aufbau eines eigenen Ökosystems aus YouTubern und befreundeten Kanälen konkurriert um dieselbe Aufmerksamkeit wie das allgemeine Fernsehen, anstatt es zu ersetzen. Vox hat beschlossen, beides gleichzeitig zu tun, ohne eine klare Hierarchie zwischen ihnen.

Das Wahlergebnis wird zeigen, ob sich sechs Jahre verspäteten Lernens in einem Zyklus ausgleichen lassen. In der Zwischenzeit bleibt die Altersgruppe der über 50-Jährigen dort, wo sie war: vor dem Fernseher, wartend darauf, dass jemand an ihre Tür klopft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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